Schorndorf

Schorndorf: Stadtjäger ab sofort Ansprechpartner bei Problemen mit Wildtieren

Stadtjäger Schorndorf
Unterstützung im Wildtiermanagement: Thorsten Englert (links) und Julian Schmitt (rechts) freuen sich über den Einsatz der Stadtjäger Andreas Bader (Zweiter von links) und Julian Wiederhold. © Büttner

„Sie sehen aus wie putzige Bärchen, aber das sind sie nun mal nicht. Waschbären richten leider immer größere Schäden an – in der Fauna, Flora und an Gebäuden“, sagt Andreas Bader. Er ist einer von zwei Stadtjägern, die ab sofort Ansprechpartner für alle Themen rund um Wildtiere im städtischen Gebiet sind. Erster Bürgermeister Thorsten Englert hat Andreas Bader (53) jetzt ins Amt eingesetzt. Dessen Kollege Julian Wiederhold (32) wird Ende des Monats noch eine Prüfung ablegen. Anschließend ist auch er als Stadtjäger im Einsatz.

Beide Männer üben diese Tätigkeit nebenberuflich aus. Bader ist als Versuchsingenieur bei Daimler in Sindelfingen beschäftigt und Julian Wiederhold ist gelernter Gärtner, kam über Umwege in den Pflegeberuf und arbeitet nun in einem Stuttgarter Krankenhaus. Für die Aufgabe, das Amt des Stadtjägers auszuführen, haben sich die langjährigen Inhaber eines Jagdscheins von Anfang an interessiert.

Eine der ersten Kommunen im Rems-Murr-Kreis, die Stadtjäger einsetzt

Die Stadt Schorndorf ist eine der ersten Kommunen im Rems-Murr-Kreis, die Stadtjäger einsetzt (wir berichteten). Ein „zähes und hinziehendes Verfahren“ sei’s gewesen, bis dies im rechtlichen Rahmen anerkannt wurde. Dass sich immer mehr Wildtiere in der Stadt ansiedeln, ist laut Englert auch in Schorndorf zu beobachten: „Wir hatten schon das Thema Füchse auf dem Friedhof. Und auch die Waschbären rücken immer mehr in die Innenstadt und richten beispielsweise auf Dächern große Schäden an.“ Er selbst habe unschöne Erinnerungen an den Besuch eines Waschbären auf seinem Dach und die daraus resultierenden Schäden und Kosten.

Der Waschbär ist alles andere als kuschelig. Nicht nur Menschen beschweren sich über den ursprünglich in Nordamerika beheimateten Eindringling, weil vor ihm und seiner neugierigen Nase kein Gartenhaus, kein Dachstock und auch keine Mülltonne sicher sind. Die sogenannte invasive Tierart (Neozoen) hat hierzulande in der Fauna keine Feinde und macht sich auf Kosten manch anderer vom Aussterben bedrohter Arten breit.

Andreas Bader und Julian Wiederhold werden die Bürger in Fragen des Wildtiermanagements und der Wildtiere in Siedlungsbereichen sowie in Geltungsbereichen von Bebauungsplänen beraten und unterstützen. Austausch und Zusammenarbeit gehören dazu. Forstrevierleiter Julian Schmitt: „Wir werden da eng in Kontakt bleiben.“ Ziel des Einsetzens eines Stadtjägers sei es, den Bürgern unbürokratisch Hilfestellungen zu geben und mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, erklärt Schmitt. Ein Stadtjäger könne zum Beispiel Fallen stellen, um Waschbären oder Ähnliches zu fangen. „Die betroffenen Personen müssen den Stadtjäger allerdings selber beauftragen und für die entstandenen Kosten aufkommen.“

Erste Maßnahmen: Prävention, Beratung, Fangen

Doch bevor das Problem – denn als solches sei es laut Forstrevierleiter Schmitt leider mittlerweile einzuordnen – mit einer Fangjagd gelöst und eine Falle aufgestellt werde, müsse man zunächst einmal schauen, wie und wo das Tier haust oder Schaden angerichtet hat. Ganz deutlich wird: Der Schuss ist der allerletzte Ausweg. „Prävention, Beratung, Fangen“, werden die ersten Maßnahmen aufgezählt, bevor zum letzten Mittel gegriffen wird.

Menschliche Siedlungen sind für Wildtiere attraktiv, denn sie bieten ein ganzjährig vielfältiges Nahrungsangebot und unterschiedliche landschaftliche Strukturen. Es gebe aber trotzdem Maßnahmen, die Bürger ergreifen könnten, wie beispielsweise angrenzende Bäume und Sträucher, die bis aufs Dach reichen, zurückzuschneiden: „So hat der Waschbär keine Chance, hochzuklettern.“ Julian Schmitt weiß um die Sorgen der Bürger.

Erst kürzlich habe er wieder einen Anruf einer Dame erhalten, die drei Waschbären auf ihrem Dach entdeckt hat. Wichtig sei es, die Tiere nicht zu füttern und auch das Futter für Haustiere wie Katzen nicht leicht zugänglich – beispielsweise auf der Terrasse – aufzubewahren. Andreas Bader rät von Essensresten auf dem Kompost ab. Lieber sollte der Kompost abgedeckt und Müllbehälter verschlossen werden. Auch Unterschlupfmöglichkeiten sollten so gesichert werden, dass ein Eindringen der Wildtiere vermieden wird: Einstiege zum Dachboden verschließen, Manschetten an Regenrohren anbringen, Schornsteine vergittern oder Katzenklappen absichern.

Niedlicher Allesfresser ist auch Krankheitsüberträger

Die Jagd dürfe nur ausgeübt werden, sofern präventive Maßnahmen keinen Erfolg versprechen oder soweit dies aus Gründen der Abwehr von „Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung oder zur Abwehr von Gefahren durch Tierseuchen erforderlich“ sei (§ 13a JWMG).

Somit finde eine reguläre Bejagung von Wildtieren, wie sie im Wald und Offenland praktiziert werde (also außerhalb des befriedeten Bezirks), durch Stadtjäger nicht statt. Vielmehr diene die Jagd im befriedeten Bezirk durch Stadtjäger, wie gesetzlich festgelegt, ausschließlich dem Lösen von „Wildtier-Mensch-Konflikten“, zur Gefahrenabwehr und Tierseuchenabwehr. Ausgebildet werden die Stadtjäger beim Jagd-Natur-Wildtierschützenverband Baden-Württemberg.

Vorfälle mit Wildtierarten wie Fuchs, Marder und Waschbär werden am häufigsten gemeldet, berichtet Julian Schmitt. Von den Schäden an Gebäuden abgesehen, werden Krankheiten immer häufiger. So niedlich dieser Allesfresser aussieht, so gefährlich ist der Waschbär auch: Waschbären bringen Zecken, Läuse und Flöhe mit, die Staupe, Hasenpest und andere Krankheiten übertragen können.

Im Garten liegende Kothaufen dürfen auf keinen Fall angefasst werden. Andreas Bader weiß: Sie können Eier des für Menschen gefährlichen Waschbärspulwurms enthalten. Dieser Schädling kann zu Organausfall, Erblindung oder sogar zum Tode führen.

Wie der Stadtjäger vorgeht, wenn die Lebendfalle zum Einsatz kommt und ein Tier, beispielsweise ein Waschbär, gefangen wird? Da der Waschbär eine invasive Tierart ist, darf er – sobald er einmal gefangen ist – nicht wieder freigelassen werden.

Andreas Bader verdeutlicht: „Aus der Falle kommt das Tier in einen Abfangkorb. Wenn es sich um einen Fuchs oder Dachs handelt, kann ich diesen lebend im Wald wieder freilassen. Wenn es sich allerdings um einen Waschbären handelt, bringe ich ihn in ein Revier nach Berglen in den Wald und dann muss ich ihn erschießen. Wenn ich ihn aussetzen würde, mache ich mich strafbar. Nach dem Gesetz muss ich ihn töten.“

„Sie sehen aus wie putzige Bärchen, aber das sind sie nun mal nicht. Waschbären richten leider immer größere Schäden an – in der Fauna, Flora und an Gebäuden“, sagt Andreas Bader. Er ist einer von zwei Stadtjägern, die ab sofort Ansprechpartner für alle Themen rund um Wildtiere im städtischen Gebiet sind. Erster Bürgermeister Thorsten Englert hat Andreas Bader (53) jetzt ins Amt eingesetzt. Dessen Kollege Julian Wiederhold (32) wird Ende des Monats noch eine Prüfung ablegen. Anschließend ist

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