Schorndorf

Schorndorf verpachtet Bauplätze für Mini-Häuser: Expertin berät Interessenten

Tiny house indiviva Madeleine Krenzlin (rechts) und Natascha Jordan
Die Schorndorfer Tiny-House-Expertin Madeleine Krenzlin (rechts) und Architektin Natascha Jordan. © IndiViva / Nashoa Fantur

Was braucht der Mensch für ein gutes Leben? Was ist wirklich wichtig? Philosophen sind angesichts solcher Fragen schon immer ins Schwitzen geraten, Aufräum- und Wegwerf-Beratung hat sich inzwischen als eigener Coaching-Zweig etabliert – und Bewohner von Mini-Häusern wissen, wie’s geht. Bald werden in Schorndorf die ersten Tiny Houses stehen. Der Clou: Die Stadt verpachtet die Grundstücke für 200 bis 240 Euro im Monat – zunächst befristet auf zehn Jahre.

Und dann? Droht die Abrissbirne?

Ein Minihaus lässt sich, sofern entsprechend konstruiert, abtransportieren und woanders platzieren. Auf Produkte und Dienstleistungen rund um transportable Mini-Häuser hat sich die Schorndorfer Tiny-House-Expertin Madeleine Krenzlin bereits vor Jahren spezialisiert – weshalb sie sich jetzt freut wie eine Schneekönigin, dass sich Schorndorf an solch ein Konzept wagt und „viele Kerngedanken der Tiny-House-Bewegung“ berücksichtigt, wie Krenzlin sagt. Dass die Grundstücke verpachtet werden, macht Hausbau möglich für Menschen mit weniger üppigem Budget.

Jedes Detail vorher genau durchdenken

„IndiViva“ heißt Madeleine Krenzlins Unternehmen, und ihr Fokus aufs individuell passende Mini-Haus reicht bis zur Schuhgröße: Die Treppe braucht breitere Stufen, sofern ein Mensch mit großen Füßen das kleine Haus bewohnt. Selbst die Frage nach der Zahl der nächtlichen Toilettengänge taucht in der Beratung auf: Es macht einen Unterschied, ob man das Bett oben und nur durch eine Leiter erreichbar haben möchte oder lieber unten auf gleicher Ebene mit dem WC.

Eine sehr, sehr lange Frageliste arbeitet Madeleine Krenzlin in ihren Beratungen mit potenziellen Mini-Hausbauern ab. Wer sich entscheidet, auf 17 oder 25 Quadratmetern zu leben, hat nichts zu verschenken und tut gut daran, sich vorher sehr genau zu überlegen, wofür unbedingt Platz sein muss. Mag sein, eine große Küche mit Platz für Koch-Gäste steht an erster Stelle auf der Liste. Oder eine Badewanne. Oder beides.

Ein Grundstück für ein Mini-Haus zu finden ist sehr schwierig

Architektin Natascha Jordan, seit einiger Zeit mit im IndiViva-Team, kennt sich aus mit Leben auf sehr kleinem Raum: Ein Jahr kam sie bestens klar in einem Camper; aktuell verwirklicht sie ihren Nur-das-Nötige-Lebensentwurf als Bewohnerin eines WG-Zimmers. Einen Bauplatz für ein Tiny House zu finden, ist außerordentlich schwierig: Deshalb hofft Madeleine Krenzlin, andere Kommunen mögen den Blick nach Schorndorf richten und sich an Ähnliches wagen.

Sie selbst pflegt momentan mit mehreren Grundstücksbesitzern Kontakt, die beim Gedanken, eine Fläche für eine begrenzte Zeit zu verpachten, nicht erschrocken zurückzucken. Viele Grundstücksbesitzer lassen ihre Fläche jahrelang leer stehen, wollen den Enkeln eine Bau-Option offenhalten – und könnten doch das Grundstück zwischennutzen als Verpächter, findet Krenzlin. Die Unternehmerin entwickelt momentan einen Muster-Mietvertrag für diese Fälle – und hofft, der Tiny-House-Idee mehr Raum zu verschaffen im wahrsten Sinne des Wortes. An Bauwilligen und Begeisterten fehlt’s nicht; allein die schwierige Grundstückssuche führte bisher dazu, dass Baupläne in Schubladen verharrten.

Damit die Tiny-House-Idee weiter Kreise zieht, bietet Krenzlin neuerdings auch kostenlose Sprechstunden für Kommunen an, die diese Wohnform vielleicht fördern möchten. Die nächste Online-Sprechstunde findet am 4. Februar um 15 Uhr statt.

Was braucht der Mensch für ein gutes Leben? Was ist wirklich wichtig? Philosophen sind angesichts solcher Fragen schon immer ins Schwitzen geraten, Aufräum- und Wegwerf-Beratung hat sich inzwischen als eigener Coaching-Zweig etabliert – und Bewohner von Mini-Häusern wissen, wie’s geht. Bald werden in Schorndorf die ersten Tiny Houses stehen. Der Clou: Die Stadt verpachtet die Grundstücke für 200 bis 240 Euro im Monat – zunächst befristet auf zehn Jahre.

Und dann? Droht die

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