Schorndorf

Schorndorf von oben: Dieter Fischer zeigt uns die fantastische Aussicht von seiner Dachterrasse

DachterrasseFischer
Blick von oben auf die Terrasse. © Gaby Schneider

Ein langer Holztisch mit acht Plätzen, an dem, geschützt von einem Glasdach, eine große Familie Platz findet. Eine gemütliche Leseecke mit einem Korbsessel, Töpfe mit Buchs, Rosen und Hortensien, ein Sofa mit vielen Kissen für lange Abende: Hoch oben über den Dächern der Altstadt liegt die verwinkelte Terrasse von Dieter Fischer. Mit ihren Einschnitten, den Sitzplätzen und fantastischen Ausblicken über die ganze Altstadt ist sie seit Jahren ein Rückzugsort für ihn und seine ganze Familie. An diesem Morgen um halb zehn ist es noch angenehm kühl in der Stadt. Das wird sich später ändern. Die Menschen zieht es an diesen heißen Sommertagen nach draußen, an die Luft und in schattige Ecken. Kaum einer will in einer Dachgeschosswohnung ohne Balkon oder Terrasse den Sommer verbringen – und sei sie auch noch so schön.

In der Altstadt galt ein strenges Baurecht

Genau das war der Grund, weshalb der Klavierbauer und Schorndorfer Unternehmer Dieter Fischer in den 70er Jahren im Rathaus für den Bau seiner Dachterrasse an der Johann-Philipp-Palm-Straße gekämpft hat. Nach der Heirat lebten er und seine Frau in einer kleinen Dachwohnung über dem Musikhaus Fischer – mit Dachflächenfenstern, wie Dieter Fischer betont. „Zum Wohnen brauchen Sie heute einen Balkon“, sagt er. Das Problem: In der Altstadt habe ein strenges Baurecht gegolten, Dachterrassen waren nicht erwünscht. Auf die Idee einer Dachterrasse war Fischers Freund, der Architekt Claus Stammler, im Zuge des Umbaus von Werkstatt und Flügelsaal gekommen. Nicht genehmigungsfähig!, hieß es dann aber im Rathaus, als Fischer mit seiner Anfrage vorsprach. Warum, habe er gefragt, die Terrasse sei von der Straße aus doch gar nicht zu sehen. „Aber von der Kirche aus“, sei die Antwort gewesen.

Nicht die Kirche, aber der Kirchturm ist von der Dachterrasse aus zu sehen. Erhaben ragt er zwischen den roten Dächern der Altstadt hervor, nahe dem Rathausdach samt Türmchen. Zum Greifen nah liegt das Dach des benachbarten Kaufhauses Bantel, etwas weiter weg der Postturm und dahinter die Weinberge. Wunderschön ist dieser Blick, und genau deshalb hat es sich auch gelohnt, dass Fischers damals durchgehalten haben. Am Ende, sagt Dieter Fischer, habe sich der damalige Baubürgermeister überzeugen lassen. Überzeugen konnte Dieter Fischer auch den damaligen Kreisbrandmeister Karl Idler, der extra in die Wohnung unterm Dach gekommen sei, um die Sache zu begutachten. „Er war ein Pragmatiker“, sagt Dieter Fischer über ihn. Idler habe einen direkten Draht zur Feuerwehr verlangt und aus brandschutztechnischer Sicht dann grünes Licht gegeben. „Dadurch haben wir eine hohe Lebensqualität und einen gewaltigen Wohnwert bekommen“, sagt Dieter Fischer heute. Das Familien-Wohnmobil wurde daraufhin verkauft – es war überflüssig geworden.

Früher spielten hier die Kinder, heute kommen die Enkel

Es müssen großartige Sommer gewesen sein. Auf der darunterliegenden Terrasse installierten sie einen Pool, in den die drei Kinder von der Dachterrasse aus runtersprangen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Terrasse immer weiter. Das Glasdach kam dazu, um bei Festen vom Wetter unabhängiger zu sein. Der Pool ist verschwunden, die Kinder sind groß. Doch noch immer werden auf der Dachterrasse Familienfeste gefeiert und Freunde bewirtet. „Auch unsere Enkel“, sagt Dieter Fischer, „kommen gerne hierher.“

Die Dachterrasse ist von der Straße nicht zu sehen, und auch am Schild „Piano Fischer“ in der Johann-Philipp-Palm-Straße kann man leicht vorbeigehen. 1904 wurde das Musikhaus gegründet und seitdem immer weiterentwickelt. Heute logiert Tchibo im ehemaligen Musikhaus, doch noch immer wird dahinter im Stammhaus gearbeitet – hier ist die Verwaltung angesiedelt. Längst ist aus dem Musikhaus, in dem früher verschiedene Instrumente verkauft wurden, ein reines Piano-Haus geworden. Große Häuser von Fischer gibt es heute in Stuttgart, München und Ulm, ein kleineres in Schwäbisch Hall. Von Schorndorf aus werden nach Angaben Fischers rund 75.000 Kunden betreut. „Wir sind der größte Reparaturbetrieb in Deutschland“, sagt der gelernte Kaufmann und Klavierbauer und studierte Betriebswirt. Gelernt hat er übrigens bei Paul Stöckle, der später Prokurist und Technischer Leiter im Unternehmen wurde.

Schon früh setzt er sich für die Innenstadtentwicklung ein

Als Vorsitzender des damaligen Handels- und Gewerbevereins (heutiger BDS) in Schorndorf setzte sich Dieter Fischer schon in den 70ern für die Innenstadtentwicklung ein. Als Krux empfand er, dass viele Händler vor der Stadt ihr Haus gebaut hätten, anstatt in der Altstadt zu bleiben. „Aber um Frequenz in die Innenstadt zu bringen, müssen die Menschen in der Stadt wohnen bleiben“, ist er überzeugt. So habe er die Dinge in die Hand genommen, sich mit Stadtplanern, Ämtern und Politikern auseinandergesetzt und pragmatische Lösungen angeregt. Damals, erinnert er sich, wollte man keine Dachgauben – „heute kämpfe ich für Photovoltaik.“

Tatsächlich sind Solarmodule auf den Dächern der Altstadt ein umstrittenes Thema. Klimaschutz und Denkmalschutz liegen hier im Clinch. Dass Solaranlagen im Zuge des Klimaschutzes grundsätzlich gewünscht sind, darüber herrscht Einigkeit, doch noch gibt es keine Regelungen zu PV-Anlagen auf den Dächern des denkmalgeschützten Stadtzentrums. Die Vorgaben des Landesamts für Denkmalpflege seien noch nicht eindeutig, so Franziska Haist, stellvertretende Fachbereichsleitung Stadtentwicklung.

Beißen sich Photovoltaik und der Denkmalschutz?

Im Herbst soll das Thema angegangen werden, allerdings wird laut Haist dann ein Solar-Kataster notwendig, das klarstellt, welche Dachflächen grundsätzlich für Solaranlagen geeignet sind, ohne dem Schutz der historischen Altstadt entgegenzustehen. Ziel sei es, dass die Eigentümer auf bestimmten Dachflächen PV-Anlagen installieren können, das Erscheinungsbild der Dachlandschaft aber nicht beeinträchtigt wird. „Wir arbeiten daran“, verspricht sie.

Ein langer Holztisch mit acht Plätzen, an dem, geschützt von einem Glasdach, eine große Familie Platz findet. Eine gemütliche Leseecke mit einem Korbsessel, Töpfe mit Buchs, Rosen und Hortensien, ein Sofa mit vielen Kissen für lange Abende: Hoch oben über den Dächern der Altstadt liegt die verwinkelte Terrasse von Dieter Fischer. Mit ihren Einschnitten, den Sitzplätzen und fantastischen Ausblicken über die ganze Altstadt ist sie seit Jahren ein Rückzugsort für ihn und seine ganze Familie. An

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