Schorndorf

Schorndorf: Warum manche Chöre ohne Maske singen, obwohl strengere Regeln gelten

Oratorium
Kurz vor Verschärfung der Corona-Regeln war’s im Oktober 2021 noch möglich, dass die Schorndorfer Kantorei Louis Spohrs Oratorium „Die letzten Dinge“ in der Stadtkirche zur Aufführung bringen konnte. © Ralph Steinemann Pressefoto

Bis in den Herbst hinein haben Chöre wie der des Gesangvereins Buhlbronn noch geprobt, in der Turnhalle mit großem Abstand und freiwilliger 2G-plus-Regelung. Seit Ende November ist damit Schluss, weil laut aktueller Corona-Verordnung Chorproben im Innenbereich nur noch mit FFP2-Maske erlaubt sind – einerlei, ob die Sänger/-innen geimpft, genesen und zusätzlich getestet sind. Von einer Maskenpflicht, erklärt Jörn Rieg, Fachbereichsleiter Sicherheit und Ordnung, kann nur dann abgesehen werden, „wenn ein anderweitiger, mindestens gleichwertiger Schutz für andere Personen gegeben ist“.

Das Einhalten von Mindestabständen und eine 2G-plus-Regel, führt Rieg auf Anfrage und in Rücksprache mit dem Städtetag aus, reichten als Sicherheitsmaßnahme dafür nicht aus. Vielmehr bräuchte es „weitergehende Maßnahmen vor Ort“. Schutz vor Infektion könnten etwa physische Barrieren wie Plexiglasscheiben bieten. Denkbar wären im Einzelfall auch technische Anlagen, „die eine ausreichende Luftwechselrate zur Reduktion der Aerosolbelastung gewährleisten“. Letztendlich könne es aber nur einzelfallbezogene Ausnahmegenehmigungen für Chöre geben, die die Stadt bis dato aber mangels Nachfrage noch nicht erteilt hat. Diese Regelungen, erklärt Rieg weiter, gelten in der Alarmstufe für alle Chöre, auch für die kirchlichen.

Für die Kantorei entscheidend: Ordnung der Landeskirche

Und dennoch wird in der Schorndorfer Kantorei ohne Maske gesungen. Nach Meinung von Kirchenmusikdirektorin Hannelore Hinderer, die mit gut 100 Sängerinnen und Sängern für die Aufführung der Johannespassion am Karfreitag probt, ist dies möglich, weil sich der Chor eine 2G-plus-Regelung auferlegt hat: An den Proben nehmen ausschließlich Geimpfte oder Genesene teil, die einen tagesaktuellen, zertifizierten Schnelltest aus einem Testzentrum vorweisen können. Außerdem werde in zwei Gruppen geprobt: Die Frauenstimmen singen – „mit übergroßem Abstand“ – in der Stadtkirche, die Männer, ebenfalls mit Zwei-Meter-Abstand, im Martin-Luther-Haus. Zudem sind CO2-Ampeln im Einsatz. Bis zum Erreichen des Platzes werden Masken getragen. Diese Hygieneregeln, sagt Hinderer, seien in engem Kontakt mit dem Landeskirchenmusikdirektor als Fachaufsicht entstanden. Im Gegensatz zu Gesangvereinen, betont die Kirchenmusikdirektorin, gelte für die Kantorei die Ordnung der Landeskirche, die in CO2-Ampeln und größeren Abständen geeignete Ausgleichsmaßnahmen für den Infektionsschutz sieht. Außerdem spreche sie sich mit Dekanin Dr. Juliane Baur ab. Eine Genehmigung der Stadt braucht es aus ihrer Sicht also nicht.

Und auch wenn die Aufführung am Karfreitag, die Hannelore Hinderers letztes großes Konzert vor dem Ruhestand sein wird, für die Kantorei oberste Priorität hat: Leichtsinnig wollen sie und ihr Chor nicht sein. Darum wurde ein lange geplantes Probenwochenende im März in Löwenstein mit 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zuletzt abgesagt: „Das kann ich nicht verantworten“, sagt Hannelore Hinderer, gibt aber zu bedenken: dass sich in den Proben, die wegen der großen Abstände durchaus anstrengender für die Sängerinnen und Sänger sind, bisher noch nie jemand mit dem Coronavirus angesteckt hat. Bis zur Aufführung am Karfreitag hofft die Chorleiterin aber auf weitere Lockerungen: Wie sonst könnten 100 Sängerinnen und Sänger vorne in der Kirche platziert werden?

Auch der katholische Kirchenchor singt in Absprache mit der Diözese maskenlos

Ohne Maske singt im Übrigen auch der Kirchenchor der katholischen Heilig-Geist-Gemeinde. Nicht in voller Stärke, aber in einer kleinen Schola mit acht bis zwölf Personen. In Absprache mit der Diözese Rottenburg gelten folgende Regelungen: Alle Sängerinnen sind entweder geboostert oder zweimal geimpft mit offiziellem Schnelltest. Auf der Empore, erläutert Chorvorsitzende Anne Lingel, können außerdem nicht nur große Abstände eingehalten werden, die Sängerinnen und Sänger stehen auch versetzt auf den Stufen. Seit Mai 2021 singt der Kirchenchor in dieser Konstellation, Corona-Ausbrüche, versichert Anne Lingel, habe es bisher nicht gegeben.

Weil beide kirchlichen Chöre ihre Hygienekonzepte nicht mit der Stadt abgesprochen haben und das auch nicht tun müssen, kann Fachbereichsleiter Jörn Rieg letztendlich nicht beurteilen, ob die Maßnahmen ausreichen. Doch er will mit den betreffenden Chorleitern in Kontakt treten, sich ein Bild von der Situation vor Ort machen und Rücksprache mit dem Gesundheitsamt halten. Die Corona-Verordnung, betont Rieg, „privilegiert nicht bestimmte Chöre, sondern lediglich bestimmte Situationen“.

Bis in den Herbst hinein haben Chöre wie der des Gesangvereins Buhlbronn noch geprobt, in der Turnhalle mit großem Abstand und freiwilliger 2G-plus-Regelung. Seit Ende November ist damit Schluss, weil laut aktueller Corona-Verordnung Chorproben im Innenbereich nur noch mit FFP2-Maske erlaubt sind – einerlei, ob die Sänger/-innen geimpft, genesen und zusätzlich getestet sind. Von einer Maskenpflicht, erklärt Jörn Rieg, Fachbereichsleiter Sicherheit und Ordnung, kann nur dann abgesehen werden,

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