Schorndorf

Schorndorf: Wie Kinder den richtigen Umgang mit Hunden lernen

Hundefreunde Schorndorf
Die Hundeführerinnen zeigen den Kindern, was sie mit den Hunden machen dürfen. © ALEXANDRA PALMIZI

Kurz vor 14 Uhr. Hundetrainerin Rosemarie Lehrer ist im „Vollstress“, wie sie selbst lachend sagt. Für alles ist sie zuständig: Hänger beladen, abladen, wegfahren, Zelte aufbauen, die zwölf goldenen „Regel-Schilder zum Umgang mit dem Hund“ aufhängen und dann im Blick haben, ob die Helfer und Hundeführer alles bis zum Start hergerichtet haben. Die 1. Vorsitzende der Hundefreunde Schorndorf und Prüfungs-/Ausbildungsleiterin für den VDH-Hundeführerschein (Verband für das Deutsche Hundewesen) bereitet alles für das Ferienprogramm am Jugendhaus Altlache vor: Denn zur ehrenamtlichen Arbeit des Vereins gehört es unter anderem, Kindern den richtigen Umgang mit einem Hund beizubringen. An diesem Tag sind rund 25 Jungen und Mädchen aus Schorndorf und Adelberg (Rosemarie Lehrer wohnt in Adelberg und hat da auch ihr Büro) angemeldet.

Optimale Hundeerziehung ohne Drill und Zwang

Auf die meisten Kinder üben Hunde eine gewisse Faszination aus: Mit ihnen kann man so schön kuscheln oder spielen – doch stopp. Auch diese Art des Umgangs mit dem Vierbeiner will gelernt sein. Kinder können im Umgang mit den Fellnasen viel lernen – Verantwortung, Fürsorge, Rücksichtnahme und nicht zuletzt Freundschaft. Das wissen auch die Hundefreunde Schorndorf. Ihnen ist eines sehr wichtig: „Wir leisten hier ehrenamtlich soziale Arbeit und sorgen für die optimale Hundeerziehung ohne Drill und Zwang.“ Seit mehr als 30 Jahren ist Rosemarie Lehrer mit dem Thema beschäftigt. Die 69-Jährige widmet sich unter anderem der Aufklärungsarbeit rund um den Hund, der Verhaltenskunde für eine harmonische Mensch-Hund-Beziehung, der Welpenprägung, den unterschiedlichsten Trainingsaspekten sowie der gesunden Hundeernährung. Dies ist aber nur ein Teil dessen, was die Hundetrainerin und Chefin der Hundefreunde Schorndorf leistet.

Das Angebot, Kind und Hund beim Ferienprogramm zusammenzuführen, bestehe schon sehr lange, sagt Gabi Holzwarth, Zweite Vorsitzende der Hundefreunde und seit gut viereinhalb Jahren Mitglied bei den Schorndorfern. Sie ist eine von mehreren Helferinnen und Hundeführerinnen, die Rosemarie Lehrer an diesem Nachmittag unterstützend zur Seite stehen.

Einige der Vierbeiner liegen währenddessen angeleint im Schatten unter einem Baum. Sie ahnen, dass sie gleich eine Hauptrolle spielen werden. Während die Hundeführerinnen alle ein T-Shirt mit der Aufschrift „Hundeschule Rose Lehrer“ als Erkennungsmerkmal tragen, haben die Hunde ein grünes Tuch umgebunden bekommen. Pepsi beobachtet die ersten Kinder, die zum Jugendhaus Altlache kommen. Minny – ein Sheltie (Shetland Sheepdog) – riskiert ebenso den einen oder anderen neugierigen Blick. Die beiden Hunde gehören Rosemarie Lehrer. „Minny ist fünf Jahre alt, hat eine besondere Ausbildung und kann als Therapiehund eingesetzt werden. Das Tier hat ein besonderes Gespür dafür, ob jemand beispielsweise Angst hat oder nicht“, erklärt die Hundetrainerin den Kindern. „Pepsi sabbert“, sagt ein Mädchen und lacht. Während Noah, Felix, Lina und Emma Minny streicheln, zieht ein flauschiger Welpe die Blicke auf sich.

Gerade aus dem Schlaf erwacht, wird er von Hundebesitzerin Gabi Holzwarth in die Runde gezeigt. Ihr kleiner Sheltie-Nachwuchs heißt Kwirli und ist rund zehn Wochen alt (was einem Menschenalter von etwa einem halben Jahr entspricht). Jeder möchte ihn streicheln und ein Leckerli geben. Plato, der ebenfalls zu Gabi Holzwarth gehört, schaut mit seinen eisblauen treuen Augen etwas eifersüchtig auf sein Frauchen. Aber auch er bekommt sein Leckerli.

Niemals einem Hund direkt in die Augen starren

Rosemarie Lehrer erklärt die zwölf goldenen Regeln, die den Umgang mit dem Hund malerisch mit Bildern und kurzen prägnanten Sätzen auf Plakaten darstellen. „Niemals dem Hund in die Augen starren“, lautet eine dieser Regeln. Denn das könne für den Hund eine Provokation sein und einer Kriegserklärung gleichen. „Schaut auf die Ohren oder aufs Fell, aber nie direkt in die Augen“, so die Expertin. Aufmerksam hören die Kinder zu und tuscheln, welcher Hund am kuscheligsten aussieht.

Einige Ausbildungen hat Pino schon hinter sich. Frauchen Marion hat den Vierbeiner vom Tierschutz aus Rumänien. Und Jule, mit dem dreijährigen Mischlingshund Kira, erzählt, dass ihr Hund aus dem Tierheim Donzdorf beziehungsweise ursprünglich aus Spanien stammt. „Am Anfang war er nicht leicht und sehr wild“, lässt sie die Kinder wissen. Aber durch die richtige Erziehung klappe es nun mittlerweile viel besser. Yara wedelt mit dem Schwanz. „Der Hund sieht ja aus wie ein Schaf“, ruft ein Junge. Hundehalterin Susi lacht: „Ja, das stimmt. Es ist ein Hütehund.“ Yara sei außerdem Kinder gewohnt, denn sie stammt aus dem SOS Kinderdorf. Die Hundehalterin verrät weiter, dass der Hund aus Sardinien komme.

Ein „Allroundhund“ sei Spirit, ein zweijähriger Collie, der in seinem Erscheinen die Kinder an Lassie erinnert. „Er ist ein Streber in jeder Disziplin“, sagt Hundehalterin Marlene. Wie genau die Hunde auf Handzeichen oder Kommandos reagieren, demonstriert die Hundetrainerin. Emily probiert es aus und ruft: „Balli hol“, und schon springt Minny los. Das nächste Kommando: „Balli bring“, und auch da pariert das Tier. Einfache Übungen, die aber ebenso ein Training erforderlich machen, wie das Hören des Hundes auf „Platz“ und „Sitz“.

Kuschelkurs mit dem Tier?

Ob die Kinder auch auf Kuschelkurs mit den Hunden gehen können? Streicheln, füttern, rennen – was mit den Tieren möglich ist, was sie mögen oder nicht, das können nur die Hundehalter wissen und entscheiden, denn sie kennen ihr Tier am besten und „kein Hund gleicht dem anderen“, sagt Rosemarie Lehrer.

Dass ein Hund folgsam reagiert, dafür ist nicht zuletzt die Ausbildung von Tier und Hundehalter entscheidend. Den VDH-Hundeführerschein für verantwortungsvolle Hundehalter haben sich die Hundefreunde Schorndorf ebenso auf die Fahne geschrieben. Jetzt erst haben zehn Hundeführer mit ihren Hunden die Prüfung absolviert.

Hoffentlich bald wieder mehr Aktionen in Schorndorf

Rosemarie Lehrer: „Verlangt wird erstens die theoretische Sachkunde des Führers und zweitens auch ein einwandfreier Grundgehorsam sowie zusätzlich ein supersoziales Verhalten des zu prüfenden Hundes, auch im Außenbereich.“ Da der Verein seit gut sechs Jahren in Schorndorf keinen geeigneten Hundeübungsplatz mehr besitzt, findet die Hundeführerschein-Prüfung auf dem großen Hundeübungsplatz von der Hundeschule Rosemarie Lehrer in Schwäbisch Gmünd statt. Sobald die Hundefreunde von der Stadt Schorndorf wieder einen entsprechend großen Hundeplatz zugeteilt bekommen, werden dann auch alle Arbeitskreise wie zum Beispiel Longieren, Dogdance, Agility, Besuchshundeausbildung und noch viele Aktionen mehr wieder in Schorndorf stattfinden können.

„Wir sind derzeit im engen Austausch mit der Stadtverwaltung und mit Oberbürgermeister Bernd Hornikel“, verkündet Rosemarie Lehrer hoffnungsvoll. Es werde an einer Lösung gearbeitet, heißt es aus dem Rathaus. Um das Thema kümmere sich der Fachbereich Wirtschaftsförderung und Grundstücksverkehr.

Kurz vor 14 Uhr. Hundetrainerin Rosemarie Lehrer ist im „Vollstress“, wie sie selbst lachend sagt. Für alles ist sie zuständig: Hänger beladen, abladen, wegfahren, Zelte aufbauen, die zwölf goldenen „Regel-Schilder zum Umgang mit dem Hund“ aufhängen und dann im Blick haben, ob die Helfer und Hundeführer alles bis zum Start hergerichtet haben. Die 1. Vorsitzende der Hundefreunde Schorndorf und Prüfungs-/Ausbildungsleiterin für den VDH-Hundeführerschein (Verband für das Deutsche Hundewesen)

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