Schorndorf

Schorndorf will mit Playmobil ein Zeichen gegen Rassismus setzen

Internationale Woche gegen Rassismus
Weil Menschen wegen der Corona-Pandemie nicht selbst gegen Rassismus demonstrieren können, sollen am 26. März und 27. März im Zentrum für internationale Begegnungen (ZiB) als Zeichen der Solidarität möglichst viele Playmobil-Figuren aufgestellt werden. © ALEXANDRA PALMIZI

Während alle unter der Corona-Krise leiden, sind Hass und Rassismus nicht weniger geworden. Im Gegenteil. „Hass macht im Lockdown keine Pause, und ich habe den Eindruck, dass die derzeitige Pandemie-Situation diese Haltung noch verstärkt“, sagte Gerhard Rall, Chef des Kreisdiakonieverbands und Vorstand des Schorndorfer Bündnisses gegen Rassismus und Rechtsextremismus, bei der Eröffnung der Internationalen Wochen gegen Rassismus. Der diesjährige Tag gegen Rassismus wird am 21. März begangen und von den Internationalen Wochen mit Aktionen umrahmt, die für das Thema sensibel machen sollen.

Gegenwehr mit Spielfiguren

Dass Aktionen wie diese notwendig sind, davon zeigten sich Oberbürgermeister Matthias Klopfer und Gerhard Rall beim Auftakt der Woche überzeugt. Matthias Klopfer warnte vor Rassismus im Alltag und zeigte sich froh darüber, dass sich viele Schorndorfer gegen Rechtsextremismus und Hass engagieren. Dass die Wochen trotz und gerade wegen aller Sorgen um Corona wichtig sind, das zeigen nach Ansicht Gerhard Ralls auch die vielen Kommentare in Online-Foren. Politiker würden dort beschimpft, rechtspopulistische und rechtsradikale Stimmen immer lauter. „Es kommt zu rassistisch orientierten öffentlichen Kundgebungen, Hemmschwellen werden im Internet völlig abgelegt und rassistische Äußerungen offen verbreitet.“ Dagegen brauche es Gegenwehr mit den Mitteln des Rechtsstaats und einer entschlossenen Zivilgesellschaft. In der Corona-Krise, in der die persönliche Begegnung unmöglich ist, werde die Gegenrede gegen Hass und Diskriminierung kreativ und mit Fantasie umgesetzt. Ein schönes Beispiel ist für Rall dafür auch die Playmobil-Demonstration, die ihm Rahmen der Internationalen Wochen stattfinden soll. Weil sich die Menschen aktuell nicht treffen können, um gemeinsam gegen Rassismus zu demonstrieren, soll im Zentrum für internationale Begegnung in der Schlachthofstraße am Freitag, 26. März, von 15 bis 18 Uhr und am Samstag, 27. März, von 14 bis 16 Uhr mit Playmobilmännchen ein Zeichen anderer Art gesetzt werden. Im Hof des Zentrums sollen möglichst viele Spielfiguren aufgestellt werden. Nach der Aktion werden die Spielmännchen an den Tafelladen weitergegeben.

Kinder steuern Bilder bei

Mit Zeichnungen und bunten Bildern sind auch Kitas und Schulen eingeladen, sich an der Woche zu beteiligen. „Auch schon die Kindergärten sollen sich an das Thema rantasten“, ist Lena Böhnlein, Integrationsbeauftragte der Stadt, überzeugt. Eine Kita beteiligt sich zum Beispiel mit vielen bunten Abdrücken kleiner Hände. Die Bilder sollen in einer Art Galerie am Zaun aufgehängt werden und deshalb – falls es regnet – möglichst laminiert werden. Die Stadtbücherei beteiligt sich an der Woche mit einer Literaturliste für Kinder und Erwachsene. Eine weitere Bücherliste zum Thema hat das Schorndorfer Bündnis gegen Rassismus und Rechtsextremismus anlässlich der Internationalen Wochen erstellt. Von Erfahrungen mit Rassismus im Alltag weiß auch die Integrationsbeauftragte. „Wir hören, dass Leute wegen ihres Namens oder ihrer Hautfarbe keine Wohnung bekommen.“ Rassismus, sagt Lena Böhnlein, sei ein Thema, auf das kontinuierlich hingewiesen werden und für das immer wieder sensibilisiert werden müsse. Schon Kindergarten-Kindern könne man den Wert von Vielfalt zeigen.

"Rechte Szene wird immer smarter"

Dass die Internationalen Wochen gegen Rassismus noch immer wichtig sind, davon ist auch Wolfgang Schuy vom Schorndorfer Bündnis überzeugt. „Uns macht der Alltagsrassismus Sorgen“, sagt er. Die rechte Szene werde immer smarter, verschwunden sei sie aber keineswegs. In der Vergangenheit seien Rechtsextreme, Rassisten und Antisemiten offen aufgetreten, inzwischen beschritten sie auch den Weg durch die Instanzen. „Sie finden sich vermehrt in allen möglichen Organisationen, teils unerkannt und unauffällig bei Feuerwehren, Polizei, Bundeswehr, in Vereinen und Parteien, sie zeigen sich als der nette Nachbar, der nur helfen möchte, in Parlamenten für die Interessen der Bürger eintritt.“

In der Ehrenamtsreihe „Scho engagiert!“ ist Wolfgang Schuy am Dienstag, 23. März, zu Gast. Im Rahmen eines Web-Seminars wird er von 18.30 Uhr bis 19.30 Uhr über das Schorndorfer Bündnis sprechen und einen Einblick in dessen ehrenamtliche Arbeit geben (Anmeldung per E-Mail an die Fachstelle für bürgerschaftliches Engagement: engagement@schorndorf.de).

Während alle unter der Corona-Krise leiden, sind Hass und Rassismus nicht weniger geworden. Im Gegenteil. „Hass macht im Lockdown keine Pause, und ich habe den Eindruck, dass die derzeitige Pandemie-Situation diese Haltung noch verstärkt“, sagte Gerhard Rall, Chef des Kreisdiakonieverbands und Vorstand des Schorndorfer Bündnisses gegen Rassismus und Rechtsextremismus, bei der Eröffnung der Internationalen Wochen gegen Rassismus. Der diesjährige Tag gegen Rassismus wird am 21. März begangen

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