Schorndorf

Schorndorfer eröffnet Ledermanufaktur

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„Ich garantiere für lebenslange Haltbarkeit“, sagt Philipp Gatter über seine Gürtel, die er im Röhm-Areal produziert und vertreibt. © Schneider/ZVW
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Den größten Teil seiner Kreativität und seiner Arbeitszeit verwendet Philipp Gatter auf Gürtelschließen. © Gaby Schneider
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Zum Sortiment gehören auch Handtaschen. © Gaby Schneider

Schorndorf. Als absoluten Glücksfall sieht’s der 44-jährige Philipp Gatter an, dass er mit seiner kleinen Ledermanufaktur, in der er seinen Schwerpunkt auf Gürtel mit handgefertigten Schließen und auf Handtaschen legt, ausgerechnet in der ehemaligen Lederfabrik Röhm untergekommen ist. Dort hat er sich in einem seit längerem nicht mehr genutzten Lagerraum eine Werkstatt mit Verkauf eingerichtet.

Der gelernte Modellbauer und Stahlgießer ist vor elf Jahren aus der traditionsreichen Schwäbisch Gmünder Gießerei Gatter (mittlerweile Gmünder Stahl + Edelstahlguss GmbH) ausgestiegen und hat sich für einen eigenen Weg entschieden. „Meinen ersten Gürtel habe ich schon in der Schulzeit gemacht“, sagt der in Degenfeld lebende Philipp Gatter, der mit seiner Lederwarenproduktion in Gmünd angefangen hat und jetzt, da der Versuch, sich in Hamburg anzusiedeln, privat und geschäftlich fehlgeschlagen ist, in Schorndorf gelandet ist. Von einer Freundin hat er den Hinweis aufs Röhm, das er bis dahin nur vom Besuch während einer Kunstnacht kannte, bekommen, und vom Röhm aus führt er nun seinen „Kampf David gegen Goliath“, sprich gegen die Ladenketten und all diejenigen, die den Markt mit Massenware überschwemmen. Oder mit Produkten, bei denen die Kunden weniger für Qualität als vielmehr für den Markennamen bezahlen.

Kunden kommen nie wieder, weil die Produkte so langlebig sind

Demgegenüber nimmt Philipp Gatter, dessen Entwürfe und Modelle – egal ob es sich um Taschen oder um Gürtelschließen handelt – alle von Hand und nicht am PC entstehen, für sich in Anspruch, dass seine Kunden entweder nie mehr kommen, weil das ihnen verkaufte Produkt ewig hält, oder nur deshalb wieder kommen, weil ihnen das, was sie gesehen oder gekauft haben, so gut gefallen hat, dass sie sich einfach noch einen Gürtel oder eine Handtasche gönnen wollen. Sicher sein dürfen sie bei Philipp Gatter, dass nichts aus Asien, sondern alles aus heimischen Landen kommt: Das Leder etwa – überwiegend Rind, teilweise aber auch Büffel – bezieht er aus Gerbereien in Metzingen und im bayrischen Viechtach, wobei er Wert darauf legt, dass das Leder chrom- und nickelfrei, also rein vegetabil, gegerbt wird. Die Riemen zuschneiden lässt er im schleswig-holsteinischen Kellinghusen, die von ihm entworfenen Taschen, die es derzeit serienmäßig in drei Modellen gibt, lässt er in einer Sattlerei in Brandenburg fertigen („Das kann kein Quereinsteiger wie ich“) und die Schließen entwirft und fertigt er in Handarbeit selber. Auf Wunsch in allen Materialien von Stahl bis Massivgold, am liebsten aber ganz klassisch in Bronze oder in Messing.

Aber auch für neue Entwicklungen wie etwa die in Richtung veganes Leder – aber nicht aus Kunststoff, sondern aus einem Ananas-Kokos-Geflecht, mit Pilzen versetzt – ist der 44-Jährige offen. „Da kommt man gar nicht mehr dran vorbei“, sagt er, hat aber bislang noch keinen passenden Lieferanten gefunden. Aber eins nach dem anderen: Schließlich muss sich Philipp Gatter in seinem Ein-Mann-Unternehmen außer um die Produktion auch noch um Marketing und Vertrieb kümmern.

Fast wäre Philipp Gatter mit seiner Kollektion im Playboy gelandet

„Diese Wegwerfgesellschaft kann so nicht weitergehen“, sagt Philipp Gatter und begründet so seinen Ehrgeiz, möglichst langlebige Produkte zu verkaufen – entweder über seinen bereits bestehenden Online-Shop oder künftig auch in seiner in historischem Ambiente neu eingerichteten Werkstatt mit Verkaufsraum. Die Preise für seine Gürtel beziffert er auf 39 bis 160 Euro, im Schnitt auf 80 bis 85 Euro, was aus seiner Sicht „nicht teuer, sondern preiswert“ ist. „Die müssten eigentlich 300 bis 400 Euro kosten, aber ich will ja nicht in Schönheit sterben“, sagt der 44-Jährige, der, wiewohl er jetzt in Schorndorf startet, in der Mode- beziehungsweise Accessoires-Welt durchaus kein unbeschriebenes Blatt mehr ist.

Im Fashionroom von Horst Wanschura in Stuttgart ist er vertreten, und fürs Bauhaus-Jubiläum in Weimar hat er eine Gürtel-Edition gemacht. Und auch in die eine oder andere Frauen- und Modezeitschrift wie etwa Brigitte, Freundin und Tweet hat es der 44-Jährige schon geschafft. Und fast wäre er auch schon im Playboy gelandet. Allerdings ist dem Redakteur, der die Geschichte mit ihm gemacht hatte, vor deren Erscheinen gekündigt worden. Themen genug also nicht nur für Verkaufsgespräche, die gerne auch bei einer Tasse Kaffee an der Bar geführt werden können, die Philipp Gatter in seine Ledermanufaktur integriert hat.


Eröffnung

Wer Lust und Interesse hat, sich die Ledermanufaktur von Philipp Gatter im Röhm-Areal (Weiler Straße 6) anzuschauen und mit Gatter ins Gespräch zu kommen, hat dazu am Samstag, 27. Oktober, von 11 Uhr an Gelegenheit.

Auch am Sonntag während des Stadtmarkts ist die Ledermanufaktur geöffnet.