Schorndorf

Schorndorfer Fahrlehrer beklagt fehlende Termine  für theoretische und praktische Fahrprüfungen

Fahrprüfung  Für einen Artikel über das Thema "Lassen fahrschulen Fahrschüler extra ind er prüfung durchfallen, um Geld zu schin
Über mangelnden Zulauf können sich die Fahrschulen derzeit nicht beklagen. Umso ärgerlicher ist das lange Warten auf Prüfungstermine. © Benjamin Büttner

„Sie wollen Ihre Fahrschüler bequem und unkompliziert für die Fahrerlaubnisprüfung anmelden, die Prüfungstermine verwalten und überprüfen, ob die Prüfungsgebühren rechtzeitig entrichtet wurden? Dank unseres Online-Services für Fahrschulen kein Problem!“, heißt es auf der Homepage des Tüv Süd. Von wegen „kein Problem“. Wenn der Schorndorfer Fahrlehrer Thomas Schaal von der Fahrschule „Banane“ für angehende Prüflinge, die oft ohnehin schon eine coronabedingte zweimonatige Wartezeit hinter sich haben und deshalb in aller Regel vor der Prüfung noch ein oder zwei nicht eingeplante Fahrstunden nehmen müssen, einen Termin für die theoretische oder praktische Prüfung sucht, dann kann das dauern. Plätze für die theoretische Prüfung kann er erst wieder am 6. Juli anbieten, der nächste ihm zur Verfügung stehende Termin für eine praktische Prüfung ist der 22. Juni. Und das alles nur, weil der Tüv Süd 2019 ein neues Online-Buchungssystem eingeführt hat, in dem es, wie Thomas Schaal sagt, zugeht „wie im Haifischbecken“, weil – erst recht nach der Corona-Pause – alle nach Schorndorf orientierten Fahrschulen zwischen Remshalden und Welzheim um freie Termine kämpfen. „Der Tüv hatte acht Wochen Zeit, sich auf diese Bugwelle vorzubereiten“, sagt der Fahrlehrer, der stinksauer ist – nicht nur, weil er jeden Tag Nachrichten von empörten Eltern bekommt, die sich beklagen, weil ihre Schützlinge so lange auf einen Prüfungstermin warten müssen. Und sei’s nur ein Termin für die mündliche Prüfung, damit das Töchterlein endlich jeden Tag mit dem Moped in den Pferdestall fahren kann. Allein schon dafür bräuchte es viel mehr Termine, weil sich infolge der Abstandsregel und der Kontaktbeschränkungen viel weniger Prüflinge als sonst in einem Raum aufhalten dürfen. Zusätzliche Prüftermine? Bislang Fehlanzeige.

„Ohne Corona-Ferien wäre das höchst blutdruckgefährdend“

Bis zur Einführung des Online-Buchungssystems war das alles viel einfacher: Da sind den Fahrschulen an festen Tagen Termine für eine bestimmte Anzahl praktischer Fahrprüfungen zugeteilt worden. Und damit sich das auch jeweils gelohnt hat, haben sich zum Beispiel die Schorndorfer Fahrschule Banane, die Welzheimer Fahrschule Akin und die Urbacher Fahrschule Gine zusammengetan und gemeinsame Termine gebucht. Das ist jetzt alles anders: Die Prüfgemeinschaft gibt es nicht mehr, stattdessen muss jede Fahrschule für sich selber schauen, wo sie bleibt, und Lücken im Online-Buchungssystem des Tüv finden. Was, wie Thomas Schaal erzählt, zur Folge haben kann, dass sich mehrere Fahrprüfungen, die früher nacheinander an einem Vormittag absolviert werden konnten, über den ganzen Tag verteilen. „Do isch dr Tag hee“, sagt der Fahrlehrer, der eigentlich den ganzen Tag über – und am besten auch noch während der Fahrstunden, was natürlich nicht geht – am Handy hängen müsste, um beim Online-Buchungssystem in eine Lücke stoßen zu können. Und wenn er die nicht gleich blockt, weil er mit einem Prüfling noch kurz Rücksprache nehmen muss, ob der Termin auch passt, kann’s passieren, dass den Termin schon eine andere Fahrschule ergattert hat. „Das alles ist extrem aufwendig von der Zeit und von der Kommunikation!“, sagt Schaal, dem es einfach an der Planungssicherheit mangelt und der nur deshalb noch so entspannt ist, weil er die Corona-Ferien hinter sich hat. „Ansonsten wäre das höchst blutdruckgefährdend“, meint er und wagt gar nicht daran zu denken, wie’s aussähe, wenn jetzt auch noch ein oder zwei Prüfer krankheitsbedingt ausfallen würden.

Derzeit drängen viele neue Fahrschüler in die Fahrschulen

Was sich nicht geändert hat, ist, dass der Tüv die Prüfungsgebühren weit im Voraus kassiert, ohne freilich im Gegenzug eine Prüfungszusage im gewünschten Zeitraum geben zu können. Was nicht zuletzt für diejenigen ein Problem ist, die eine Fahrprüfung wiederholen müssen. Auch sie müssen erst wieder bezahlen, weil das Buchungssystem ansonsten den immer mit fest an einen Prüfling gebundenen Termin nicht annimmt, können dann aber das Pech haben, dass sie noch einmal fünf Wochen auf ihren Wiederholungstermin warten müssen. Und das alles in Zeiten, da viele neue Fahrschüler auf den Markt und in die Fahrschulen drängen – nicht zuletzt deshalb, weil Schülerinnen und Schüler gerade viel Zeit haben, sich um andere Dinge als Schule zu kümmern. Dazu komme, so Thomas Schaal, dass im Zuge der Mobilitätswende sich vor allem viele berufstätige Menschen zusätzlich um den B-196-Eintrag in ihren Führerschein bemühten, der es ihnen erlaube, nach nur vier Doppelstunden theoretischen und fünf Doppelstunden praktischen Unterrichts und gänzlich ohne Prüfung ein leichtes Motorrad bis maximal 15 PS zu fahren, also etwa eine 125er-Maschine mit einer Geschwindigkeit bis 100 km/h.

Auch aufs Regierungsprädisium ist Thomas Schaal nicht gut zu sprechen

„Und keiner sagt uns, ob und wann die früheren Fixtermine wieder kommen“, beklagt sich Thomas Schaal, der, wenn er seinen Frust mal irgendwo abladen wollte, schon bis auf so hohe Tüv-Stellen verwiesen wurde, wo „Thomas Schaal von der Fahrschule Banane“ als telefonische Visitenkarte nicht reicht – da muss es schon „der CEO von der Driving School Banane“ sein. Und bei seinem Verband findet er auch kein Gehör, weil der das Buchungssystem ja mitbeschlossen hat, das dann per Erlass des Regierungspräsidiums eingeführt worden ist. Aber auch auf die Damen und Herren dort ist der Schorndorfer Fahrlehrer schon deshalb nicht gut zu sprechen, weil sie ohnehin nichts anderes im Sinn hätten, als Prüfungsvorgänge zu verlängern und immer noch stärker zu bürokratisieren.

„Es gibt keine guten und keine bösen Prüfer“

Nichts kommen lässt Thomas Schaal auch in dieser angespannten Situation auf die Prüfer, die ihre gewissenhafte Pflicht unabhängig davon tun, ob nun mehr oder weniger Fahrschüler auf einen Termin warten. Wenn die Prüfer jetzt kulanter wären, um etwa die Zahl der Wiederholungen zu reduzieren, „dann ginge das auch gegen meine eigene Berufsehre“, sagt der Fahrlehrer und stellt fest: „Es gibt keine guten und keine bösen Prüfer, sondern es gibt nur Richtlinien.“ „Der Prüfer ist nicht schuld, wenn der Prüfling nicht in die Parklücke reinkommt oder bei Rot über die Ampel fährt“, sagt Schaal – wohlwissend, dass manche Eltern von Fahrschülern das anders sehen. Wobei’s auch schon vorgekommen ist, dass Thomas Schaal eine Prüfung von sich aus abgebrochen hat, ehe der Prüfer so weit war. Ganz ungestreift kommen die Prüfer aber auch nicht davon: „Sie müssen das mit ausbaden, weil sie es sich jeden Tag von uns anhören müssen“, sagt der Fahrlehrer.

„Sie wollen Ihre Fahrschüler bequem und unkompliziert für die Fahrerlaubnisprüfung anmelden, die Prüfungstermine verwalten und überprüfen, ob die Prüfungsgebühren rechtzeitig entrichtet wurden? Dank unseres Online-Services für Fahrschulen kein Problem!“, heißt es auf der Homepage des Tüv Süd. Von wegen „kein Problem“. Wenn der Schorndorfer Fahrlehrer Thomas Schaal von der Fahrschule „Banane“ für angehende Prüflinge, die oft ohnehin schon eine coronabedingte zweimonatige Wartezeit hinter sich

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