Schorndorf

Schorndorfer Gruppe "Klimaentscheid" macht Druck: Mit einem Einwohnerantrag möchte die Initiative den Gemeinderat zur Befassung mit Klimaneutralität bis 2035 bewegen

Klimaentscheid
Entschlossen für Klimaneutralität in Schorndorf bis 2030: Dörte Schnitzer, Dejan Stojicevic und Sabine Kraus. © Gabriel Habermann

Als eine Reaktion auf die neue Bürger-Initiative „Klimaentscheid Schorndorf“ erklärte OB Matthias Klopfer deren Ziel einer Klimaneutralität in der Daimlerstadt bis 2030 für „völlig utopisch“ (). Nach dem eindringlichen Vortrag der Biologin Dr. Maiken Winter auf einer Veranstaltung der Initiative war man geneigt zu ergänzen: Falls das utopisch ist, werden die Folgen katastrophal sein. So lange wollen die Aktivisten von „Klimaentscheid Schorndorf“ nun keinesfalls warten.

„Wenn wir die Wende nicht schaffen, wird es unbequem“, so Maiken Winter. „Aber die unglaubliche Dringlichkeit des Problems ist vielen noch nicht bewusst.“ Damit das Klima stabil bleibe, dürfe sich die Erde nur um 1,5 Grad über dem Stand vor der Industrialisierung erwärmen, erklärte die Wissenschaftlerin.

„Wenn es mehr ist, werden Kipp-Punkte überschritten und das würde das Klima für immer verändern.“ Dabei sei dann „bis 2100 eine Erwärmung von 4 Grad möglich, wenn wir so weitermachen wie bisher“. Das würde für Mitteleuropa bedeuten, dass die heißesten Tage dort um acht bis zehn Grad wärmer würden.

„Wir haben keine Entschuldigung, nichts zu tun!“

Zu Beginn der Industrialisierung, so Winter, lag der CO2-Gehalt der Erdatmosphäre bei 280 ppm (parts per million). Heute sind es 411ppm. Als sicher gelte noch ein Gehalt von 350 ppm. „Über den sind wir seit 1989 hinaus!“ Ein paar der Folgen: Dürresommer häufen sich; jede sechste Tierart könnte bis Ende des Jahrhunderts aussterben; die Hälfte aller Gletscher schmilzt bis Mitte des Jahrhunderts ab; der Meeresspiegel steige um 3,3 Millimeter pro Jahr.

„Ein bisschen die Emissionen reduzieren reicht nicht aus“, machte die Biologin klar. Um unterhalb der 1,5-Grad-Grenze zu bleiben, dürften bis 2050 noch 303 Gigatonnen CO2 ausgestoßen werden. Diese Menge würde beim jetzigen Stand aber schon in sieben Jahren erreicht. „Wir haben keine Entschuldigung, nichts zu tun!“

Dabei gab sie sich keinen Illusionen hin: „Wir können auch mit 100 Prozent erneuerbarer Energie unsere Lebensgrundlagen zerstören. Wir müssen reduzieren!“ Aber Maiken Winter machte ihren Hörern auch Mut: „Wir müssen und wir können Massen bewegen!“ Etwas bewegen wollen, und als beweglich zeigten sich auch die Aktivisten vom „Klimaentscheid Schorndorf“.

Um, wie sie sagen, nicht in Konfrontation mit dem Gemeinderat, sondern in Kooperation zu kommen, ist man dort vom ursprünglich beabsichtigten Bürgerbegehren abgerückt und möchte nun einen sogenannten „Einwohnerantrag“ stellen.

Kooperation statt Konfrontation: „Wir brauchen die Stadt!“

Für Ersteres hätte man über 2000 Unterschriften gebraucht, beim Einwohnerantrag genügt es, wenn ihn 522 Bürgerinnen und Bürger unterzeichnet haben. Damit könne dann auch schneller reagiert werden. „Wir brauchen die Stadt“, sagte dazu Bettina Heymann-Penzkofer auf Nachfrage. „Da wollten wir nicht mit der Keule Bürgerentscheid kommen.“

Ziel des Antrags ist es, dass Schorndorf klimaneutral wird und dass sich der Gemeinderat mit folgender Forderung der Unterzeichnenden befasst: „Die Stadt Schorndorf erarbeitet einen Klima-Aktionsplan, um bis 2035 die Klimaneutralität von Schorndorf zu erreichen.“

An den nächsten beiden Samstagen will die Gruppe mit einem Stand über ihr Anliegen informieren und eine Unterschriftenliste auslegen. Sollten genug Unterzeichner zusammenkommen und wenn der Gemeinderat der Zulässigkeit des Bürgerentscheids zustimmt, muss er sich innerhalb von drei Monaten nach Eingang mit der Angelegenheit befassen und die Vertrauenspersonen des Einwohnerantrags anhören.

Bei der persönlichen Vorstellung der einzelnen Aktivisten des „Klimaentscheids Schorndorf“ nach dem Vortrag in der Künkelin-Halle hatte man durchaus das Gefühl, dass hier mit einem neuen Elan und neuer Dringlichkeit dem Klimawandel begegnet wird. So erklärte Dörte Schnitzer, die sich auch bei „Parents for Future“ engagiert: „Als Greta auf den Plan kam, hab’ ich gespürt, dass das eine Wende einleitet.“

Konkret 12 Ziele und dazu gehörende Forderungen wurden von den einzelnen Mitgliedern vorgestellt. Von der Verkehrswende bis hin zu einer „nachhaltigen und ökologischen Stadtplanung“.

Dabei sollen, wie Wilhelm Pesch forderte, insbesondere Schorndorfs Stadtbau-Gesellschaft und die Stadtwerke „eine Vorbildfunktion“ für klimaneutrale Maßnahmen übernehmen. All das ist nichts anderes als das Bestehen darauf, dass das Pariser Klimaabkommen von 2015 mit seiner Vereinbarung, bis 2035 unter dem 1,5-Grad-Ziel zu bleiben, auch eingehalten wird.

Ist das schon utopisch? „Wir müssen mit aller Kraft versuchen, diesen Kipppunkt nicht zu erreichen“, erklärte dazu Dr. Maiken Winter in ihrem Vortrag: „Es gibt keine Alternative.“

Als eine Reaktion auf die neue Bürger-Initiative „Klimaentscheid Schorndorf“ erklärte OB Matthias Klopfer deren Ziel einer Klimaneutralität in der Daimlerstadt bis 2030 für „völlig utopisch“ (). Nach dem eindringlichen Vortrag der Biologin Dr. Maiken Winter auf einer Veranstaltung der Initiative war man geneigt zu ergänzen: Falls das utopisch ist, werden die Folgen katastrophal sein. So lange wollen die Aktivisten von „Klimaentscheid Schorndorf“ nun keinesfalls warten.

„Wenn wir die

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