Schorndorf

Schorndorfer Kinderarzt Dr. Ralf Brügel fordert mit Online-Petition: „Jetzt müssen die Kinder dran sein!“

Ralf Brügel
Dr. Ralf Brügel hat eine Petition gestartet, die fordert, den Blick in der Pandemie endlich auf Kinder und Jugendliche zu richten. © Gabriel Habermann

Seit wenigen Tagen ist die Petition des Kinderarztes auf der Webseite change.org zu finden und wird in diversen sozialen Medien eifrig geteilt. Mittels Petitionen auf dieser Seite haben es schon etliche Interessengruppen geschafft, Einfluss auf Entscheidungen der Regierung zu nehmen. Mit dem Appell, den Dr. Ralf Brügel jetzt an die Bundesregierung, die Landesregierung, Bundeskanzlerin Merkel und Gesundheitsminister Spahn gerichtet hat, tritt er dafür ein, dass endlich die Kinder in den Mittelpunkt der pandemischen Betrachtung gestellt werden und Luftreiniger in die Klassenzimmer eingebaut werden sollen.

„Prinzip Hoffnung“: Keine Konzepte für Schulbetrieb ab Herbst

Was seine Hauptmotivation war, jetzt eine Petition ins Leben zu rufen? Es handelt sich geradezu um Fassungslosigkeit. Der Kinderarzt, der in den vergangenen Monaten immer wieder Partei für die Kinder und Jugendlichen ergriffen hat, kann kaum glauben, dass in den Klassenzimmern 16 Monate nach dem Beginn der weltweiten Pandemie noch immer das „Prinzip Hoffnung“ gelte. „Man meint, das wird schon irgendwie gutgehen“, ärgert er sich am Telefon.

Für Schnelltests gab es auch Geld

Und wenn es nicht gutgehe, dann würden die Kinder eben wieder ins Home-Schooling geschickt. Und warum? „Weil man meint, Luftfilteranlagen seien nicht finanzierbar.“ Das kann der Mediziner nicht verstehen, der selbst miterlebt hat, wie freigiebig das Geld floss, als es um die Schnelltests ging. Geradezu in den Rachen geworfen habe man das Geld den Ärzten und Apotheken. Er zitiert Studien, nach denen es nicht mehr Geld kosten würde, flächendeckend Luftfilteranlagen in die Schulen zu bauen, als die vielen kostenlosen Tests zu finanzieren.

Luftfilteranlagen kosten, aber auch ihre Wartung

Zwar wird der Einbau von Luftfilteranlegen seit Mitte Juni vom Bund mit 500.000 Euro pro Einrichtung gefördert, dennoch sind die Kommunen aktuell noch recht zögerlich beim Abrufen dieser Mittel. Immerhin: Die meisten Träger haben mehrere Schulen, die Fördergelder decken aber nur rund 80 Prozent der anfallenden Kosten bei einer Ausstattung aller relevanten Klassenzimmer ab. Auch bei der Pflege und Wartung und der Geräte fallen weitere Kosten an.

Brügel schreibt in seiner Online-Petition, deren Unterschriftenliste man derzeit im Sekundentakt beim Wachsen zusehen kann: „Es wird [...] Zeit, dass auch ihnen [den Kindern] jetzt Wertschätzung und Fürsorge entgegengebracht wird, dass nach echten Lösungen gesucht wird. Dass endlich alles darangesetzt wird, damit im nächsten Schuljahr ein geregelter Schulunterricht gefahrlos und zumutbar (ein ganzer Schultag mit Masken ab Betreten des Schulgeländes ist kein dauerhaft tragbarer oder zumutbarer Zustand) erfolgen kann.“ Eine Lösung könnten eben Luftfilteranlagen und der Einsatz von brauchbaren Trennwänden sein.

Gleiche und durchgängige Chancen auf Bildung

Das Ziel müsse es sein, Heim- und Wechselunterricht möglichst zu vermeiden. Alle Kinder müssten gleiche und durchgängige Chancen auf Bildung bekommen. Unabhängig von technischer Ausstattung oder Bezugspersonen im Umfeld, die beim Lernen unterstützen können. Eltern bräuchten Planbarkeit, um beispielsweise ihren beruflichen Tätigkeiten wieder zuverlässig nachgehen und sich finanziell absichern zu können.

„Wir fordern von der Bundesregierung und den Landesregierungen, von der Bundeskanzlerin Merkel und Gesundheitsminister Spahn: Unterstützt unsere Kinder endlich im selben Maße, wie ihr die Wirtschaft unterstützt. Sorgt für einen geregelten und sicheren Schulunterricht. Und handelt endlich. Macht das Wohl der Kinder zur Chefsache - bevor im Herbst das nächste Debakel droht.“

Forderung: "Neue Spielregeln" ausarbeiten

Man müsse auch darüber nachdenken, ob man die Quarantäne-Regeln überarbeiten könne, wenn alle Menschen, die geimpft werden wollen, auch ein Impfangebot bekommen haben. Solange nicht alle Erzieher, Lehrer oder andere in relevanten Bereichen Beschäftigte bei ihrer Arbeit geschützt seien, sei es ganz fraglos notwendig gewesen, sie vor einer Infektion zu schützen. Entscheide sich jemand nun bewusst gegen eine Impfung, müsse er auch nicht mehr von der Allgemeinheit geschützt werden. Und da Infektionen ab Herbst wohl hauptsächlich unter ungeimpften Kindern auftreten werden, sie aber durch schwere Verläufe kaum gefährdet seien, müsse man dieses Konstrukt einmal neu betrachten.

Kinder dürfen nicht wieder die Last für andere tragen müssen

Andernfalls müssten wieder die Kinder den Preis für mehr Sicherheit mit Einbußen in ihrer Bildungskarriere zahlen. „Wir müssen neu entscheiden: Wie gehen wir mit Infektionen bei Kindern um“, findet der Kinderarzt. „Wir brauchen neue Spielregeln.“ Natürlich wisse man aktuell noch nicht genug über die Gefährlichkeit der Delta-Variante des Coronavirus. Aber auch in England, wo sich diese Mutante schon vergleichsweise stark ausgebreitet habe, könne man noch keinen starken Anstieg an Hospitalisierungen von Kindern beobachten. Aber klar sei: Jetzt müsse geklärt werden, wie der Unterricht im Herbst gelingen könne. Dies auch eingedenk der Tatsache, dass man inzwischen mit dem Bestellen von Luftfilteranlagen recht spät dran sei. Wann ausreichend Geräte zur Verfügung stehen, sei schließlich kaum absehbar.

Seit wenigen Tagen ist die Petition des Kinderarztes auf der Webseite change.org zu finden und wird in diversen sozialen Medien eifrig geteilt. Mittels Petitionen auf dieser Seite haben es schon etliche Interessengruppen geschafft, Einfluss auf Entscheidungen der Regierung zu nehmen. Mit dem Appell, den Dr. Ralf Brügel jetzt an die Bundesregierung, die Landesregierung, Bundeskanzlerin Merkel und Gesundheitsminister Spahn gerichtet hat, tritt er dafür ein, dass endlich die Kinder in den

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