Schorndorf

Schorndorfer Klimaschützer streben ein Bürgerbegehren an - dürfen also bald alle an den Urnen abstimmen?

German Zero Schorndorf
Die neu gegründete Gruppe stellt ihre Pläne zum Klimaentscheid vor. Dejan Stojicevic (links), Wilhelm Pesch (in der Mitte) und Dörte Schnitzer (rechts) wollen einen Klimaentscheid für Schorndorf. Die Stadt habe bislang zu wenig unternommen. Ihr Team will jetzt politischen Druck machen. © Gabriel Habermann

Eine neu gegründete Gruppe von Klimaschützern in Schorndorf will ein Bürgerbegehren herbeiführen und fordert, die Stadt müsse ihren CO²-Ausstoß reduzieren. Wenn rund 2250 Bürgerinnen und Bürger ihr Anliegen mit einer Unterschrift unterstützen, dann könnten bald alle Schorndorferinnen und Schorndorfer an die Urne gerufen werden. Dejan Stojicevic, Dörte Schnitzer und Wilhelm Pesch aus der Gruppe haben ihre Forderungen vorgestellt.

Im Sommer haben sich in Schorndorf insgesamt 20 Personen zusammengetan, die sich für einen Klimaentscheid in Schorndorf starkmachen und als Teil der bundesweiten Gruppe German Zero agieren. Das übergeordnete Ziel der Organisation: Klimaneutralität bis 2035 und das 1,5-Grad-Ziel der Pariser Klimakonferenz einhalten. Die kleine Gruppe in Schorndorf kämpft gegen das globale Problem des Klimawandels. In ganz Deutschland haben sich Gruppen wie ihre gebildet. Mit Plänen vor Ort sollen die Emissionen möglichst schnell gesenkt werden.

Schon im September haben Wilhelm Pesch und Dörte Schnitzer ihre neue Gruppe vorgestellt. Die beiden sind in der lokalen Klima-Szene keine Unbekannten. Pesch ist auch im Ortschaftsrat Weiler für die Grüne Liste aktiv, Dörte Schnitzer engagiert sich bei Parents for Future. In den vergangenen Wochen und Monaten hat ihr Team seine Ziele konkretisiert und zwölf Ziele ausformuliert. Auf 31 Seiten haben sie festgehalten, was aus ihrer Sicht getan werden muss. Während das bundesweit erklärte Ziel Klimaneutralität bis 2035 lautet, hat sich die Gruppe das Jahr 2030 zum Ziel gemacht. Bezogen auf das Stadtgebiet sei dies eine rechnerische Reduktion der Treibhausgasemissionen um elf Prozent, ausgehend vom Jahr 2021. Nur so sei es noch möglich, das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten. „Unser CO2-Budget ist erschöpft“, sagt Stojicevic über die Situation.

Eine der Forderungen: Bäume und Radwege anstelle von Parkplätzen

Unter anderem fordert die Gruppe mehr Grünflächen, eine stärkere Förderung von Bus und Bahn und etwa die Umgestaltung von Hauptverkehrsstraßen. „Der ÖPNV fristet in Schorndorf ein Schattendasein“, kritisiert Pesch. Der Anteil an Wegen, die auf diesem Weg zurückgelegt werden, müsste auf mindestens 30 Prozent gesteigert werden, erklärt er. Mit Steuermitteln sollen Anreize gesetzt werden. Bürgerinnen und Bürger, die einen Pkw abmelden, sollen für drei Monate ein kostenloses Klimaticket bekommen, schlägt die Gruppe vor.

So viel Geld könnte das Vorhaben kosten

Klar, solche Vorhaben würden Geld kosten, schätzungsweise neun Millionen im Jahr, rechnet die Gruppe vor. Doch die drei Vertreterinnen und Vertreter betonen, dass die Folgekosten des Klimawandels ein Vielfaches höher seien als das, was man heute investieren müsse. Schon heute würden die Folgen des Klimawandels sichtbar, betonen sie.

Außerdem will die Gruppe den kostenlosen Parkplätzen in der gesamten Stadt an den Kragen. Dort, wo heute an den Hauptverkehrsstraßen Parkplätze sind, fordert das Team außerdem baulich getrennte Geh- und Radwege. Um das Stadtklima zu verbessern, schlägt Pesch etwa vor, den Unteren Marktplatz zu begrünen. Dass von solchen Vorschlägen nicht alle begeistert sind, ist den dreien klar. Schließlich sind beispielsweise viele nicht bereit dazu, auf kostenlose Parkplätze zu verzichten. Wilhelm Pesch spricht von einem notwendigen Kulturwandel. „Das hat auch einen befreienden Anteil“, sagt er.

Den konkreten Plan, wie Schorndorf vorgehen soll, den soll aber ein wissenschaftliches Institut ausarbeiten. Konkret: das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg, Ifeu-Institut genannt. Dort hat man offenbar Erfahrung mit Klimaplänen, unter anderem für die Stadt Ludwigsburg wurden bereits Ziele ausgearbeitet. Dejan Stojicevic, Dörte Schnitzer und Wilhelm Pesch werfen mit Zahlen und Fakten nur so um sich. Sie wollen deutlich machen: Sie haben sich eingelesen, recherchiert und diskutiert. Alle zwei Wochen trifft sich die Gruppe im Zentrum für internationale Begegnung, bald soll sie eine Projektgruppe der Lokalen Agenda 21 werden, die sich in Schorndorf mit Zukunftsfragen befasst.

Schorndorf könnte erste kleinere Stadt mit Klimaplan sein

Die bundesweite Organisation German Zero unterstützt Gruppen wie die in Schorndorf bei der Planung für einen Klimaentscheid vor Ort. In der Stadt Münster haben sich die Aktivisten bereits durchgesetzt. Dörte Schnitzer freut sich darüber: „Wir sehen, das ist möglich.“ Neben Schorndorf verfolgen derzeit rund zehn weitere Städte einen Klimaplan. Doch Schorndorf steche heraus, meint Pesch, es sei die erste kleinere Stadt. Bislang habe Schorndorf in Sachen Klimaschutz zu wenig unternommen, ist sich die Gruppe einig. Deshalb wolle sie jetzt den politischen Druck mit einem Bürgerbegehren erhöhen.

Wenn die Gruppe es schaffen sollte, sieben Prozent der wahlberechtigten Schorndorferinnen und Schorndorfer zu einer Unterschrift zu bewegen, dann muss sich der Gemeinderat in einer Sitzung mit dem Thema befassen. Laut Sonja Schnaberich-Lang von der Stadt braucht es rund 2250 Unterschriften.

Oberbürgermeister Klopfer nennt das Ziel utopisch

Oberbürgermeister Matthias Klopfer zeigt sich zwar generell offen für Klimamaßnahmen, doch Schorndorf bis 2030 klimaneutral machen zu wollen nennt er „völlig utopisch“. Auch einige der Stadträte zeigen sich skeptisch.


Je nachdem, wie der Gemeinderat dann mit einem solchen Bürgerbegehren umgeht, kann es zu einem Bürgerentscheid kommen. Dann wären alle Schorndorferinnen und Schorndorfer zu einer Stimmabgabe an den Wahlurnen aufgerufen.

Eine neu gegründete Gruppe von Klimaschützern in Schorndorf will ein Bürgerbegehren herbeiführen und fordert, die Stadt müsse ihren CO²-Ausstoß reduzieren. Wenn rund 2250 Bürgerinnen und Bürger ihr Anliegen mit einer Unterschrift unterstützen, dann könnten bald alle Schorndorferinnen und Schorndorfer an die Urne gerufen werden. Dejan Stojicevic, Dörte Schnitzer und Wilhelm Pesch aus der Gruppe haben ihre Forderungen vorgestellt.

Im Sommer haben sich in Schorndorf insgesamt 20 Personen

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