Schorndorf

Schorndorfer Rapper MC Bruddaal veröffentlicht neues Album

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Henrik Brislow, ein Deutsch-Schwede aus Schorndorf, rappt auf Schwäbisch. © Alexander Roth

Schorndorf/Stuttgart. Rapper sind gern vom Größenwahn gepackt. Der Schorndorfer Erfolgs-Reimemacher MC Bruddaal kommt einem auf dem Cover seiner Neuerscheinung „Heiligsplättle“ mit einem Heiligenschein. Beim zweiten Mal Draufgucken entpuppt sich freilich das Geschwirr über dem Kopf als Brezel – eine weitere Liebeserklärung ans Ländle. Wie überhaupt die ganze Platte ein großer Spaß ist.

Bei Auftritten des 38-Jährigen läuft die „Budder Brezel“-Nummer wie geschmiert. Er hat es überhaupt gern mit dem Essen. Um mit ihm zu sprechen: „Isch halt a subber Sach“. Auf seinem dritten Plattenwerk macht einem der „Spätzle Schaber“ die Gosch wässrig, später folgt ein zweiter „Mauldasch Song“.

Oder dann: „Emmer mit d’r Soß“ kann natürlich nur die Leibspeis Spätzle meinen. Und damit alles besser rutscht, nehmen wir noch den Song „Wer hot a Bier b’stellt“. Wer dann in die anderen Nummern reinhört, ist vollends überzeugt: Chillen lässt sich am besten reimen auf Grillen.

Am Essen hat er eine große Freude

Es wundert grad, dass dieser Mensch noch nicht aus dem Leim gegangen ist. Früher hatte er schon mal gestanden, „Ich liebe Essen und das schwäbische besonders.“

Dass er nicht in die Breite geht, muss an seinen Genen liegen. Mein lieber Schwede! MC Bruddaal, mit Normalo-Namen Henrik Brislow, hat rein schwedische Wurzeln. Also von dort her, wo sie schlank wie Nordmanntannen stehen. Er ist halt in Schorndorf hochgeschossen. Aber was heißt da „halt“. Derweil wir unser Schwäbisch nur schwätzen, hat er es wie Spätzle mit Soß eingesogen, wenn es auf die Gass ging. Der junge Mann fremdelte zwar noch mit dem Dialekt der Eingeborenen.

So hatte auch Brislow seine Rapper-Karriere erst mit Hochdeutsch aufbauen wollen. Aber dann kam umso überzeugter, und offenbar von tief innen heraus, der Schwenk zum Remstäler-Idiom. Und seitdem herrscht verkehrte Welt: Wir ergötzen uns an unserer Sprache im Gebrauch eines entwurzelten Schweden.

Und Ergötzliches gibt es genug. Er ist der Ganz-und-gar-Schwabe, hören wir. Er fährt keinen Volvo, sondern einen 190er Mercedes. Es gibt keinen Zweifel:

Daimler ischs Beschde, laber koin Dreck
Park ned uff meim Parkplatz Du Depp 
Sonst trag I di ond dein Schrottkarra weg

Der deutsche Mann ist ja sexuell objektfixiert. Egal ob hetero, homo oder zu etwas Drittem veranlagt, zuerst kommt das Auto. Auch da will die Kunstfigur MC Bruddaal der Bessere sein, der bessere Deutsche.

Bevor wir unsere Heimat verklären, macht er das schon selber – der Mann mit der Fellmütze eines Trappers. Da heißt es dann in „Bring mi hoim“:

I will zrück denn nirgends isch so scheeee wie da hoim

Okay, da handelt es sich zugleich um das Liebeslied eines Verdruckten. Die Heimat, die er da meint, ist dann doch eher der Schoß der Verflossenen. „I han bloß Musik g’macht ond war koin so guter Freund“, jammert er. So oder so: Er will wieder zurück.

Das Schwedische und das Schwäbische sind sich indes nicht so fremd. In „G’spart isch g’spart“ dankt der Sohn zunächst dem Vater. Er hat ihn gelehrt, mit dem Geld auszukommen. Er erzählt, wie er sich als Bub erst fremdgeschämt hat über seinen Vater, der mit dem Elektrohändler so lange gehandelt hatte, bis das „Röhrafernsehgerät“ 100 Mark billiger war. Und jetzt muss er sich sagen: „Ohn ah scheiße, jetzt ben i genau so. Mr lernt halt dazu, recht hot er g’hett.“

Qualifizierte Freunde

Des Plättle isch a rechte Freud beim Neihöra, sagen wir. Es hat sich gelohnt, dass Brislow wiederum Freunde dazugeholt hat. Wie zuletzt Dodokay. Sein Homeboy und DJ Toni Disco hat seinen Anteil, dass es vernehmlich überraschend rumpelt im Karton.

Die Nummern wachsen sich zu chorischen Leistungen aus, dank auch der Mithilfe von Trigga und Sylent Anger von der Hoodlyn Crew. Körpa Klauz und Alx Thunder brachten den Brislowschen Eigenproduktionen an Gitarre, Computer und Keyboards verstärkt die Beats bei. Dass er nicht der Rapper ist mit dem schnellsten Flow, das weiß er selbst. Aber er will ja auch nicht auf Battle Rap machen, sagt er dazu. Bei ihm tuckert und pluckert es schunkelig.

Da wird auch mal ein lateinamerikanisches Ding mit Tuten und Blasen eingeführt. Es sind Entdeckungsreisen zu machen, die wahrlich aus Schorndorf hinausführen. Der Schwabe will ja sein Geld auch in der Welt spazieren führen.

Das Gute und das Schlechte

Und wie hält er es aus, dass bei fast gleichen Startbedingungen der Pandamaskenmann Cro unerreichbar entschwirrte mit seinem Soft-Rap? Cro hat früher, wie Brislow, als Grafiker und Druckvorlagenhersteller gearbeitet.

Auch da zeigt sich der Schorndorfer entspannt. Erst einmal findet er es „super, dass Leute von hier erfolgreich sind“. Dass da einer so dermaßen abgeht, das zeigt für MC Bruddaal zugleich das Gute wie das Schlechte am Musik-Business. „Wenn es einfach auszurechnen wäre, dann würde man ja nur noch Hits machen.“

Wie gesagt: „Brezel mit Budder“ war schon verdammt nahe dran.


Die schwäbische Toskana

Ab heute, Mittwoch, ist sie zu hören, die neue MC-Bruddaal-Scheibe „Heiligsplättle“. Etwa auf Spotify, Apple oder Amazon. Der Tonträger, die CD, ist ebenfalls zu haben. Demnächst auch im ZVW-Shop. Oder bei Brislow direkt unter suppersach.com.

Für die Gartenschau hat Henrik Brislow eine Nummer geschrieben und ein Video eingespielt. Es ist der „Remstal-Gartenschau-Song“.

Da heißt es: „Wie geil isch denn des, des isch halt die schwäbische Toskana. S’Remsufer nenn i gern amol Schwobacapana.“ Irgendwann im großen Reigen der vielen Veranstaltungen wird MC Bruddaal damit auch zu hören sein.