Schorndorf

Schorndorfer Tierärzte sind erleichtert: Antibiotika-Verbot ist vom Tisch

Tierschutzverein sucht Pflegestellen
Verletzte Katzen müssen im Einzelfall mit Antibiotika behandelt werden. © Alexandra Palmizi

Aufatmen bei den Tierärzten: Der Streit über den Einsatz von Antibiotika bei Haustieren ist vom Tisch. Mit großer Mehrheit hat das EU-Parlament den Antrag für ein Verbot von fünf Antibiotikagruppen abgelehnt, die ausschließlich Menschen vorbehalten sein sollten. Ziel des Antrags war es, die Ausbreitung resistenter Keime zu stoppen. Viele Tierärzte hatten aber befürchtet, dass sie mit dem Verbot verschiedene Haus- und Kleintiere nicht mehr hätten behandeln können.

Eine streitbare Katze, die mit einer Biss-Verletzung nach Hause kommt, ist für Katzenhalter keine Seltenheit. Um schwere Entzündungen zu vermeiden, werden die verletzten Tiere mit einem Antibiotikum behandelt. Auch für Hunde, Nagetiere und exotische Haustiere hätte ein Antibiotikaverbot tödlich sein können. Mit einem Aufruf an seine Mitgliedspraxen hatte der Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt) deshalb eine Kampagne gegen das Verbot gestartet. Damit wollte der Verband vor der finalen Abstimmung in Brüssel ein starkes politisches Zeichen setzen und deutlich machen, dass er das geplante Anwendungsverbot bestimmter Antibiotika bei Tieren für tierschutzwidrig hält, weil viele Krankheiten dann nicht mehr oder nicht mehr adäquat behandelt werden könnten.

Unterzeichner waren auch Schorndorfer Tierärzte

Unterzeichner der Kampagne waren auch die Schorndorfer Tierärzte Julia und Jochen Schäfer. „Reserveantibiotika sollte man nur dann nutzen, wenn nichts anderes hilft“, sagt Joachim Schäfer, der seine Tierarztpraxis zusammen mit seiner Frau Julia Schäfer betreibt. Die Einschränkung dieser Antibiotika findet er grundsätzlich in Ordnung. Allerdings plädierte er dafür, die Medikamente nur in der Massentierhaltung einzuschränken, für Einzelbehandlungen von Tieren solle man sie weiter nutzen dürfen. Betroffen hätte das Verbot unter anderem Kaninchen, Meerschweinchen und Mäuse, die aufgrund ihres Magen-Darm-Traktes nicht jedes Antibiotikum bekommen könnten. „Eitrige Abszesse kommen bei Kaninchen nicht selten vor“, erklärt Julia Schäfer. Diese würden bisher mit Antibiotika behandelt. Zwar sei eine Behandlung auch ohne Antibiotika möglich. Dann sei allerdings die Nachbehandlung aufwendiger, stressiger für das Tier und teurer für den Tierhalter, der viel öfter zur Nachsorge in die Praxis kommen müsse. Auch bei bestimmten Erkrankungen von Hunden und Katzen seien diese Antibiotika das Mittel der Wahl, erklärt Joachim Schäfer. „Diese wären nicht mehr zu behandeln gewesen.“

Nach Angabe der Veterinäre sind fünf Prozent der Resistenzen bei den Menschen auf die Tiermedizin zurückzuführen. Dort sei der Einsatz von Antibiotika in den vergangenen zehn Jahren um 34 Prozent zurückgegangen, in Deutschland sogar um 60 Prozent. Dazu hätten zum einen die verschärften Kriterien bei der Vergabe, aber auch das sich ändernde Bewusstsein über die Risiken beigetragen. „Es geht dabei aber um Massentierhaltung“, betont Joachim Schäfer. Resistenzen gegen Antibiotika gibt es nicht nur bei den Menschen, sondern auch bei den Tieren. Da aber genau untersucht werde, welche Antibiotika gegen welche Keime wirken, könne das geeignete Mittel sicher gefunden werden.

Erleichtert über den Beschluss der EU zeigte sich Dr. Siegfried Moder, der Präsident des Tierärzteverbands. Der Rechtsakt der Kommission spiele Human- und Tiergesundheit nicht gegeneinander aus, sondern ermögliche eine flexible Reaktion auf Veränderungen der Resistenzsituation, stelle aber auch sicher, dass die Tierärzte ausnahmslos alle kranken Tiere weiterhin adäquat mit einer ausreichenden Anzahl von in der Tiermedizin zugelassenen Antibiotika behandeln können, schreibt er an die Tierärzte. Aufatmen auch in der Schorndorfer Tierarztpraxis von Julia und Jochen Schäfer. „Nun können wir unsere liebgewonnenen tierischen Familienmitglieder weiter vernünftig behandeln“, so Jochen Schäfer. Es sei wichtig und richtig, Antibiotika-Resistenzen zu vermeiden und tierschutzwidrige Praktiken in der Nutztierhaltung zu unterbinden. Allerdings sei die Einschränkung der Behandlungsmöglichkeiten für Nutz-, Haus- und Heimtiere dafür keineswegs zielführend. „Tieren eine notwendige antibiotische Behandlung zu verweigern ist tierschutzwidrig.“

Aufatmen bei den Tierärzten: Der Streit über den Einsatz von Antibiotika bei Haustieren ist vom Tisch. Mit großer Mehrheit hat das EU-Parlament den Antrag für ein Verbot von fünf Antibiotikagruppen abgelehnt, die ausschließlich Menschen vorbehalten sein sollten. Ziel des Antrags war es, die Ausbreitung resistenter Keime zu stoppen. Viele Tierärzte hatten aber befürchtet, dass sie mit dem Verbot verschiedene Haus- und Kleintiere nicht mehr hätten behandeln können.

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