Schorndorf

Schorndorfer Unternehmen Catalent an Corona-Impfung beteiligt

Firma Catalent
Hanns-Cord Walter, Geschäftsführer von Catalent Schorndorf (links), und Catalent-Arbeitsdirektor Peter Gadhof. © ALEXANDRA PALMIZI

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie sind für viele Unternehmen eine Katastrophe – Catalent in Schorndorf gehört nicht dazu. Das Pharma-Unternehmen an der Steinbeisstraße produziert in weltweitem Auftrag Tabletten und Dragees, außerdem ist es auf Dienstleistungen für klinische Studien spezialisiert. Mit Letzterem war Catalent Schorndorf auch an den klinischen Studien für einen Impfstoff gegen Covid-19 beteiligt. Catalent Schorndorf ist eine Tochter des US-amerikanischen Unternehmens Catalent, das in großem Umfang an der Impfstoffproduktion beteiligt ist: Einer der größten Gesundheitskonzerne der Welt kooperiert mit der US-amerikanischen Catalent Biologics. Was genau aber war die Aufgabe von Catalent Schorndorf und wie hat es das Unternehmen geschafft, gut durch die Krise zu kommen?

Auch in der Pandemie brauchen Menschen ihre Arzneimittel

Fakt ist: Während die Produktion in vielen Branchen zurückgefahren wurde, mussten die Menschen weiterhin mit Arzneimitteln versorgt werden. Catalent Schorndorf produziert im Auftrag von Pharmaherstellern unter anderem lebenserhaltende Medikamente gegen Krebs, Diabetes und Herzkrankheiten. „Unsere Auftragslage blieb konstant gut“, resümiert Dr. Hanns-Cord Walter, Apotheker und Geschäftsführer von Catalent Germany. Die Kunden in Europa und den USA seien stark daran interessiert gewesen, von Catalent weiterhin beliefert zu werden. Bisher habe es das Unternehmen geschafft, seine Lieferungen aufrechtzuerhalten. Das auch, weil Catalent früh begonnen habe, Sicherheitsbestände aufzubauen. „Die Packmittel waren nie ein Problem“, sagt der Geschäftsführer. 2020 lag der Umsatz nach Angaben Walters bei 76 Millionen Euro und war damit in etwa gleich geblieben. Deutlich größer sei aber die Aufgabe gewesen, in der Corona-Krise den Gewinn zu erhalten.

Großer Aufwand für den Corona-Schutz

Das Problem: Aufgrund des Corona-Infektionsschutzes ist der Aufwand des Unternehmens stark gestiegen. Den Mitarbeitern stellt Catalent Hygiene- und FFP2- Masken sowie Face-Shields zur Verfügung. Gearbeitet wird im Drei-Schicht-Betrieb an fünf Tagen in der Woche. Um zu vermeiden, dass die Mitarbeiter in den Umkleideräumen aufeinandertreffen, wurden die Schichten auseinandergezogen, so dass dazwischen jeweils eine kleine Pause ist, was aber einen Zeitverlust von täglich einer Stunde zur Folge hat. Konferenzräume und Großraumbüros wurden in großem Umfang mit Plexiglasscheiben zwischen den Tischen ausgestattet. „Wir haben die Plexiglasindustrie angekurbelt“, sagt Hanns-Cord Walter und lacht. Für die Home-Office-Arbeitsplätze wurden Notebooks und Monitore angeschafft, so dass 40 Prozent der Mitarbeiter mit Büroarbeitsplätzen zu Hause arbeiten können. In der Produktion gab es keine Chance, zu Hause zu arbeiten, doch die Maßnahmen bei Catalent haben offenbar gewirkt. 36 der fast 900 Mitarbeiter waren seinen Angaben zufolge bisher mit Covid-19 infiziert. Sie alle hätten sich aber außerhalb des Unternehmens angesteckt.

Für die Kühlung von minus 80 Grad brauchte es Extra-Kühlschränke

Als Pharmafirma, die lebenswichtige Medikamente produziert, ist Catalent systemrelevant. Das Wissen, dass hinter jedem Produkt ein Patient steht, der das Medikament dringend braucht, gehört laut Peter Gadhof, Arbeitsdirektor bei Catalent, zur Firmenphilosophie. Mit großer Ungeduld warten derzeit viele auf die Impfung gegen Corona. Für einen der inzwischen zugelassenen Impfstoffe hat Catalent Schorndorf die Voraussetzungen für die klinischen Studien geschaffen. Dazu lieferte der Hersteller den Impfstoff nach Schorndorf. Bei Catalent wurde er verpackt und die Fläschchen wurden für die Studie unkenntlich gemacht. Eine Herausforderung war die erforderliche Kühlung des Vakzins von minus 80 Grad, für die extra Kühlschränke angeschafft werden mussten. Zusammen mit identisch aussehenden Placebo-Fläschchen wurden die fertigen Impfeinheiten an den Hersteller zurückgeschickt. Für die Prüfung des Vakzins wurden der Impfstoff und das Placebo dann in unterschiedlichen Mengen auf verschiedene Kliniken und Einrichtungen verteilt. Inzwischen ist die Studie abgeschlossen. „Wir sind durch“, sagt der Catalent-Geschäftsführer: „Unser Kunde hat seine Zulassung bekommen.“

Catalent hat weltweit 15.000 Mitarbeiter

Catalent boomt. Weltweit gehören zum US-Pharmaunternehmen 15 000 Mitarbeiter in 43 Fabriken. Catalent boomt aber auch in Schorndorf. In den vergangenen Jahren hat sich das Unternehmen an der Steinbeisstraße stetig vergrößert. Vor allem der Bereich für die klinischen Studien, die Clinical Trial Supply Services (CSS), ist gewachsen. „Wir platzen aus allen Nähten“, sagt Hanns-Cord Walter. „Die Kollegen von CSS unter der Leitung von General Manager Christoph Gritsch haben sich von 80 auf 300 Mitarbeiter fast vervierfacht.“

Bauvorhaben wird konkreter

Für die Mitarbeiter wurden bereits Büros angemietet und Container aufgestellt. So entstanden 20 Büro-Arbeitsplätze und insgesamt 50 Containerbüro-Plätze. Langfristig, sagt Walter, sei das keine Lösung. Bereits vor zehn Jahren hat das Unternehmen eine Erweiterungsfläche erworben, das Bauvorhaben war aber immer wieder verschoben worden. Inzwischen konkretisieren sich die Pläne, ein Gebäude und Firmenparkplätze entstehen zu lassen. Beste Voraussetzunge, dass von Schorndorf aus die Welt weiter mit Medikamenten beliefert werden kann.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie sind für viele Unternehmen eine Katastrophe – Catalent in Schorndorf gehört nicht dazu. Das Pharma-Unternehmen an der Steinbeisstraße produziert in weltweitem Auftrag Tabletten und Dragees, außerdem ist es auf Dienstleistungen für klinische Studien spezialisiert. Mit Letzterem war Catalent Schorndorf auch an den klinischen Studien für einen Impfstoff gegen Covid-19 beteiligt. Catalent Schorndorf ist eine Tochter des US-amerikanischen

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