Schorndorf

Schwere Diebstähle: Haftstrafe für Familienvater

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Symbolbild. © Ramona Adolf

Schorndorf/Welzheim. Weil er im August 2014 in Büroräume der Erlacher Höhe im Röhm-Areal und einen Monat später ins Rathaus Welzheim eingebrochen war, hat das Schöffengericht Schorndorf einen 28 Jahre alten Welzheimer jetzt wegen Diebstahls in besonders schweren Fällen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Bewährung war für den einschlägig vorbestraften Familienvater nicht mehr drin.

Der 28-Jährige hat nicht nur 14 Einträge im Vorstrafenregister, er stand zur Tatzeit vor eineinhalb Jahren obendrein auch nach einer Verurteilung wegen schweren Diebstahls unter Bewährung. Von dem „absolut maßvollen Antrag“ der Staatsanwältin abzuweichen, sah das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Doris Greiner trotz des Geständnisses des Angeklagten keinen Anlass. Dass ihn die Polizei zur Verhandlung bringen musste, die darum erst mit einer Stunde Verspätung beginnen konnte, spielte für das Urteil zwar keine Rolle. Wohl aber die hohe kriminelle Energie, die nicht unerhebliche Beute und der enorme Sachschaden, der durch beide Einbrüche entstanden ist. Jetzt muss der 28-jährige Arbeitslose, der Vater einer eineinhalb- und einer fünfjährigen Tochter ist, für zwei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Sein Verteidiger hatte – auch, weil sich sein Mandant einen intakten familiären Hintergrund hat und sich mit einem Autohandel selbstständig machen wollte – noch auf eine Bewährungsstrafe gehofft.

Doch keine Chance, vor allem vor dem Hintergrund dieser Taten: Im August 2014 hat der Welzheimer erst ein Fenster und dann mehrere Türen im Röhm-Areal aufgebrochen, um in die Büroräume der Erlacher Höhe zu gelangen. Dort riss er – „mit brachialer Gewalt“ – einen Tresor aus dem Schrank, aus dem er gut 6000 Euro holte, dazu kamen 550 Euro aus einer kleinen Kasse. Da er, zum Verwischen der Spuren, in den Räumen ein ätzendes Reinigungsmittel verschüttet hatte, entstand auch erheblicher Sachschaden. In Summe: 15 000 Euro.

Nur einen Monat später brach der 28-Jährige – sichergestellte Fußspuren deuten noch auf einen zweiten Täter hin – mit einem Komplizen ins Welzheimer Rathaus ein. Aus dem Tourismusbüro nahmen sie zwei Smartphones im Wert von 540 Euro mit, der Versuch, den Tresor der Stadtkasse aufzubrechen, misslang. Auch hier hinterließen die Täter ein Bild der Verwüstung: Um Spuren zu verwischen, versprühten sie den Inhalt eines Feuerlöschers in den Räumen. Der Sachschaden: 8000 Euro.

DNA-Treffer an beiden Tatorten

Doch gebracht hat die verheerende Sprühaktion letztlich nichts: Die Spurensicherung hat nicht nur die Schuhabdrücke entdeckt, sondern auch DNA an einer Getränkeflasche im Röhm-Areal und an einem Schraubendreher im Welzheimer Rathaus, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dem 28-jährigen Welzheimer zugeordnet werden konnten. Außerdem führte eine Telefonüberwachung auf seine Spur. Naheliegend, dass der Welzheimer die Taten uneingeschränkt einräumte, wenn auch in einer Stellungnahme seines Verteidigers. Dass er sich in seinem Schlusswort entschuldigte, half ihm letztendlich aber nichts. Und auch nicht der Einwand, dass die Taten alle mehr als eineinhalb Jahre zurückliegen und ihn jetzt einholen: „Auch wenn ich will, ich habe gar keine Chance.“

Diese Einschätzung bestätigte sich im Urteil des Schöffengerichts: Statt wieder eine Bewährungsstrafe auszusprechen, verurteilte es den 28-Jährigen für beide Einbrüche zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten.

Mit der Polizei ins Gericht

Weil er nicht zur Verhandlung erschienen und auch von seinem Anwalt telefonisch nicht zu erreichen war, ließ das Schöffengericht den 28-jährigen Angeklagten von der Polizei von Welzheim ins Schorndorfer Amtsgericht bringen. Die Verhandlung konnte damit erst mit einer Stunde Verspätung beginnen.

Auf das Urteil darf dies aber keine Auswirkung haben, erläutert Amtsgerichtsdirektorin Doris Greiner auf Anfrage. Letztendlich habe der Staat dafür zu sorgen, dass Angeklagte vor Gericht erscheinen. Für Täter, glaubt die Richterin, sei es schon Unannehmlichkeit genug, von der Polizei abgeholt zu werden. Letztes Mittel, wenn ein Angeklagter gar nicht kommen will, ist ein Sitzungshaftbefehl.