Schorndorf

Sechsgruppige Kita an Uhlandstraße: Warum der Gemeinderat begeistert ist und die Nachbarn genervt sind

Kita Uhlandstrasse
So soll die Kita an der Uhlandstraße einmal aussehen. © privat

Die Anlieger sehen sie kritisch, die sechsgruppige Kita, die auf einem Grundstück mit alten Bäumen im Wohngebiet an der Aichenbachstraße / Uhlandstraße entstehen soll. Verlieren werden sie nicht nur die große hügelige Wiese in ihrem Wohngebiet, bekommen werden sie auch eine Menge an zusätzlichem Verkehr: morgens und nachmittags, wenn die Eltern ihre Kinder mit dem Auto in den Kindergarten bringen und wieder abholen. Doch jetzt ist der Baubeschluss im Gemeinderat einstimmig gefallen. Für 6,4 Millionen Euro wird die Bad Wurzacher Firma Weizenegger die Kita bauen und im Zuge dessen auch die Altlastensanierung auf dem Grundstück übernehmen. Alle Sprecher der Fraktionen waren von dem hellen Rundbau aus Holz begeistert.

Wie wird die Zufahrt verkehrssicher?

Zu Beginn der Gemeinderatssitzung hatte eine Anwohnerin ihre Bedenken auf den Punkt gebracht: Was passiert in der Straße, wenn eine sechsgruppige Kita gebaut wird?, fragte sie. Sechs Gruppen bedeuteten 90 Eltern, die zusätzlich zu den vielen anderen in der Straße unterwegs seien. „Wie kann man das noch so lösen, dass es verkehrssicher wird?“, wollte sie wissen. Nach Ansicht von Oberbürgermeister Matthias Klopfer ist das indes eine Sorge, die bei jedem Neubau geäußert wird. Der Verkehr, den die Kita nach sich zieht, werde eine zusätzliche Belastung sein, räumte er ein. In einer verdichteten Stadt wie Schorndorf werde das aber kein Problem werden. Klopfer versprach, die Zufahrt verkehrssicher zu gestalten.

Sträucher und Bäume bleiben erhalten

Für den Kindergartenbau hatte die Stadt einen Generalübernehmer gesucht und dafür einen Wettbewerb ausgelobt. Gewonnen hatte die Weizenegger Objektbau GmbH mit einem Rundbau, der nicht nur die Jury überzeugte, sondern nun auch den Gemeinderat begeistert hat. „Eine super Architektur“, befand Klaus Konz, Fachbereichsleiter Gebäudemanagement, bei der Vorstellung im Gemeinderat. Der Kindergarten bedeute eine Aufwertung für das Gebiet. Zwar sei eine Kita mit sechs Gruppen „schon ein Volumen“, das runde Gebäude füge sich auf der hügeligen Wiese aber bestens ein. Und – was viele freuen wird - die alten Bäume können ebenso erhalten bleiben wie der danebenliegende Spielplatz. Dass die Sträucher und Bäume nicht gefällt werden müssen, hält Konz angesichts der immer heißer werdenden Sommer, in denen immer mehr Schatten gebraucht werde, für besonders wichtig. Gepunktet hatte der Rundbau seiner Meinung nach aber auch deshalb, weil das Gebäude aufgrund seiner Form vom Straßenraum abgerückt werden konnte. Das Gelände sei nicht einfach zu bebauen, sagte er, die Altlasten allerdings nicht tragisch. Den An- und Abfahrtsverkehr habe die Verwaltung im Blick. Möglich sei etwa eine Art Einbahnstraßen-Umfahrung um den Kindergarten. Zudem könne man Tempo 30 festlegen.

"Großartig, wie die Kinder in Schorndorf gewürdigt werden"

Auch im Gemeinderat stieß der Entwurf auf Begeisterung. Mit der runden Bauweise und dem Innenhof seien viele Probleme gelöst worden, befand GLS-Sprecher Werner Neher: „Die haben das sehr gut gelöst.“ Auch die Außenanlagen seien mit dem Erhalt des Spielplatzes gut gelungen. Sein Fazit: „Eine wahnsinnige Aufwertung fürs Viertel.“ Auch für Gerhard Junginger (FDP/FW) ist das Gebäude etwas Besonderes, eine große Harmonie machte Grünen-Rätin Kirsten Katz am Holzbau aus. CDU-Chef Hermann Beutel lobte die optimale Raumausnutzung, räumte aber ein, dass es zu Verkehrsproblemen kommen könne, und forderte: „Die Eltern sollen sich zusammenfinden und ihre Kinder gemeinsam transportieren.“ Andernfalls müsste die Stadt ihre Kindergärten irgendwann im Industriegebiet bauen. Dass der Verkehr ein Problem sei, konstatierte auch Sabine Reichle (SPD), hob aber ebenfalls die besondere Architektur hervor: „Es ist großartig, wie die Kinder in Schorndorf gewürdigt werden“, sagte sie. Für Andrea Sieber ist die Verkehrssituation schon jetzt bedenklich. An dieser Stelle befinde sich „einer der gefährlichsten Zebrastreifen der Stadt“, sagte sie. Mehrere Haustiere seien dem Verkehr hier schon zum Opfer gefallen. Ansonsten lobte aber auch sie „den absoluten Mehrwert für die Stadt“ und „die tolle Bildungseinrichtung für die Kinder“.

Holzknappheit sorgt für Kostensteigerung

Einen Zickzackkurs hatte Bürgermeister Thorsten Englert bei den Kosten konstatiert. Die hätten zuerst bei 6,7 Millionen Euro gelegen, seien als Folge der gestiegenen Holzpreise dann auf 7,1 Millionen in die Höhe geschnellt und hätten nun wieder auf 6,4 Millionen Euro gedrückt werden können. „Man bekommt keine verlässliche Kostenschätzung mehr“, konstatierte Bürgermeister Thorsten Englert. Unterm Strich sei der Preis ein gutes Ergebnis.

Die Anlieger sehen sie kritisch, die sechsgruppige Kita, die auf einem Grundstück mit alten Bäumen im Wohngebiet an der Aichenbachstraße / Uhlandstraße entstehen soll. Verlieren werden sie nicht nur die große hügelige Wiese in ihrem Wohngebiet, bekommen werden sie auch eine Menge an zusätzlichem Verkehr: morgens und nachmittags, wenn die Eltern ihre Kinder mit dem Auto in den Kindergarten bringen und wieder abholen. Doch jetzt ist der Baubeschluss im Gemeinderat einstimmig gefallen. Für 6,4

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