Schorndorf

SEK-Einsatz: Kaminkletterer in Erdloch gefunden

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Am Donnerstagabend hängte ein Mann ein etwa 30 Meter langes Banner am Kamin der alten Lederfabrik auf und löste damit einen SEK-Einsatz aus. © Sarah Utz

Schorndorf. Wer am Donnerstag hoffte, im Gemeinderat eine spannende Abstimmung über den künftigen Investor auf dem Breuninger-Areal zu erleben, wurde enttäuscht. Wirklich Spannendes zu erleben gab’s genau zur selben Zeit auf dem Breuninger-Gelände selber, denn dort suchte eine Einheit des Spezialeinsatzkommandos der Polizei nach einem zunächst Unbekannten, der über mehrere Stunden hinweg von der Spitze des rund 40 Meter hohen Schornsteins aus gegen die Pläne zur Neubebauung des Areals protestiert hatte.

„Besetzt“ und „Abgelehnt!“ stand auf dem Bannern, das der Aktivist in bester Greenpeace-Manier am Schornstein heruntergelassen hatte und auf das zumindest die Stadtverwaltung zunächst einmal gelassen reagierte. Man habe, so der Oberbürgermeister, lediglich überlegt, einen Berufskletterer hochzuschicken und ihn das zu diesem Zeitpunkt im Wind flatternde „Abgelehnt“-Banner abnehmen zu lassen, sagte Oberbürgermeister Matthias Klopfer auf Nachfrage. Davon sei aber abgesehen worden, nachdem sich auf dem Schornstein eine Person gezeigt habe und das Banner wieder hochgezogen worden sei. Alles Weitere sei dann Sache der Polizei gewesen.

Beweissicherung: Konserven und Kletterausrüstung

Als die Polizei und kurz darauf auch die Feuerwehr und weitere Rettungskräfte gegen 17.45 Uhr am Ort des Geschehens eintrafen, gab es, wie der Leiter des Polizeireviers Schorndorf, Polizeioberrat Markus Jatzko, später am Abend sagte, verschiedene mögliche Szenarien: Entweder war es der Person auf dem Schornstein gelungen, trotz der schnell aufgebauten Absperrungen zu entkommen, oder sie hatte sich auf dem Gelände oder sogar im Kamin versteckt oder sie war – schlimmstenfalls – im Inneren des Kamins abgestürzt. Gerüchte, wonach sich eine Person am Schornstein angekettet habe, stellten sich als unwahr heraus. Jedenfalls musste eine SEK-Einheit aus Göppingen her, die in solchen Fällen nicht nur angefordert wird, um einen Aktivisten zu bergen oder ihn durch Zureden zum Abstieg zu bringen (was bei vielen Greenpeace-Aktionen auch gelingt), sondern auch zur Beweissicherung in luftiger Höhe. Worauf sich der von einem Hubschrauber mit Wärmebildkamera ausgeleuchtete Einsatz in diesem Fall zunächst beschränkte. Denn vor der Person, die einige Zeit vorher noch gesichtet worden war, war nichts zu sehen, dafür stellten die am Schornstein hochgekletterten SEK-ler aber das zusammengerollte Banner und persönliche Hinterlassenschaften, wozu eine professionelle Abseilausrüstung ebenso gehörte wie Konserven und ein Nachtlager. Was den Schluss zulässt, dass es sich der Gesuchte, bei dem es sich ganz offensichtlich um einen versierten Kletterer handeln musste, auf dem Schornstein für längere Zeit gemütlich machen wollte oder dort schon vorher mehrmals zugange war, um seine spektakuläre Aktion vorzubereiten.

Verursacher muss die Kosten des Polizeieinsatzes zahlen

Die Aktion am Donnerstagabend neigte sich schon dem Ende zu, als plötzlich der Ruf ertönte. „Sie haben ihn.“ Tatsächlich hatten die Mitglieder der SEK-Einheit bei einer letzten Durchsuchung des Geländes rund um den Schornstein einen nicht, wie es zunächst hieß, im Innern des Schornsteins, sondern in einem Erdloch versteckten Mann entdeckt, der offensichtlich gehofft hatte, nach Beendigung der Polizeiaktion unerkannt entkommen zu können. So aber weiß mittlerweile die halbe Stadt, dass es sich bei dem Mann, der gegenüber der Polizei in der Sache bislang keine Angaben gemacht hat, um einen als ausgezeichneter Kletterer bekannten 48-jährigen Schorndorfer aus der unmittelbaren Nachbarschaft des Breuninger-Areals handelt, der schon wiederholt gegen die Investoren-Pläne protestiert und dem Vernehmen nach schon selber Interesse daran hatte, einen Teil des Breuninger-Grundstücks zu erwerben. Zur genauen Identifizierung des Mannes, der sich auf dem Schornstein aufgehalten hat, sucht das Polizeirevier Schorndorf, Telefon 07181/204-0, noch Zeugen, die den Mann entweder gesehen oder ihn fotografiert haben. Strafrechtlich ist sein Verhalten nicht mehr als Hausfriedensbruch, weshalb der 48-Jährige auch wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. Schwerer dürfte wiegen, dass er, wenn er auf dem Schornstein war, den kompletten Polizeieinsatz bezahlen muss. Und da dürfte bei dem, was das SEK an Personal und Material aufgeboten hat, schnell mal eine fünfstellige Summe zusammenkommen.