Schorndorf

Selbstbedienung im Pferdestall

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Magnus Rost ist aktuell noch dabei, die hungrigen Huftiere mit dem Futterautomat vertraut zu machen. Er freut sich: „Die begreifen schnell!“ © Kölbl / ZVW
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Daniela Weigl mit ihrer Milky im neuen Bewegungsstall vor den offenen Ställen. Im Hintergrund ist rechts einer der Futterautomaten zu sehen. © Kölbl / ZVW
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Die Futtertränke können die Pferde selbst mit ihrer Pferdenase entriegeln © Kölbl / ZVW
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Peter Rost schiebt seinen Kühen eine Ladung Gras zu. Sie danken’s ihm mit fröhlichem Muhen. © Kölbl / ZVW
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In diesem Band ist der elektronische Chip zur Erkennung der einzelnen Pferde versteckt. © Kölbl / ZVW
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Hero im Futterautomaten. Hebt sich das Tor vor dem Heu, kann er loslegen. © Kölbl / ZVW

Schorndorf-Schornbach. Aufs Gramm abgewogene gesunde Mahlzeiten, ein gemäßigtes Sportprogramm und Massageangebote für die Füße, nein Hufe. Dazu viel frische Luft. Viel besser geht’s eigentlich nicht. Wellness fürs Pferd – Monat für Monat. Das gibt’s im neuen Bewegungsstall von Magnus Rost.

Der Schornbacher Magnus Rost ist gerade mit dem Studium von Agrarwissenschaft und Agrarbusiness fertig, da hat er schon seinen eigenen Bewegungsstall aufgebaut. Und das darf man wörtlich nehmen. Der gelernte Zimmermann hat einen Großteil der Anlage selbst geplant und umgesetzt. Das Ergebnis ist ein Stall, der den natürlichen Bedürfnissen der Tiere so nahe wie möglich kommt. Hier wird kein Pferd in eine Box gestellt, hier können die Tiere in Herden leben und sich frei bewegen. „Immer wenn ein neues Tier hinzukommt, wird die Rangordnung neu bestimmt“, weiß Magnus Rost. Aktuell ist Hero, ein großer schwarzer Gesell, der Chef im Ring. „Der ist sozialverträglich, geht auch mal dazwischen, wenn es zwischen den anderen Pferden Ärger gibt“, berichtet der junge Landwirt weiter.

Der Chip am Fuß des Pferdes sagt dem PC, wie viel Futter es gibt

Verspürt ein Tier Hunger, macht es sich auf den Weg zu einem der vier Futterautomaten. Drei sind mit Heu gefüllt, einer mit Kraft-und Mineralfutter. Ein Chip, der in einem Band am Bein versteckt ist, sagt dem Computer, welches Pferd gerade den Futterautomaten betritt. Entsprechend den Bestimmungen des Besitzers bekommt das Tier seine Futterration zugeteilt. Ist alles verputzt, kommt nichts mehr nach. Stattdessen schließt sich die Futterluke und das Pferd macht wohl oder übel Platz fürs nächste hungrige Huftier. Wer Durst bekommt, kann sich an der Tränke selbst bedienen. Diese besteht aus einem Wasserkanister mit einem Loch auf dem Deckel. Dieses ist mit einem Ball verschlossen. Drücken die Pferde den Ball mit der Nase nach unten und beiseite, erreichen sie das erfrischende Nass. Der Vorteil: Es kommt kein Schmutz hinein. Winters sinkt die Gefahr, dass das Wasser einfriert.

Die Laufwege durch die Futterautomaten sind quasi in Einbahnstraßen geregelt, so dass die Tiere den Bewegungsstall mit einer Fläche von 3400 Quadratmetern beinahe umrunden müssen, bis sie zum nächsten Futterautomaten kommen. Dabei gibt’s die Gelegenheit zu ganz viel Pediküre. Da gibt es nämlich eine mit runden Steinchen ausgelegte Strecke, die in ihrer punktuellen Belastung die Hufe der Pferde durchmassiert. Weiter hinten gibt’s Waldweg-Belag und einen Hackschnitzelweg. „Das ist wie ein Barfußpfad“, findet Peter Rost.

Viel Möglichkeit zur Bewegung: Optimal fürs Tier

Aber nicht nur für die Tiere ist die Anlage optimal. Sie nimmt auch viel Last von den Pferdebesitzern. Schließlich müssen die Pferde nicht mehr von Hand gefüttert werden, auch die Bewegung übernehmen sie dank der großen verfügbaren Fläche selbst. Daniela Weigl, deren Pferd Milky seit einer Woche in Schornbach steht, ist begeistert. Ihr Vierhufer ist schon 19 Jahre alt. Das ist für Pferde schon ein ordentliches Alter. „Grad’ im Alter ist es wichtig, dass sie sich gut bewegt, ich hatte etwas Bedenken wegen der Arthrose.“ Seit Milky hier ist, sei sie richtiggehend aufgelebt, schnell habe sie verstanden, wie die Automaten und Tränken funktionieren. Die Möglichkeit zur Bewegung nehme das ehemalige Schulpferd mit wachsender Begeisterung wahr.

Inzwischen leben 13 Pferde in der Gruppe, weitere kommen hinzu, zehn Plätze sind noch frei. „Grad am Anfang ist es wichtig, dass nicht zu viele Tiere im Stall sind, so dass sie sich untereinander in Ruhe kennenlernen können“, erklärt Magnus Rost. Abgesehen davon müssen die ersten Bewohner noch vergleichsweise mühsam lernen, wie Futterautomat und Co funktionieren. Die nachfolgenden Tiere werden sich all das leichter abgucken können. Aktuell versucht Magnus Rost, die Pferde dazu zu erziehen, eine Pferdetoilette zu benützen. Dafür lädt er all die eingesammelten Pferdäpfel auf einen Haufen. Wenn die Maßnahme fruchtet, erleichtern sich die Tiere bald nur noch an dieser Stelle. Das wiederum würde dem Landwirt die Arbeit des Pferdeäpfelauflesens auf dem 3600 Quadratmeter großen Gelände, das auch einige Steigungen beinhaltet, erheblich erleichtern.

Zusätzlich zum Bewegungsstall gibt’s eine nigelnagelneue Reithalle von 20 mal 40 Metern mit einem Sand-Textil-Boden. Um den richtig pflegen zu können, musste ein eigenes Fahrzeug her. Der Boden alleine habe sicher den Wert eines ordentlichen Kleinwagens, schätzt der junge Schornbacher. Eine Reiterklause mit Blick in die Halle ist angeschlossen, ein Raum mit großen Spinden für die Pferdebesitzer gibt es außerdem.

Peter Rost ist froh, dass Sohn Magnus nun in den Betrieb mit eingestiegen ist. In dem Konzept des Bewegungsstalls sieht er viel Potenzial. Anders sieht es da bei den anderen Betriebszweigen aus. Speziell die Milchviehhaltung erscheint wenig vielversprechend. 20 Kühe und 25 Nachzucht-Rinder hat er im Stall. Der ist, wie er selbst sagt, in seiner Anbindehaltung nicht mehr zeitgemäß. Den Stall zu modernisieren mache aber kaum Sinn. „Ich mach’ das halt noch, solange ich Lust habe, die Kühe zu melken. Und ich muss sagen, die Lust sinkt mit dem Milchpreis.“ Den Mindestlohn erreiche er, der an zwei Tagen der Wochen noch fürs Veterinäramt arbeitet, nicht. Vielleicht vier Euro pro Stunde bekommt er für die harte Arbeit mit den Rindern, schätzt er.

Außerdem gibt es auf dem Hof noch 150 Hühner. Diese kaufen Rosts jeweils im Alter von 20 Wochen zu. Etwa zwei Wochen später legen die Hennen die ersten, noch kleinen Eier. Kurz drauf kommt die Eierproduktion richtig in Gang. Etwa eineinhalb Jahre lang leben sie dann auf dem Rost’schen Hof. Manche beenden ihre Karriere als Suppenhuhn, viele bekommen bei Kleintierzüchtern ein Gnadenbrot. Ulrike Rost sorgt sich um die Tiere und fährt sogar Eier an Berufstätige und ältere Leute aus. „Das ist wie Essen auf Räder“, findet ihr Mann Peter Rost.

Futter muss auch her

22 Hektar Wiesen bestellen die Rosts. Aus deren Ertrag stellen sie Silage für die Kühe und Heu für die Pferde her. Auf ihren Wiesen wachsen unter anderem schmackhafte Kräuter, Löwenzahn und Salbei sind mit dabei.

Aktuell stehen Rosts in den Startlöchern zur Heuernte, die Wiesen stehen hoch genug, was alleine fehlt, ist das gute Wetter. Drei trockene Tage am Stück brauchen sie – und das gleich viermal – um alles abzuernten. Dafür wird dann ein Lohnunternehmer angeheuert, der sich um das Rollen der Heuballen kümmert. Die ganze Arbeit zuvor, das Schneiden, Wenden und Schwaden (Anordnung des geschnittenen Grases in Linien) erledigen Rosts selbst. Allerdings: Drei Tage gutes Wetter am Stück scheinen dieses Jahr kaum zu bekommen sein.

Dazu kommen 20 Hektar Ackerland. Hier wachsen Hafer für die Pferde und Wintergerste für die Rindviecher. Mais und Weizen bauen Rosts für ihre Hühner an. Nicht alles davon verputzen die eigenen Eierproduzenten, weshalb der Rest verkauft wird.