Schorndorf

Sieben Monate Corona-Zwangspause: Lena Galagorri vom Café de Ville in Schorndorf hat das Beste draus gemacht

Cafedevillecorona
Lena Galagorri ist darauf vorbereitet, wieder Gäste im Café de Ville beim Brünnele begrüßen zu können. © Gaby Schneider

Sieben lange Monate war das Café de Ville geschlossen. An diesem Montag, 31. Mai, endlich kann’s weitergehen. Hätte Lena Galagorri das im Voraus gewusst – was hätte sie nicht alles machen können. Doch obwohl ihr die Situation nach der coronabedingten Schließung Anfang November zugesetzt hat, sie hat das Beste draus gemacht. In einer Zeit großer Unsicherheit, in der nicht absehbar war, wann sie ihr Café wieder öffnen kann, hat sich für sie eine Tür unerwartet aufgetan: Einer Freundin, die an der Ostsee an der polnischen Grenze in einem Bauwagen lebt, konnte sie beim Umzug helfen und sich um deren drei kleine Kinder kümmern. Zwei Wochen wollte sie bleiben – zehn Wochen sind daraus geworden. „Zum Glück“, sagt Lena Galagorri, „habe ich das gemacht.“

Denn obwohl sie sich schon im ersten Lockdown vor einem Jahr überlegt hatte, ob sie wieder in ihrem alten Beruf als Erzieherin einsteigen soll, im Grunde konnte sie ja nie verlässlich Auskunft geben, wie lange sie überhaupt verfügbar ist. Doch ewig in Warteposition bleiben wollte sie auch nicht und so hat sie sich irgendwann entschieden, ihr Ding zu machen und an die Ostsee zu fahren: „Plötzlich ist wieder was passiert in meinem Leben.“ Denn das hat der Lockdown Anfang November für sie ja auch bedeutet: Obwohl sie stabile soziale Kontakte hat, mit der Arbeit im Café sind die Gewohnheiten und der Alltag weggefallen. In dieser Ausnahmesituation beschäftigt zu sein, „das war das Gute“.

Fast 9000 Euro an Spenden zusammengekommen

Dankbar ist sie auch über die Hilfe, die sie in den zurückliegenden Monaten bekommen hat. Über die Online-Plattform „betterplace.de“, auf der eine ehemalige Mitarbeiterin eine Kampagne für das Café de Ville gestartet hat, sind mittlerweile fast 9000 Euro zusammengekommen. Staatliche Hilfe hat sie ebenfalls bekommen, allerdings nur mit Verspätung und bisher auch nur im Dezember. Von Januar bis zur Wiedereröffnung soll noch mal Geld fließen, doch sicher weiß Lena Galagorri das noch nicht. Demgegenüber stehen „immense Fixkosten“ für Miete, Telefon und GEMA von fast 6000 Euro im Monat. Und als im Januar haufenweise Rechnungen ins Haus flatterten, hatte sie schon auch Zweifel, wie sie das alles bezahlen soll. Und natürlich kam bei ihr die Frage auf, ob sie mit dem Café, das sie vor neun Jahren beim Brünnele eröffnet hat, tatsächlich weitermachen soll.

Doch mit den fünf Mini-Jobbern, die alle als Bedienungen weiterhin bereitstehen, wagt sie den Neustart – unter Corona-Bedingungen: Nachdem die Sieben-Tage-Inzidenz an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen unter 100 lag, ist der Außen- und Innengastronomie ab diesem Montag, 31. Mai, eine Öffnung zwischen 6 und 21 Uhr erlaubt. Im Café gilt eine Beschränkung auf eine Person je 2,5 Quadratmeter Gastraumfläche, draußen gibt es keine Flächenbeschränkung. Dafür: Maskenpflicht, Pflicht zur Kontaktdatenübermittlung, Einhaltung der Abstandsregeln – sowie ein Test-, Impf- oder Genesenen-Nachweis.

Das wollte sie nie: Gäste kontrollieren

Wie viele Gäste dann wirklich bei ihr vor der Tür stehen werden und wie groß der Ansturm wird, das kann die Cafébetreiberin noch überhaupt nicht einschätzen. Und Kopfzerbrechen bereitet ihr in gewisser Weise auch, dass sie ihre Gäste wird kontrollieren müssen – andernfalls, das ist auf der Internetseite des Dehoga-Bundesverbands nachzulesen, drohen Bußgelder bis zu 25 000 Euro oder eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren. „Das“, sagt Lena Galagorri, „ist das, was ich nie wollte.“ Schon bei der Wiedereröffnung nach dem ersten Lockdown vor einem Jahr, erinnert sich die Mittdreißigerin, sei ihr auch viel negative Energie entgegengeschlagen. Jetzt kann sie nur hoffen, dass die Gäste mitmachen und nicht über Regeln diskutieren, die sie sich nicht ausgedacht hat.

Sieben lange Monate war das Café de Ville geschlossen. An diesem Montag, 31. Mai, endlich kann’s weitergehen. Hätte Lena Galagorri das im Voraus gewusst – was hätte sie nicht alles machen können. Doch obwohl ihr die Situation nach der coronabedingten Schließung Anfang November zugesetzt hat, sie hat das Beste draus gemacht. In einer Zeit großer Unsicherheit, in der nicht absehbar war, wann sie ihr Café wieder öffnen kann, hat sich für sie eine Tür unerwartet aufgetan: Einer Freundin, die an

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