Schorndorf

Spinnen, Kätzchen und ein heimatloser Hahn beim Tierheimfest in Schorndorf

Tierheimfest
Dagegen sieht die Nosferatu-Spinne ziemlich mickrig aus: Vogelspinnen auf dem Tierheimfest. © Alexandra Palmizi

Prinz ist zu Besuch in seiner alten Heimat. Der gutmütige, stellenweise ergraute ehemalige Tierheim-Hund mit der zotteligen Frisur wird auf den ersten Blick erkannt von Gunter Schmiedecke, dem Zweiten Vorsitzenden des Tierschutzvereins. Derzeit stellt man beim Verein eine gesunkene Bereitschaft fest, ein Tier aufzunehmen. Und: Es fehlen ehrenamtliche Helfer.

Da sind Geschichten wie die von Prinz schön zu hören. Bei ihm funktioniert das Geruchsgedächtnis: Inmitten des Trubels und trotz Ablenkung durch andere Hunde, läuft er beim Tierheimfest schnurstracks auf die frühere Vertrauensperson zu, wedelt mit dem Schwanz, schnuppert an den entgegengehaltenen Händen und trippelt aufgeregt vor Freude. „Das tut er nur bei Menschen, die er kennt“, sagt die heutige Besitzerin Andrea Bonifert, bei der der gemütliche Schmusehund vor vier Jahren ein neues Zuhause fand.

Irischer Wolfshund? Hirtenhund? Egal. „Einfach ein Lieber“

Was „Prinz“ für einer ist? „Hirtenhund vielleicht, irischer Wolfshund sagte mal jemand, aber in dem sieht wohl jeder etwas anderes, für mich ist er einfach ein Lieber“, meint lachend die Hunde-Mama. Der liebe „Prinz“ pendele mit ihr sogar zur Arbeit nach Stuttgart, wo er einen eigenen Bereich zur Verfügung habe. „Und wenn in der S-Bahn Kinder über ihn drübersteigen, bleibt er seelenruhig liegen.“

Zum Tierheimfest kommen viele, um Hallo zu sagen - ob mit eigenem Tier im Schlepptau oder einfach „tierverbunden“, wie Hildegard Köble aus Schlichten. Ihr Mann Willi sei seit 45 Jahren Mitglied und sie unterstützen die Arbeit des Tierschutzvereins. „Wir bringen auch mal Hundefutter und Gemüsereste für die Kaninchen vorbei“, sagt sie. Sie befürchte eine sinkende Spendenbereitschaft angesichts steigender Preise für so ziemlich alles. „Hier sind viele Freiwillige für die Tiere da, die für jede Unterstützung dankbar sind, es fehlt hinten und vorne“, meint sie.

Das bestätigt Sabine Hermann, die Erste Vorsitzenden des Tierschutzvereins. „Wir haben viel zu viele Anfragen, müssen Wartelisten führen“, sagt sie. Am meisten brenne ihnen die rückläufige Zahl der Ehrenamtlichen auf den Nägeln. „Für uns macht es Sinn, wenn sie konstant und zuverlässig mithelfen können.“ Ob Gassigehen, Hund anleinen, Füttern, Gartenpflege, handwerkliche Tätigkeiten, Putzarbeiten, jeder erhalte eine Schulung. „Es ist schade, wenn der Aufwand dann nach kurzer Zeit im Sande verläuft.“

Mitgliederzahl von 530 gehalten

Beim Tierheimfest sind insbesondere jene Helfer gefragt, die im Bewirtungszelt vollen Einsatz zeigen, um die vielen Besucher mit Burgern, Pommes und selbst gebackenen Kuchen zu beglücken. Zwei Jahre sei Fest ausgefallen, die Mitgliederzahl von 530 habe sich trotz Corona aber weitestgehend gehalten, so Sabine Hermann.

Leider sei das Interesse nach dem kurzfristigen „Corona-Boom“, als sich mehr Menschen ein Haustier zugelegt hätten, derzeit sehr gering, ein Tier aufzunehmen. Ankommende Flüchtlinge, die ihr Haustier aus der Ukraine mitgebracht hätten, seien vorübergehend ein Thema gewesen: „Sie konnten die Tiere nicht in die Unterkünfte mitnehmen, wir hatten drei Katzen für jeweils vier Wochen bei uns, die über das Veterinäramt vermittelt wurden.“

Was sonst noch alles geleistet wird rund ums Tier, zeigen beim Fest sechs Aussteller: Der Verein Flugmodus informiert über Drohneneinsätze zur Rehkitzsichtung, um sie vor dem Mähtod zu bewahren. Kinder können sich verstecken und von speziell ausgebildeten Hunden der DRK-Rettungshundestaffel finden lassen. Es gibt eine Tombola und einen Flohmarkt, die Pfötchenhilfe und Moppel Hoppel stellen ihre Arbeit vor und beim Imkerverein lernt nicht nur die neunjährige Patricia etwas fürs Leben. „Damit du ein Honigbrot essen kannst, muss eine Biene von hier nach Hamburg und zurückfliegen“, beschreibt Dieter Trump, Kassier des Bezirksimkervereins, die Flugleistungen der erstaunlichen „Teamworker“.

Tierheim-Katze statt eigener

Weil Haustiere in ihrer Wohnung nicht erlaubt seien, sie sich aber ganz doll eine Katze wünsche, darf Patricia jetzt die Tierheim-Kätzchen besuchen. „Wir sind gekommen, um den Mitgliedsantrag abzugeben“, sagt Mutter Claudia Peters. Die Schorndorferin hatte als Kind einige Katzen von hier und will der Tochter die Freude machen, eine Alternative zur eigenen Katze zu haben. „Ich darf jetzt die Katzen streicheln und mit ihnen schmusen“, freut sich Patricia.

Für die meisten Menschen eher wenig Schmusevergnügen versprechen hingegen die Vogelspinnen der Hobbyhalter und Exotenfreunde Maria Faraci und Danny Blersch, die jede, von manchem gefürchtete Nosferatu-Spinne dann doch recht blass, um nicht zu sagen mickrig aussehen lassen.

Kuschlige Wesen hat’s im Außengehege: Goldige Kaninchen mümmeln vor sich hin, nebenan räkeln sich die Kätzchen, schmusen Köpfchen und Katzenbart reibend mit dem Zaun des Freigeheges und - wie ein kleines Mädchen goldrichtig erkennt – „sie chillen“.

Mehr Aktivität zeigt der neueste Mitbewohner: Kurt. Der stattliche Hahn mit einem auffallend mehrfarbigen Gefieder wurde vor wenigen Tagen herrenlos, vielmehr hennenlos, mitten in der Stadt auf der Straße aufgegabelt und zu ihnen gebracht, berichtet Sabine Hermann. „Bis jetzt scheint er niemandem zu gehören.“ Wer also derzeit seinen Hahn vermisst...

Weitere Informationen zu Hahn „Kurt“ und weiteren Tieren, die ein Zuhause suchen unter www.zvw-tierliebe.de/tiere/kurt.

Prinz ist zu Besuch in seiner alten Heimat. Der gutmütige, stellenweise ergraute ehemalige Tierheim-Hund mit der zotteligen Frisur wird auf den ersten Blick erkannt von Gunter Schmiedecke, dem Zweiten Vorsitzenden des Tierschutzvereins. Derzeit stellt man beim Verein eine gesunkene Bereitschaft fest, ein Tier aufzunehmen. Und: Es fehlen ehrenamtliche Helfer.

Da sind Geschichten wie die von Prinz schön zu hören. Bei ihm funktioniert das Geruchsgedächtnis: Inmitten des Trubels und trotz

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