Schorndorf

Stadtmuseum Schorndorf sucht Anekdoten und Objekte für eine Reinhold-Maier-Ausstellung

Stadtmuseum
Museumsvolontär Stephan Lawall kann schon einige interessante Ausstellungsstücke präsentieren und Anekdoten erzählen. © Gaby Schneider

Reinhold Maier war nicht nur der erste Ministerpräsident Baden-Württembergs. In Schorndorf geboren und aufgewachsen, blieb er Remstäler durch und durch. Dass er auch viel in der Region unterwegs war, das zeigen nicht zuletzt die Reaktionen auf einen Aufruf des Stadtmuseums: Für eine Sonderausstellung zu Reinhold Maiers 50. Todestag, die gerade in Zusammenarbeit mit der Reinhold-Maier-Stiftung entsteht, sind Zeitungsartikel, Geschichten, Anekdoten, Gegenstände und Bilder gesucht, also letztlich alles, was Auskunft über den liberalen Nachkriegspolitiker geben kann. Bisher gab es 25 Rückmeldungen aus Schorndorf, Winnenden, Welzheim, Adelberg und Börtlingen – und die Auswahl ist vielversprechend.

Stephan Lawall, wissenschaftlicher Volontär des Stadtmuseums, kann bereits persönlich adressierte Karten und Veranstaltungseinladungen zeigen, Fotos, auf denen Reinhold Maier abgebildet ist – etwa im Gespräch mit Bundespräsident Theodor Heuss und im Wahlkampf. Dem Stadtmuseum angeboten wurden bereits Bücher und Zeitungsartikel von und über Maier sowie seine veröffentlichten Tagebücher. In Zeitzeugengesprächen hat Lawall schon einige Anekdoten über „den Fuchs aus dem Remstal“ gehört und weiß von einer Wanderung, auf der Reinhold Maier zwischen Breech und Rattenharz, dort wo heute passenderweise der Reinhold-Maier-Aussichtsturm steht, einer alten Bäuerin begegnete, die ihn nicht erkannte und ihm kurzerhand einen Gugelhupf mit auf den Weg gab, den er ihrer Tochter ins Remstal bringen sollte.

Volksnah, gesprächig und mit einem Talent für Freundschaften

Museumsvolontär Lawall jedenfalls kann sich schon ein Bild von Reinhold Maier machen: „Er war volksnah, gesprächig, hatte ein Talent für Freundschaften und hat gerne mit den Menschen Trollinger getrunken.“ Maier war ein begeisterter Wanderer und Ehrenmitglied im Schwäbischen Albverein. Für den Zinn-Pokal der Schorndorfer Urbanszunft, bei deren Urbansfest er regelmäßig zugegen war, hat er 1949 sogar eine Plakette gestiftet. Außerdem, auch das gehört zu Stephan Lawalls Bild von Reinhold Maier, war er als Anwalt und Politiker sehr strebsam – „und wusste sehr gut, wie er sich in politischem Fahrwasser bewegen musste“.

Für Museumsleiterin Dr. Andrea Bergler stellen sich in der Vorbereitung der Ausstellung, die am 22. Oktober eröffnet werden soll, vor allem diese Fragen: Was ist heute noch präsent von Reinhold Maier in der Region? Was ist spannend an seiner Person und Lebensgeschichte? Und was hat er fürs Remstal getan? Bemerkenswert findet Dr. Bergler gerade auch seine Biografie, die viele Brüche und Krisen vorzuweisen hat. Ihr Eindruck ist: „Er musste immer wieder neu anfangen.“

Frau und Kinder mussten nach England emigrieren

Im 19. Jahrhundert geboren, war Reinhold Maier als Soldat im Ersten Weltkrieg und schon davor, aber vor allem danach politisch aktiv. In der NS-Zeit hatte er nicht nur als Liberaler zu kämpfen, sondern auch, weil er mit einer Jüdin verheiratet war: Frau und Kinder emigrierten am 25. August 1939 nach England, 1943 erzwangen die Nationalsozialisten die Scheidung, 1946 wurde die Familie wiedervereint und die Ehe erneut geschlossen. Im Nachkriegs-Deutschland dann stieg er schnell politisch auf: Der Liberale war Wirtschaftsminister in Württemberg, Reichstagsabgeordneter in Berlin – und vom 24. April 1952 bis 30. September 1953 war Reinhold Maier der erste Ministerpräsident Baden-Württembergs. In den folgenden Jahren war er in der Bundes- und der Landespolitik aktiv. 1964 zog Maier sich aus der aktiven Politik zurück, in der FDP blieb er aber bis zu seinem Tod am 19. August 1971 präsent. Reinhold Maiers Beerdigung fand am 20. September auf dem Alten Friedhof in Schorndorf statt.

In der Dauerausstellung des Stadtmuseums ist Reinhold Maier bereits eine kleine Ecke eingeräumt, im Bestand gibt es Medaillen, Urkunden und Ehrenbürgerbriefe. Die Sonderausstellung soll  aber nicht nur ein detaillierteres Bild zeichnen, es soll auch ein museumspädagogisches Begleitprogramm geben – mit einem „Actionbound“, einer interaktiven Schnitzeljagd für Schulklassen.

Info

Wer noch Fundstücke oder Anekdoten zu Reinhold Maier zu bieten hat, kann sich bei Museumsvolontär Stephan Lawall melden, unter der Tel.-Nr. 0 71 81/6 02 10 41 oder per E-Mail unter stephan.lawall@schorndorf.de. Die Objekte können als Original, Scan oder Kopie an das Stadtmuseum abgegeben beziehungsweise ausgeliehen werden.

Reinhold Maier war nicht nur der erste Ministerpräsident Baden-Württembergs. In Schorndorf geboren und aufgewachsen, blieb er Remstäler durch und durch. Dass er auch viel in der Region unterwegs war, das zeigen nicht zuletzt die Reaktionen auf einen Aufruf des Stadtmuseums: Für eine Sonderausstellung zu Reinhold Maiers 50. Todestag, die gerade in Zusammenarbeit mit der Reinhold-Maier-Stiftung entsteht, sind Zeitungsartikel, Geschichten, Anekdoten, Gegenstände und Bilder gesucht, also

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