Schorndorf

Strom aus dem kommunalen Netz

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Gabriele Laxander und Hans-Joachim Enders, Geschäftsführerin und Technischer Prokurist des Remstalwerks, zeigen im neuen Schalthaus in Grunbach, wie der technische Übergang der Netze der EnBW und des Remstalwerks funktioniert. © Ramona Adolf

Remshalden. Am 31. Dezember um 0 Uhr ist für das Remstalwerk der große Moment gekommen: Das Stromnetz geht in Kernen, Remshalden, Winterbach und Urbach in die Hand der kommunalen Netzgesellschaft über. Für die Endverbraucher ändert sich dadurch gar nichts. Für sie ist diese Botschaft wichtig: Der Strom kommt auch 2017 aus der Steckdose.

Video: Die Stromnetze der ENBW und des Remstalwerks laufen zusammen und versorgen die Gemeinde Remshalden zukunftssicher mit Strom.

Die technische Infrastruktur für den Betrieb des Stromnetzes in Kernen, Remshalden, Winterbach und Urbach steht. Hans-Joachim Enders, der Technische Prokurist des Remstalwerks, kann im neu gebauten Schalthaus in Grunbach zeigen, wo der Übergang vom Netz der EnBW sich abspielt. Enders ist so etwas wie der Chef-Techniker des Remstalwerks. Im Schalthaus, einem flachen, länglichen Bau an der Rommenhöllerstraße, laufen die Leitungen der EnBW und die, die ab 1. Januar dem Remstalwerk gehören, zusammen. Mittendrin sitzt eine Messstation. „Am 31. Dezember um 0 Uhr wird hier der Zählerstand abgelesen“, sagt Hans-Joachim Enders. Dann ist das Remstalwerk für die Stromversorgung in seinem Netzgebiet zuständig.

Die Verbraucher in den vier betroffenen Gemeinden sind bereits über die Umstellung informiert. Einerseits durch die EnBW, denn auch die Endkunden mussten nämlich bereits ihre Zählerstände ablesen. Andererseits verteilt das Remstalwerk zurzeit fleißig Werbung und Infomaterial.

Aus dem Betreiberwechsel folgt nicht automatisch der des Anbieters

Der Moment der Netzübernahme ist ein entscheidender. Dadurch steigt die kommunale Gesellschaft vom reinen Stromverkäufer zum Netzbetreiber auf. Geschäftsführerin Gabriele Laxander und die Gesellschafter, zu denen Kernen, Remshalden, Winterbach und Urbach gehören, erhoffen sich dadurch einen Schub beim Zulauf von Stromkunden. Wichtig zu wissen ist: Durch den Betreiberwechsel folgt nicht automatisch ein Anbieterwechsel. Wer bisher zum Beispiel bei der EnBW Kunde war, bleibt das auch, wenn er nicht von sich aus wechselt.

Remstalwerk hat derzeit rund 2 500 Stromkunden

Der Stromkundenmarkt ist schwierig. Die Menschen sind in der Wahl ihres Anbieters träge. Dabei, so sagt Gabriele Laxander, seien 50 Prozent der Verbraucher beim Versorger mit dem teuersten Tarif. Rund 2 500 Stromkunden hat das Remstalwerk derzeit, so ist der letzte Stand, der jedoch überholt ist. Schon jetzt spüre man, dass die Präsenz des Unternehmens gewachsen ist, sagt die Geschäftsführerin. Aktuell gebe es großen Zuwachs, an manchen Tagen habe man 100 neue Kunden gewonnen.

Dabei spielt wohl auch der neue Geschäftssitz des Remstalwerks eine Rolle. Während die Büros bisher etwas versteckt im Erdgeschoss des Grunbacher Bürgerhauses residierten, liegen sie und das neu dazugekommene technische Lager jetzt direkt eingangs von Grunbach aus Richtung Weinstadt an der Ortsdurchfahrt, mit gut sichtbarem Firmenlogo. Das Gebäude bietet Platz für die zukünftige Entwicklung. 15 Menschen arbeiten hier momentan. Bis zu 25 sollen es einmal werden. Derzeit werden nach und nach weitere technische Mitarbeiter eingearbeitet. Schon jetzt sind neu Fachleute fürs Wasser dabei, die für die vier beteiligten Gemeinden den Betrieb der Wasserversorgung übernehmen.

Was günstiger gemacht werden kann, wird vergeben

Doch insgesamt soll das Unternehmen, wie Gabriele Laxander sagt, „schlank bleiben“. Die Devise heißt: Was andere günstiger machen können, vergeben wir nach außen. Alles, was mit Computern und EDV zu tun hat, macht zum Beispiel das Alb-Elektrizitätswerk Geislingen. Auch die Stadtwerke Fellbach und Schorndorf leisten Dienste für das Remstalwerk. Alle drei sind ebenfalls Mitgesellschafter.

Investiotionen sind hoch

Durch die Kooperation mit den Partnern kann das Remstalwerk auch die hohen Kosten, die der Aufbau eines neuen Unternehmens am Anfang verursacht, abmildern. Doch die Investitionen sind natürlich dennoch hoch. Allein in die Baumaßnahmen zur Entflechtung des Stromnetzes sind rund 1,5 Millionen Euro geflossen. Vom Kaufpreis für das Netz gar nicht zu reden, über den mit der EnBW Stillschweigen vereinbart ist, der aber – das ist kein Geheimnis – eigentlich viel zu hoch war.

Dem Remstalwerk entgehen Einnahmen für die nächsten sieben Jahre

Auch hat die EnBW so lange gebremst, bis ein wichtiger Stichtag für die Netzentgelte verstrichen war, die diejenigen, die das Netz nutzen, ans Remstalwerk zahlen müssen. Sehr vereinfacht gesagt hatte das zur Folge, dass dem Remstalwerk für die nächsten sieben Jahre Einnahmen entgehen. Trotzdem sagt Gabriele Laxander: Die Kommunen werden ab 2017 Geld aus ihrem Werk ziehen können. Wie viel das am Anfang sein wird, wird sich noch zeigen. Auf Dauer soll eine Verzinsung von bis zu 6,5 Prozent drin sein. Vor allem die Gemeinderäte scharrten in den vergangenen Jahren schon lautstark mit den Hufen, weil sie sich schneller Renditen versprochen hatten.

Lässt man außer Acht, dass sie natürlich auch Steuerzahler sind, muss das alles die Endverbraucher nicht interessieren. Sie werden von der Übergabe des Netzes nichts mitbekommen. Schon jetzt läuft die neue Technik mit den neuen Leitungen, die das Remstalwerk verlegen ließ, um das Netz auf den neuesten Stand zu bringen. Gabriele Laxander betont: „Es funktioniert alles.“

Netz auch für die Zukunft gerüstet

Auch für die Zukunft sei das Netz gerüstet. Im Schalthaus in Remshalden ist noch Raum für deutlich mehr Leistung, als bis jetzt abgerufen wird. Durch das neue Remshaldener Gewerbegebiet Breitwiesen werden zum Beispiel einige Megawatt Strom mehr verbraucht. Und zusätzlicher Bedarf wird in den boomenden, wachsenden Remstal-Kommunen auch in den kommenden Jahren entstehen.

Infos für Verbraucher

Für die Stromverbraucher ändert sich mit der Netzübernahme durch das Remstalwerk im Grunde nichts. Nur, dass es bei Fragen zur Technik oder Störungen einen neuen Ansprechpartner gibt.

Im Fall einer Störung gilt diese Nummer: 0 71 51/3 69 71 99.

Technische Fragen kann man unter dieser Nummer stellen: 0 71 51/3 69 71 66.

Und allgemein ist das Remstalwerk unter dieser Nummer gebührenfrei zu erreichen: 08 00/0 54 25 42.