Schorndorf

Strom vom Balkon? Wie eine Familie aus Schorndorf bei den Energie-Kosten spart

Balkonkraftwerk
Das Solarkraftwerk liefert Strom, sobald Tim Schopf es an die Balkonbrüstung angebracht hat, das kleine Modul lädt mobile Akkus. © Gaby Schneider

Tim Schopf will sich gar nicht als Super-Stromspar-Held präsentieren und ihm ist klar, dass der CO2-Fußabdruck seiner fünfköpfigen Familie durchaus kleiner sein könnte. Doch seitdem der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Gemeinderat mit einem Strommessgerät durch die Wohnung gegangen ist und dabei manches Aha-Erlebnis hatte, war es ihm ein Bedürfnis, seine Erkenntnisse und seine Stromspartipps auf Facebook zu teilen: Er wollte die Angst vorm Stromsparen und einem Verlust an Lebensqualität nehmen.

Dass es Zeitgenossen gibt, die im Kommentarfeld kundtun, dass sie sich von niemandem vorschreiben lassen wollen, wie sie zu leben haben, und die Zukunft in Atomkraftwerken sehen, nimmt er hin. Die vielen positiven Rückmeldungen auf seinen Vorstoß sind für Schopf Bestätigung genug: Allein dass der 35-Jährige bei seiner Strommess-Tour rausgefunden hat, dass Waschmaschinen und Trockner, auch wenn sie nicht in Betrieb sind und auch kein Standby-Lämpchen leuchtet, auch wegen des integrierten Aquastopps in Summe mehr als 400 Wattstunden am Tag verbrauchen, hat offenbar schon einige im Waschkeller die Stecker ziehen lassen.

Zeitschaltuhr am Aquarium: Von 11 bis 15 Uhr ausgeschaltet

Einen enormen Effekt, nämlich 320 Wattstunden am Tag, hat eine weitere Maßnahme, die ebenfalls kaum wehtut: Laufen Fernseher und Hi-Fi-Anlage nicht, sind die Geräte im Hause Schopf auch nicht eingesteckt. Auch die Beleuchtung am Aquarium schaltet sich mittels Zeitschaltuhr tagsüber aus – von 11 bis 15 Uhr. WLAN und Telefon sind nachts ebenfalls ausgeschaltet, und Schopfs Home-Office im Wintergarten ist mittlerweile so optimiert, dass eine Ersparnis von noch mal 300 Wattstunden am Tag drin ist. Dass das tägliche Kochen viel Strom braucht, daran lässt sich – in einer gemieteten Küche mit Elektroherd – wenig ändern. Doch Schopf hat bei seiner Strommess-Tour auch Beruhigendes herausgefunden: Der Kühlschrank braucht erstaunlich wenig Strom und selbst das häufige Aufladen der Handys fällt kaum ins Gewicht.

Zusätzlichen Strom liefert bei Familie Schopf übrigens schon seit einiger Zeit ein kleines, klappbares 100-Watt-Photovoltaik-Modul, das eigentlich für das Stückle vorgesehen war. Jetzt steht es auf dem Balkon und lädt im Wechsel zwei mobile 400-Watt-Akkus, an denen Handys, Tablets, Uhren, E-Book-Reader und kleinere Akkus hängen. Und die Stromproduktion auf dem Balkon wird ausgebaut: Bei den Stadtwerken hat sich Schopf ein 600-Watt-Solarkraftwerk besorgt. Sobald er die Aufhängung fertiggebaut hat, kann die Ernte beginnen. Positiver Nebeneffekt: Die beiden Module sollen als Überdachung und Sonnenschutz für die Spielküche der Kinder dienen.

Dass sich Balkonkraftwerke angesichts rasant steigender Strompreise rechnen, davon ist Schopf überzeugt: Er hofft auf 500 Kilowattstunden im Jahr. Weitere 200 Kilowattstunden Ökostrom, schätzt Schopf, werden ins Stromnetz fließen – als Spende an die Allgemeinheit, weil der Strom, der nicht zur Erntezeit verbraucht wird, bei einem Balkonkraftwerk auch nicht gespeichert werden kann. Doch dass damit auch Mieter die Möglichkeit haben, in erneuerbare Energien zu investieren, das hat für Schopf ganz klar für die Anschaffung gesprochen. Künftig werden Wasch- und Spülmaschine eingeschaltet, wenn die Sonne aufs Modul scheint – auch das ist einfach umzusetzen.

Stromrechnung könnte um 200 Euro niedriger sein

In Summe, das hat Tim Schopf ausgerechnet, kann die Familie mit diesen Maßnahmen 1,5 Kilowattstunden am Tag einsparen. Das entspricht etwa 550 Kilowattstunden im Jahr und eine mindestens 200 Euro niedrigere Stromrechnung. „Damit reduzieren wir unseren Jahresverbrauch – ohne Balkonkraftwerk – auf etwa 2500 Kilowattstunden für eine fünfköpfige Familie“.

Mittlerweile wurde im Hause Schopf obendrein die Duschzeit reduziert, die Mischbatterie am Wasserhahn steht meistens auf kalt und auf dem Balkon wird konsequent Regenwasser zum Gießen gesammelt. Dank eines großen Kaminofens in der Wohnung und drei Raummeter Brennholz auf den Balkonen hoffen Schopf und seine Frau sogar, ohne die Gasheizung durch den Winter zu kommen. Und auch das gehört für sie bereits zum Alltag: Anstatt alle Strecken mit dem Auto zurückzulegen, geht die Familie öfter zu Fuß oder fährt mit dem Rad. Für weitere Spartipps ist Schopf offen: Mittlerweile, das hat der 35-Jährige festgestellt, macht ihm Energiesparen und das Fahnden nach Stromfressern sogar richtig Spaß. Ein Verlust an Lebensqualität konnte die Familie bisher noch nicht feststellen. Und dabei ist die Umstellung ziemlich groß: „In meinem Leben“, sagt Schopf, „waren Ressourcen bisher nie endlich.“

Tim Schopf will sich gar nicht als Super-Stromspar-Held präsentieren und ihm ist klar, dass der CO2-Fußabdruck seiner fünfköpfigen Familie durchaus kleiner sein könnte. Doch seitdem der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Gemeinderat mit einem Strommessgerät durch die Wohnung gegangen ist und dabei manches Aha-Erlebnis hatte, war es ihm ein Bedürfnis, seine Erkenntnisse und seine Stromspartipps auf Facebook zu teilen: Er wollte die Angst vorm Stromsparen und einem Verlust an Lebensqualität

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