Schorndorf

Strumpfanziehhilfe auch als Bausatz

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Erfinder Klaus-Peter Beer testet, ob die Versuchsteilnehmer den Bausatz seiner Strumpfanziehhilfe richtig montiert haben. © Habermann / ZVW
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Die Montage der Anziehhilfe war für die Testpersonen kein Problem. © Gabriel Habermann
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Konzentriert bei der Arbeit. © Gabriel Habermann

Schorndorf. „Weltweit einzigartig“ nennt Klaus-Peter Beer seine neue Erfindung. Eine Strumpfanziehhilfe verkauft er schon länger, jetzt hat er einen Bausatz entwickelt, um sie billiger an den Markt zu bringen. Nach einigen Wochen Entwicklung hat er sieben Testpersonen in seine Werkstatt eingeladen, um sicherzugehen, dass auch alles funktioniert.

Im Video: Klaus-Peter Beers Strumpfanzieh-Hilfe gibt es jetzt als Bausatz. Damit soll das Produkt für den Kunden billiger machen.

„Nicht spicken!“, ermahnt Klaus-Peter Beer eines seiner Versuchskaninchen. Sieben Männer stehen in seiner Werkstatt, jeder vor seinem eigenen Bausatz. Die Arbeitsplätze sind durch Trennwände voneinander abgeschirmt, „ganz wie im Abitur“, so der ehemalige Lehrer. Es geht darum, den neuen Bausatz für die Strumpfanziehhilfe, die Beer schon seit einigen Jahren verkauft, zu testen. „Es muss so einfach sein, dass es im Prinzip auch blind funktioniert“, ist Beers Anspruch.

Er selbst hat den Bausatz in sechs Minuten zu einer fertigen Strumpfanziehhilfe zusammengebaut. „Das ist aber natürlich nicht der Maßstab.“ Er habe ja schon etwas mehr Übung als die Teilnehmer. Mit der Anziehhilfe war Beer schon 2014 in der MDR-Sendung „Einfach genial“; ein Jahr darauf dann in der „Höhle des Löwen“ bei VOX. Gleich zweimal gewann das Produkt auch den Gründer-Slam des Gründerpreises Rems-Murr (wir berichteten).

Produkt soll Kunden ein Stück Selbstvertrauen zurückgeben

Die Strumpfanziehhilfe soll Menschen laut Beer auch ein Stück Selbstvertrauen zurückgeben. Mit ihrer Hilfe müssten sie nicht mehr auf eine Krankenschwester warten, sondern könnten sich stattdessen die Strümpfe wieder selbst anziehen. „Es geht dabei um Selbstbestimmung“, so Beer. Die Funktion des Bausatzes sieht er ähnlich: Wenn jemand merke „Hey, das kann ich noch“, erlange er Selbstwertgefühl zurück. Außerdem sei es wahrscheinlicher, dass Kunden das Produkt auch benutzen, wenn sie es selbst zusammengebaut haben. Grundsätzlich geht es bei dem Verkauf des zerlegten Produktes aber natürlich um die Kostensenkung.

Zwanzig Euro sparen die Kunden, wenn sie sich entscheiden, statt des fertigen Produktes lieber den Bausatz zu kaufen. Dafür gibt es beim Bausatz nur auf die Einzelteile Garantie und nicht, wie sonst, auf das gesamte Produkt. Beers Patentschutzrecht bleibt aber bestehen. Sein Bausatz sei weltweit einzigartig, meint er. Die Entwicklung des Bausatzes habe ungefähr acht Wochen gedauert.

„So, fertig!“, ruft der erste Versuchsteilnehmer nach einer guten Viertelstunde. Während er sich zur Stärkung erst mal eine Brezel und ein Apfelschorle gönnt, überprüft Beer die Strumpfanziehhilfe, die aus dem Bausatz entstanden ist. Auf den ersten Blick ist kein Unterschied zwischen den in der Werkstatt ausliegenden Produkten und der Bausatz-Anziehhilfe zu erkennen. Auch den Härtetest, das Überstülpen eines Strumpfs über einen künstlichen Fuß, besteht die Anziehhilfe problemlos. Beer ist zufrieden.

Insgesamt fanden die Versuchsteilnehmer die Montage der Anziehhilfe einfach. „Die Tüte mit den Bauteilen ohne Schere aufzureißen, war schwieriger als das Zusammenbauen“, kommentiert einer. Verbesserungsvorschläge kommen dann aber doch noch: Das Überstülpen der Auflagenteile aus Gummi sei etwas schwer gewesen, sind sich zwei der Männer einig. „Das ist eine gute Erkenntnis“, meint Beer. „Deshalb haben wir den Versuch gemacht.“ In Zukunft wird er den Durchmesser der Gummiteile von 18 auf 20 Millimeter erhöhen. Die Zeichnungen in der Anleitung hätten eine zu dünne Strichstärke, bemängelt ein anderer, die Logik sei aber gut verständlich gewesen.

Neue Aufhängemöglichkeit für die Uniklinik Jena entwickelt

Für die Uniklinik Jena hat Beer noch einen Zusatz entwickelt. Die Klinik wollte die Strumpfanziehhilfe für ihre Patienten kaufen, fand aber, dass sie auf dem Boden stehend eine Stolperfalle sein könnte – ein versicherungstechnisches Problem also, das die Klinik vom Kauf abhielt. Deshalb hat Beer eigens eine Aufhängemöglichkeit entwickelt, was dafür sorgte, dass die Klinik das Produkt doch noch kaufen konnte.

Die Aufhängehilfe will Beer bald offiziell auf den Markt bringen. Der gelernte Werkzeugbauer hat in Zukunft noch viel vor: Bald will er anfangen, ein Kombi-Gerät zu verkaufen, dass sowohl Stiefel aus- als auch Strümpfe an- und ausziehen können soll. Im Moment wird aber noch über das Patent entschieden.

„Die Anziehhilfen dürft ihr mitnehmen“, teilt Beer seinen Testpersonen mit, die sich bei Butterbrezeln und Apfelschorle noch über die Montage unterhalten. Sie hätten ihm schließlich auch geholfen. Die Anregungen der Testpersonen will er bald umsetzen.


Weitere Termine

Klaus-Peter Beer will auch in Zukunft Menschen in seine Werkstatt einladen. In Zukunft sollen die Treffen einen geselligen Tüftel-Nachmittag darstellen. Jedes Mal will er seine Produkte aber nicht verschenken. Die Teilnehmer müssen bei den Treffen dann für den Bausatz zahlen, den sie vor Ort gemeinsam zusammenbauen können.

Immer um 15 Uhr am ersten Montag im Monat können Interessierte ab September in die Ideenmanufaktur in der Steinwasenstraße 6 kommen. Anmeldung unter ) 01 72/7 06 29 45 oder info@pbinnova.de erforderlich.