Schorndorf

Taos Skybar in der Endauswahl für den Deutschen Gastronomiepreis

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TA-OS Skybar-Betreiber Alexander Dohnt (links) und sein Partner Maik Richter haben allen Grund, mit einem guten Glas österreichischen Weißweins auf künftige Projekte und Erfolge anzustoßen. © Steinemann / ZVW

Schorndorf. Die TA-OS Skybar im Postturm läuft – so gut, dass sie zum Beispiel in „Mobil“, dem Magazin der Deutschen Bahn, unter den sieben besten Rooftop-Bars in Deutschland gelistet ist. Ein weiterer Erfolg ist die Nominierung für den Deutschen Gastronomiepreis in der Sparte Getränke (Beverage), wo die Skybar jetzt schon unter den Top 3 angelangt ist.

Alexander Dohnt und Maik Richter, die mit ihrem Trendkonzept schon beim Fizz-Award erfolgreich waren, haben sich auf Empfehlung ihrer Brauerei (Warsteiner), die auch seit mehr als 20 Jahren der Ausrichter des Gastronomiepreises ist (den es auch in der Kategorie Speisen gibt), beworben. Wenn der Preis am 22. Februar in festlichem Rahmen in Berlin vergeben wird, konkurriert die Skybar mit dem „Bootshaus“ in Köln und mit dem „Hot Jazz Club“ in Münster. „Nicht jeder hätte sich getraut, eine solche Bar auf dem Land zu eröffnen“, begründet die Jury die Nominierung der Skybar und sie bescheinigt den beiden Betreibern, mitten auf dem Land eine Bar geschaffen zu haben, „die mit ihrer Atmosphäre und ihrem ausgefallenen Serviceangebot so auch in den Metropolen der Welt für Aufmerksamkeit sorgen würde“.

Das Aushängeschild ist das ausgefallene Weinkonzept

Getränkemäßig das Aushängeschild der TA OS Skybar ist außer der in der oberen Etage befindlichen offenen, aus einem einzigen Baumstamm bestehenden sechs Meter langen Theke mit einem Barkeeper, der, so Alexander Dohnt, „gleichzeitig die Getränkekarte“ ist, das ausgefallene Weinkonzept. Das sieht so aus, dass es zwar eine große Weinkarte, aber nur sehr wenige offene Weine gibt. Offene Weine wie etwa ein Riesling vom österreichischen Spitzenweingut Nigl (Krems an der Donau) werden in der Regel aus dekorativen Großflaschen ausgeschenkt, die sich die Betreiber der Skybar bei den jeweiligen Winzern ganz speziell abfüllen lassen. „Wir machen uns die Freude, direkt zu den Winzern hinzufahren“, sagt der 41-jährige Alexander Dohnt, der im Führungsduo mehr der kreative und gastronomische Kopf ist, während der 26-jährige Maik Richter der Mann für die Zahlen und für die Bilanzen ist. Seine gastronomische und vinologische Vorliebe zu Österreich – und bei den Weinen vor allem zur Steiermark und zur Wachau – erklärt Dohnt damit, dass er dort immer besonders liebevoll und aufmerksam aufgenommen und betreut worden ist. Was nicht heißt, dass es in der Skybar nicht auch gute Remstäler Tropfen zu verkosten gäbe. Und dieses Angebot soll ausgebaut werden, sagt Alexander Dohnt und räumt ein, dass dazu der eigene Weingeschmack erst einmal neu fokussiert werden musste. Mittlerweile gibt’s schon enge persönliche Kontakte zum Stettener Vorzeigeweingut Haidle, bei dem sich die Skybar-Betreiber ebenfalls schon Magnumflaschen haben abfüllen lassen. Und in diese Richtung soll’s weitergehen.

Apropos liebevolle Aufnahme: „Wir sind sehr zufrieden und fühlen uns in Schorndorf sehr gut auf- und angenommen“, sagen übereinstimmend die beiden Betreiber, die den Schritt in die Provinz noch zu keiner Zeit bereut haben. Und wenn ihr Erfolg dazu beiträgt, den Ruf Schorndorfs in die Welt hinauszutragen, soll’s ihnen recht sein. Im Magazin der Deutschen Bahn fährt der Schorndorfer Ruf sozusagen spazieren – und wird die TA OS Skybar in einem Atemzug mit der „Monkey Bar“ in Berlin, dem „Flushing Meadows“ in München, „Fleming’s Club“ in Frankfurt, dem „Clouds“ in Hamburg, dem „Falco“ in Leipzig und dem „Roof“ in Scharbeutz an der Ostsee genannt.

Österreichische und Remstäler Weine im Dinkelacker-Festzelt

„Stillstand ist Rückschritt“, sagt Alexander Dohnt, der sich deshalb auch nicht scheut, gemeinsam mit seinem Partner und Freund Maik Richter immer wieder neue Projekte in Angriff zu nehmen. Die geplante Bar in Stuttgart ( siehe Infobox: Eine Bar mit Handyverbot) ist so ein Projekt, ein anderes wird der erste Auftritt der TA OS Skybar auf dem Cannstatter Wasen im Herbst dieses Jahres sein. Im Zuge der Neuausrichtung ihres gastronomischen und gestalterischen Konzepts haben die Dinkelacker-Volksfestwirte Dieter und Werner Klauss unter Gastronomen einen Wettbewerb für die Bespielung einer 200 Quadratmeter großen Fläche in ihrem Festzelt ausgeschrieben, und den haben Alexander Dohnt und Maik Richter mit ihrem Konzept einer TA- OS-Lodge gewonnen. „Wir bringen die Skybar ins Zelt“, sagt Alexander Dohnt und stellt, ohne schon zu viel verraten zu wollen, ein Ambiente mit gemütlichen Sitzecken und einem besonderen Design in Aussicht – mit dem in der Skybar erfolgreichen Weinkonzept mit den Großflaschen, aus denen sowohl österreichische als auch Remstäler Weine ausgeschenkt werden sollen. Außerdem soll auch das Bier in der TA-OS-Lodge aus Drei-Liter-Flaschen fließen. Und fürs kulinarische Wohl wird ein eigens zu diesem Behufe angestellter Jausenkeeper sorgen. Ohne Reservierung allerdings wird in der auf ungefähr 160 Gäste ausgelegten Lodge niemand Platz finden. Das Online-Reservierungsportal, kündigt Dohnt an, wird in etwa vier Wochen eröffnet.

Erste Begegnung bei einem eisigen Fahrtraining in Finnland

Alle diese Projekte können Alexander Dohnt und Maik Richter nur stemmen, weil sie als Team funktionieren und harmonieren. Insofern war’s ein ausgesprochen glücklicher Zufall, dass sie sich vor ein paar Jahren in Finnland bei einem Fahrtraining im Schnee und bei minus 30 Grad getroffen haben. Die TA OS Skybar in Schorndorf war dann ihr erstes gemeinsames Projekt, obwohl sie gastronomisch ganz unterschiedlich gepolt sind. Während Alexander Dohnt – mit mittlerweile 16 Jahren Gastronomieerfahrung – sagt, dass er durchaus auch mal gerne selber kocht, gibt Maik Richter freimütig zu: „Ich esse nur gerne.“

Eine Bar ohne Handy:

Das neueste Projekt des Skybar-Führungsduos Alexander Dohnt und Maik Richter, das nur noch der sich aber abzeichnenden Einigung mit einem Grundstücks- und Gebäudenachbarn bedarf, ist eine kleine Bar mit Dachterrasse im fünften Stock eines Gebäudes am Berliner Platz in Stuttgart. „Die Motivation, das zusätzlich in Angriff zu nehmen, ist unsere gute Zusammenarbeit“, sagt Alexander Dohnt und verrät, dass diese Örtlichkeit auch schon eine ihm damals aber zu klein erscheinende Option war, bevor er nach Schorndorf gegangen ist. „Unsere Homebase und unser Mutterschiff bleibt aber die TA OS Skybar“, sagt Dohnt und spannt damit elegant den Bogen zum Namen des künftigen Stuttgarter Beiboots, das „Schiffsdeck“ heißen wird. Von der Skybar unterscheiden wird sich die kleine, mit nur etwa 40 Plätzen sehr exklusive Stuttgarter Bar dadurch, dass Besucher erst ab einem Alter von 25 Jahren zugelassen sind, dass sie anklopfen müssen und dass im Lokal ein Handy- und Fotoverbot herrschen wird.

Dass das Schiffsdeck bald geentert werden soll, zeigt sich daran, dass es mit Marcus Wolff bereits einen Betriebsleiter und mit Sarah Deuss eine Barkeeperin gibt, die Alexander Dohnt in Bremen entdeckt und nach Stuttgart beziehungsweise Schorndorf abgeworben hat, wo sie derzeit genauso wie der aus Berlin kommende Marcus Wolff „zwischengeparkt“ ist. Was in zweierlei Hinsicht erstaunlich ist: Erstens, weil, so Alexander Dohnt, die deutsche Barszene nicht unbedingt in Stuttgart spielt, und zweitens, weil Sarah Deuss erst kürzlich bei einem „Award für Barkultur“ als „Newcomerin des Jahres“ ausgezeichnet worden ist.

Apropos Schiffsdeck: Das ist doch ein einfacher Name im Vergleich zu TA OS, wenn man bedenkt, dass der Name der Schorndorfer Skybar nur noch in zwei getrennten Silben (als TA OS) oder mit Bindestrich (also TA-OS) geschrieben werden darf und mit einem hörbaren „s“ am Ende ausgesprochen werden muss, seit die Betreiber Mitte vergangenen Jahres vom Betreiber einer Bonner Bar namens TAO wegen vermeintlicher Namensgleichheit verklagt worden sind. Dass der Kläger Recht bekommen hat, nimmt Alexander Dohnt gelassen: „Das Gericht konnte halt nicht überzeugt werden, dass das eine buddhistisch und das andere mexikanisch ist“, sagt er schmunzelnd. Hans Pöschko