Schorndorf

Tatort-Schauspieler Martin Feifel kommt nach Schorndorf: Lesung am 7. August

Martin Feifel
Martin Feifel. © Privat

Ursprünglich wollte er nach dem Abitur Clown werden, begann eine Grundausbildung für Theater und Artistik, wechselte aber dann wegen Rückenproblemen zur Schauspielschule Bochum. Martin Feifel startete seine Schauspielkarriere Ende der 80er Jahre am Theater, übernahm parallel immer wieder Rollen in Film- und Fernsehproduktionen. Den endgültigen Durchbruch schaffte er 1998 mit der Hauptrolle als Dichter Friedrich Hölderlin in „Feuerreiter“. Heute ist der 58-jährige Grimme-Preis-Träger (2010) aus der Theater-, Schauspiel- und Fernsehwelt nicht mehr wegzudenken. Charismatisch, mit Ecken und Kanten, mal Bösewicht, mal Liebhaber, mal rau, mal sanft – er hat vielen Figuren in Krimireihen, wie dem Tatort, und in Heimatfilmen sein Gesicht gegeben.

Nun kommt der Schauspieler für eine besondere Veranstaltung am Sonntag, 7. August, nach Schorndorf: Er liest im Stadtpark Auszüge aus Antonio Tabucchis Buch „Indisches Nachtstück“, musikalisch begleitet von Georg Lawall, der ausgewählte Stücke von Schubert auf der Sitar spielen wird – dem bekanntesten Melodieinstrument der klassischen nordindischen Musik (19 Uhr geht es los).

Immer wieder neben der Schauspielerei bei Hörspielen mitgewirkt

Martin Feifel kennt die Daimlerstadt nur vom Hörensagen und wird kaum Zeit haben, durch die Gassen zu schlendern: „In Schorndorf bin ich zum ersten Mal. Ganz dunkel erinnere ich mich, dass hier der Limes entlanglief. Da ich ab 8. August wieder auf Achse bin, muss ich noch am selben Abend wieder zurück nach München fahren.“ Er freue sich auf den Abend, fügt er an, der doch so ganz anders sein wird als die Schauspielerei vor der Kamera. Sind Lesungen eine willkommene Abwechslung? „Lesungen mache ich schon immer“, erzählt Feifel. „Während meiner zehn Jahre am Theater – Schauspielhaus Bochum, Thalia-Theater Hamburg – habe ich sehr viele Lesungen gemacht. Auch seit meiner Zeit beim Film habe ich immer wieder gerne gelesen beziehungsweise an Hörspielen mitgewirkt. Teils als Auftragsarbeit, teils als eigene Produktionen. Neu ist das Einlesen von Hörbüchern.“

Lesen sei für ihn sehr wichtig, führt der Darsteller aus: „Vorlesen ist noch einmal eine andere Disziplin. Vor Publikum! Mit Applaus!“ Natürlich spiele das auch eine Rolle: „Als Theaterschauspieler vermisse ich schon das Spielen vor Publikum. Dieses zauberische Geben und Nehmen, dieses gemeinsame ‘Atmen’, dieses Unmittelbare findet bei Filmarbeit ja kaum statt.“ Bei einer Lesung sei es wieder dieses „Da-Sein“ eines Raumes, „in dem ich den Zuhörer spüren kann“. Dazu kämen ganz besonders die „Lust und Freude an Sprache, an Gestaltung und Interpretation“.

Paradoxes Verwirrspiel

Im Schorndorfer Stadtpark wird das Publikum mit Tabucchis Buch "Indisches Nachtstück“ in ein paradoxes Verwirrspiel hineingezogen. Es geht um einen Mann, der seinen Freund sucht. Dieser ist auf geheimnisvolle Weise in Indien verschollen. Bombay, Madras, Goa. Von Hotel zu Hotel folgt der Suchende den Spuren seines Freundes, reist quer durch den indischen Subkontinent und macht dabei die exotischsten Reisebekanntschaften. Martin Feifel gibt zu, dass er Tabucchi nur in Zusammenhang mit Fellini kannte: „Pessoa ist für mich ein sehr wichtiger Autor. Dass Tabucchi die Übersetzungen machte, wusste ich nicht.“ Das Buch "Indisches Nachtstück“ fasziniere durch sein Rätsel, das „Weg-lose seinen Weg Gehen", die Suche nach der Suche, das Geheimnis Indiens. Mal zögernd, mal energisch wird der Text als spannendes Spiel von Fantasie und Wirklichkeit durch Feifels Stimme erlebbar gemacht. „Es gibt ja sehr viele Personen in diesem Text und recht viele Dialoge. Ich muss zwar nicht mit unterschiedlichen Stimmen sprechen, aber manchmal wird ein Text dadurch plastischer und luftiger. Und ich kann mit Hilfe unterschiedlicher Stimmen die Figuren auch interpretatorisch zeichnen und bestimmte Charaktere hervorheben. Mit unterschiedlichen Stimmen sprechen muss ich richtig erarbeiten und üben, üben, üben.“

Zahlreiche Hörspiele und Hörbücher hat der Schauspieler schon aufgenommen. Ob es auch ein Lieblingsstück darunter gibt? Ja. Und das hat er in seinem Koffer: „Mein Lieblingsstück ist ‘Ein Bericht für eine Akademie’ von Franz Kafka. Diese Lesung – eigentlich spreche ich den Text auswendig – habe ich bereits mit 18 Jahren einstudiert. Das heißt, ich spiele den Text schon seit 40 Jahren und ich werde ihn wohl bis zu meinem Lebensende spielen. Die Figur altert mit mir.“

Hinter dem Schauspieler liegt pandemiebedingt eine harte Zeit. In einem Interview gegenüber der Bildzeitung sagte der 58-Jährige, dass ihn „die Pandemie in eine finanziell schwierige Lage gebracht hat“, weil – wie bei so vielen Schauspielern – die Rollenangebote ausgeblieben sind. Wie es ihm jetzt geht? Feifel: „Es war schon eine harte Zeit. Aber im Großen und Ganzen war ich doch ein glückliches Kind. Immer wieder ein Auftrag, immer wieder eine kleine Arbeit. Und so ging’s mir ganz gut – im Gegensatz zu vielen meiner Kollegen.“

Übrigens: Die Hörbuchproduktion des Winterbacher Diwan-Verlags mit Martin Feifel wurde auf der hr2-Hörbuchbestenliste vom Januar 2022 ausgezeichnet.

Info und Tickets

Die Veranstaltung findet am 7. August um 19 Uhr im Stadtpark in Kooperation mit der Awo Schorndorf statt. In der Freiluftküche werden Kostproben aus der indischen Küche angeboten. Voranmeldung dafür unter anmeldung@kulturforum-schorndorf.de. Bei schlechtem Wetter findet die Veranstaltung ohne Kostproben in der Q-Galerie für Kunst, Karlstraße 19, statt. Karten für die Lesung gibt es im Vorverkauf für zwölf Euro, in der Buchhandlung Osiander, Marktplatz 14-16, Telefonnummer 0 71 81/92 01 00, in der Bücherstube Seelow, Oberer Marktplatz 5, Telefonnummer 0 71 81/6 23 70, und bei MKT Druckpunkt & Tickets, Kirchgasse 14. Außerhalb von Schorndorf gibt es Tickets bei allen bekannten Vorverkaufsstellen und online unter w.reservix.de. Restkarten an der Abendkasse: 15 Euro.

Ursprünglich wollte er nach dem Abitur Clown werden, begann eine Grundausbildung für Theater und Artistik, wechselte aber dann wegen Rückenproblemen zur Schauspielschule Bochum. Martin Feifel startete seine Schauspielkarriere Ende der 80er Jahre am Theater, übernahm parallel immer wieder Rollen in Film- und Fernsehproduktionen. Den endgültigen Durchbruch schaffte er 1998 mit der Hauptrolle als Dichter Friedrich Hölderlin in „Feuerreiter“. Heute ist der 58-jährige Grimme-Preis-Träger (2010)

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