Schorndorf

Teile eines Jagdbombers ausgegraben

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Jagdbomber Messerschmitt 109 BF Haubersbronn Schorndorf Ausgrabung Weltkrieg_0
Der Nachbau einer Messerschmitt 109 BF. © Alexander Roth
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Auch Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes waren im Einsatz. © Tobias Bühler
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In rund fünf Meter Tiefe gefunden: der Motorblock der abgestürzten Maschine. © Tobias Bühler
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Viele Munitionsteile wurden zutage gefördert. © Tobias Bühler

Schorndorf-Haubersbronn. Teile eines Ende des Zweiten Weltkrieges über Haubersbronn abgestürzten Jagdbombers des Typs Messerschmitt Bf 109 sind dieser Tage auf einem Grundstück am Haubersbronner Ortsrand ausgegraben worden. Eine eigentlich spektakuläre Aktion, die gleichwohl weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit über die Bühne gegangen ist – fachlich begleitet vom Kampfmittelbeseitigungsdienst und vom Landesdenkmalamt.

Anlass für die Ausgrabung war die Absicht des Grundstückseigentümers, das Grundstück zum Zwecke der Bebauung zu verkaufen. Wobei sich sowohl der Eigentümer, dessen elterliches Haus nur wenige Meter von der Absturzstelle entfernt ist und dessen Mutter den Absturz des Jagdbombers seinerzeit auch hautnah miterlebt hat, als auch Ortsvorsteher Erich Bühler, der das Baugesuch als Erster auf den Tisch bekommen hat, darüber im Klaren waren, welch brisante Hinterlassenschaften da noch im Boden versteckt sein müssen – und dass die erst einmal geborgen beziehungsweise beseitigt werden müssen, ehe das Grundstück verkauft und bebaut werden kann.

Denn sowohl der Grundstückseigentümer als auch der Ortsvorsteher wissen aus Erzählungen ihrer Eltern zumindest der Spur nach, was sich damals wenige Monate vor Kriegsende erst im Luftraum über Urbach und Haubersbronn und anschließend am Boden abgespielt hat.

Aus den Trümmern wurden Abdeckungen und Kutterschaufeln

Wobei das, was die beiden wissen, durchaus nicht in allen Punkten deckungsgleich ist. Während der eine nämlich zu wissen glaubt, dass der deutsche Jagdbomber von den Amerikanern abgeschossen worden und der Pilot beim Versuch, sich mit dem Fallschirm zu retten, ums Leben gekommen ist, ist sich Erich Bühler, dessen Vater damals als Feuerwehrmann an der Absturzstelle im Einsatz war, ziemlich sicher, dass ein technischer Defekt an dem als Abfangjäger eingesetzten Jagdbomber die Absturzursache war. Pilot soll ein Lehrer aus dem Raum Ellwangen gewesen sein.

Tatsache ist, dass sich das unbemannte Flugzeug, gebremst möglicherweise durch drei an der Straße stehende große Kastanienbäume, am Ortsrand von Haubersbronn in den Boden gebohrt hat. Der dabei entstandene Krater mit den nicht so ohne Weiteres zu bergenden Teilen ist anschließend wieder zugeschüttet worden, während die obenerdig verstreuten Aluteile im Ort ganz unterschiedliche Verwendung gefunden haben. Größere Teile, so weiß Erich Bühler aus Erzählungen seines Vaters und anderer Zeitzeugen, sind zur Abdeckung von Hütten verwendet worden. Aus den kleineren Teilen haben sich manche Haubersbronner Kutterschaufeln – hochdeutsch: Kehrbleche – machen lassen. Im Hause Bühler gibt es noch heute solch ein Erinnerungsstück.

Motornummer könnte der Zugang zu weiteren Informationen sein

Als jetzt auf besagtem Grundstück gegraben und mit Hilfe eines Baggers unter Aufsicht des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Schicht um Schicht des benzin- und ölgetränkten Erdreichs abgegraben und begutachtet wurden, kamen neben verschiedenen Metallteilen unter anderem auch der Steuerknüppel des Jagdbombers, diverse Munitionsteile – die Maschine war mit kleinen Bordkanonen und mit Maschinengewehren bestückt – und schließlich in etwa fünf Metern Tiefe der komplette Motorblock zum Vorschein. Letzteren, einen Zwölfzylinder-V-Motor, hat der Geschäftsführer des mit der Grabung beauftragten Unternehmens, Hartmut Bühler, mit nach Hause genommen und sorgfältig gereinigt, um möglicherweise über die Motornummer Genaueres über das Flugzeug und eventuell sogar über den Piloten zu erfahren.

„Der Motor selber ist nichts Besonderes, den kann man heute über Ebay ersteigern“, sagt Hartmut Bühler, der aus den Erzählungen seiner Eltern – sein Vater war während des Krieges in Afrika im Einsatz und seine Mutter war als Rathausbedienstete mit den Kriegsgeschehnissen befasst – viel von dem zu hören bekommen hat, was im Zweiten Weltkrieg passiert ist. „Wir hatten den Krieg jeden Tag zu Hause“, erinnert sich Bühler, der zumindest von zwei weiteren Flugzeugabstürzen im Raum Schorndorf weiß. Ein Jagdbomber soll demnach im Bereich des Hegnauhofes abgestürzt sein und ein weiterer auf Gemarkung Plüderhausen. Pilot in diesem Fall war ein gewisser Hubertus Hack, an den auch noch ein Gedenkstein erinnert.

Absturzstelle wird vom Landesdenkmalamt dokumentiert

Weniger an technischen Details – „Da gibt es genügend Baupläne“ – als vielmehr an Informationen zum Piloten und zum konkreten Einsatz, der wiederum in einen historischen Kontext gestellt werden könnte, ist das Landesdenkmalamt interessiert, das bei der Ausgrabung der Jagdbomber-Teile ebenfalls vertreten war. Und zwar durch Dr. Aline Kottmann, die zwar keine auf den Piloten hinweisenden persönlichen Gegenstände gefunden hat, aber nach dem, was sie vor Ort gesehen hat, immerhin weiß, dass das Flugzeug aus Richtung Nordosten gekommen und sehr steil heruntergefallen ist. Was sie gesehen und fotografiert hat, reicht ihr für die erforderliche Dokumentation bezüglich der Absturzstelle, die im Erdreich gefundenen Materialien sind für das Landesdenkmalamt nicht von Belang.

Mittlerweile ist das nach den Ausgrabungen einsturzgefährdete Loch wieder verfüllt. Allerdings nur so lange, bis nach einer geologischen Untersuchung endgültig feststeht, was mit dem belasteten Erdreich passiert und wie es entsorgt werden muss.

Wer noch weitergehende Informationen zum Absturz des Jagdbombers in Haubersbronn oder zu ähnlich gelagerten Fällen im Raum Schorndorf hat, darf sich gerne an die Redaktion der Schorndorfer Nachrichten wenden: unter Telefon 0 71 81/92 75 19 oder unter schorndorf@zvw.de