Schorndorf

Tierschutzverein bekommt mehr Geld für Fundtiere, bleibt aber vielleicht auf Kosten für einen richtigen Anschluss des Tierheims ans Wassernetz sitzen

Tierauffanghegnauhof
Tierauffangstation am Hegnauhofweg ohne ordentlichen Wasseranschluss. Seit 30 Jahr gibt es nur eine private Leitung übers Schützenhaus. © Gaby Schneider

Würde der Tierschutzverein keine Fundtiere aufnehmen, pflegen und zum Tierarzt bringen, die Stadt Schorndorf als zuständige Fundbehörde müsste diese kommunale Pflichtaufgabe selbst übernehmen – hat diese Tatsache aber offenbar lange erfolgreich verdrängt: Bis vor sieben Jahren hat Schorndorf die Tierschützer für ihren vorbildlichen Einsatz mit gerade mal zehn Cent pro Einwohner und Jahr abgespeist. Erst im Dezember 2014 vereinbarten Stadt und Tierschutzverein einen jährlichen Fundtierkostenpauschalbetrag von 50 Cent pro Einwohner, mit 40 Cent haben sich Rudersberg, Remshalden und Winterbach bisher beteiligt – dabei lag die Forderung des Deutschen Tierschutzbunds schon damals bei einem Euro pro Einwohner.

Von diesem Jahr an 70 Cent, ab 2022 eine 80-Cent-Pauschale

Da mittlerweile auch für Tierheim-Mitarbeiter der Mindestlohn gilt und sich mindestens eine angestellte Fachkraft um die Tierheimtiere kümmern muss, reichen die 20 000 Euro, die Schorndorf bis dato im Jahr bezahlt, hinten und vorne nicht aus. Allein 2019 beliefen sich die Kosten für den Komplettbetrieb des Tierheims auf 135 000 Euro. Für Fundtiere, die die Hälfte der Tiere in der Schorndorfer Tierauffangstation ausmachen, fallen dabei oft besonders hohe Kosten an: Häufig in schlechtem Allgemeinzustand, sind die Tierarztrechnungen höher. Dazu kommt: Mitgliedsbeiträge, Spenden und Erbschaften, mit denen der Tierschutzverein seine Arbeit sonst finanziert, dürfen für die Versorgung von Fundtieren nicht verwendet werden.

Nachdem der Gemeinderat in einem interfraktionellen Antrag eine Erhöhung der Pauschale mit regelmäßiger Anpassung gefordert hat, hat sich die Stadt Schorndorf jetzt bewegt: Für das Jahr 2021 soll die Fundtierkostenerstattung auf 70 Cent pro Einwohner steigen, 2022 auf 80 Cent – mit anschließender regelmäßiger Anpassung.

Mit dieser Erhöhung befindet sich Schorndorf, das führte Jörn Rieg als kommissarischer Fachbereichsleiter Sicherheit und Ordnung in der jüngsten Sitzung des Verwaltungs- und Sozialausschusses aus, künftig in der Region „im oberen Drittel der Fundtierkostenerstattung“: Fellbach bezahlt 40 Cent, Winnenden 60 Cent pro Einwohner, Waiblingen 75 Cent, Backnang 90 Cent und Esslingen 87 Cent inklusive einer jährlichen Steigerung von zwei Cent.

Auch die Umlandgemeinden wollen sich mit einer höheren Pauschale an den Fundtierkosten beteiligen: Winterbach wird mit 60 Cent pro Einwohner und Jahr dabei sein, Rudersberg und Remshalden mit jeweils 70 Cent. Zu einer regelmäßigen Erhöhung der Pauschale sind sie allerdings nicht bereit, dabei sind die Kosten, darauf hatte Sabine Herrmann, Vorsitzende des Tierschutzvereins, bereits im Vorfeld hingewiesen, deutlich höher, wenn Tiere auch noch von außerhalb ins Schorndorfer Tierheim gebracht werden müssen.

Beim Schorndorfer Taubenturm indes sind die Umlandgemeinden tatsächlich außen vor: Für seinen Einsatz, die Taubenpopulation in der Stadt einzudämmen, bekommt der Tierschutzverein künftig 12 000 Euro statt bisher 8000 Euro. Dass sich die Stadt Schorndorf in der Summe damit, wie Erster Bürgermeister Edgar Hemmerich in der Sitzung anmerkte, mit fast einem Euro pro Einwohner und Jahr an den Kosten beteiligt, lassen die Tierschützer nicht gelten: Schließlich hat der Taubenturm mit der Unterbringung, Pflege und tierärztlichen Versorgung von Fundtieren nichts zu tun.

Neue Wasserleitung zum Tierheim: Muss tatsächlich der Verein dafür aufkommen?

Dringenden Handlungsbedarf gibt es auch bei der Wasserleitung zum Tierheim am Hegnauhofweg: Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen stellte in der Ausschusssitzung einen Zusatzantrag, dass die Tierauffangstation zuverlässig mit sauberem Wasser versorgt wird. Im Moment, das führte Fraktionsvorsitzender Ulrich Kost aus, endet die Wasserversorgung der Stadt wenige Hundert Meter vor dem Tierheim. Seit 30 Jahren, das hat Stadträtin Kirsten Katz herausgefunden, nutzt das Tierheim eine amateurhaft und nicht auf dem Stand der Technik installierte private Wasserleitung vom benachbarten Schützenhaus mit. Dass zuletzt die Anzahl der Störfälle bei der Wasserversorgung deutlich zugenommen hat, das können auch die Stadtwerke bestätigen. Dabei ist eine Verlegung einer ordentlichen Wasserleitung ohne Weiteres möglich – „und kein großer Akt“, wie Christoph Beier, Technischer Geschäftsführer der Stadtwerke, bestätigt: entweder für 3000 Euro durch eine Wiese auf dem Tierheim-Gelände oder über die Straße, was voraussichtlich Kosten von 10 000 Euro nach sich ziehen würde. Ob die Stadt oder der Verein selbst für die Kosten aufkommen muss, das allerdings ist noch nicht geklärt: Einem Vertrag aus dem Jahr 1984 zufolge, den Bürgermeister Thorsten Englert in der Sitzung zitierte, sei der Tierschutzverein für den Zustand der Wasserleitung und die Kosten einer Verlegung zuständig.

Da allerdings scheint das letzte Wort noch nicht gesprochen: Nachdem Einzelstadträtin Andrea Sieber daran erinnerte, dass der Tierschutzverein ja wichtige und kommunale Aufgaben übernehme, und auch SPD-Fraktionsvorsitzender Tim Schopf eine Prüfung anregte, sprach sich Oberbürgermeister Matthias Klopfer dafür aus, den Antrag der Grünen zunächst zurückzustellen und den Gemeinderat entscheiden zu lassen.

Würde der Tierschutzverein keine Fundtiere aufnehmen, pflegen und zum Tierarzt bringen, die Stadt Schorndorf als zuständige Fundbehörde müsste diese kommunale Pflichtaufgabe selbst übernehmen – hat diese Tatsache aber offenbar lange erfolgreich verdrängt: Bis vor sieben Jahren hat Schorndorf die Tierschützer für ihren vorbildlichen Einsatz mit gerade mal zehn Cent pro Einwohner und Jahr abgespeist. Erst im Dezember 2014 vereinbarten Stadt und Tierschutzverein einen jährlichen

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