Schorndorf

Tierschutzverein fordert mehr Geld für Fundtierbetreuung

Tierheim
Sabine Hermann, Vorsitzende des Tierschutzvereins Schorndorf und Umgebung, mit Katzenmama Luna, die vor sechs Wochen hochschwanger als Fundtier aus Rudersberg ins Tierheim gekommen ist. © Gabriel Habermann

Vor sechs Wochen hat sie im Schorndorfer Tierheim neun Babys zur Welt gebracht: Luna, die Katzenmama, die von ihrem Besitzer, bevor er in die USA ausgewandert ist, in Rudersberg ausgesetzt wurde. Seither kümmert sich der Tierschutzverein Schorndorf und Umgebung um die Großfamilie, bezahlt Futter, Tierarztrechnungen und wird zu gegebener Zeit auch die Vermittlung der Tiere übernehmen. Die Katzenmama ist eines von insgesamt 19 Fundtieren, um die sich die Tierschützer in der Auffangstation am Hegnauhofweg aktuell kümmern. Im vergangenen Jahr waren’s 109, im Jahr 2018 sogar 123. Da die Fundtierbetreuung eigentlich eine kommunale Pflichtaufgabe ist, wird der Tierschutzverein von der Stadt Schorndorf und den Umlandgemeinden finanziell unterstützt – allerdings mit Beträgen, die alles andere als kostendeckend sind.

50 Cent pro Einwohner bezahlt Schorndorf, mit 40 Cent beteiligen sich Rudersberg, Remshalden und Winterbach an den Fundtierkosten. Bevor sich der Tierschutzverein im Jahr 2014 mit den Kommunen auf diese Beträge geeinigt hat, wurde er jahrelang mit zehn Cent pro Einwohner abgespeist – und forderte eigentlich schon damals, wie der Deutsche Tierschutzbund, eine Kostenerstattung von einem Euro pro Einwohner. Da mittlerweile auch für Tierheim-Mitarbeiter der Mindestlohn gilt, ja überhaupt sich mindestens eine angestellte Fachkraft um die Tierheimtiere kümmern muss, reicht das Geld hinten und vorne nicht.

Mitgliedsbeiträge, Spenden und Erbschaften, mit denen der Tierschutzverein seine Arbeit sonst finanziert, dürfen für die Versorgung von Fundtieren nicht verwendet werden, „da es eine kommunale Aufgabe ist“, sagt Sabine Hermann und weiß, wovon sie spricht: Sie ist seit 2018 Vorsitzende des Tierschutzvereins, war davor fast zehn Jahre lang als Kassier im Vorstand aktiv und gibt zu bedenken, dass es durchaus großzügigere Kommunen gibt: Waiblingen bezahlt 75 Cent pro Einwohner für die Fundtierbetreuung, Esslingen nach ihren Recherchen sogar 98 Cent inklusive einer jährlichen Steigerung von zwei Cent.

Reicht das Wohlwollen für einen Euro pro Einwohner?

Um das Thema ins Bewusstsein zu bringen, hat sich Sabine Hermann – nachdem von Erstem Bürgermeister Edgar Hemmerich auf eine Anfrage im Februar keine Reaktion kam – jüngst in der Bürgerfragestunde des Gemeinderats zu Wort gemeldet und die Stadträte angeschrieben, in der Hoffnung, noch dieses Jahr eine höhere Fundtierkostenerstattung zu erwirken. Ob das was wird, ist fraglich. Auf Anfrage kündigt Hemmerich an, das Thema spätestens Anfang 2021 in die Gremien bringen zu wollen. Dass es eine Erhöhung geben soll, scheint sicher. Im Bürgermeistersprengel gab es, sagt Hemmerich, offenbar viel Wohlwollen. Doch das scheint nicht so weit zu gehen, dass pro Einwohner ein Euro bezahlt wird. Zur Debatte stehen, das ist bereits zu den Tierschützern durchgedrungen, offenbar 70 Cent von der Stadt Schorndorf und 60 Cent von den Umlandgemeinden. Für den Tierschutzverein ist das angesichts der jährlichen Belastungen alles andere als zufriedenstellend: Im Jahr 2019 hat der Verein eine Kostenerstattung von 39 000 Euro erhalten, dem gegenüber standen Kosten für den Komplettbetrieb des Tierheims in Höhe von 135 000 Euro; davon 75 000 Euro allein fürs Personal, 20 000 Euro für den Tierarzt, 5500 Euro für Futter und 12 500 Euro laufende Kosten fürs Tierheim, 4000 Euro für die Buchhaltung sowie weitere Kosten für Telefon, Porto, Versicherungs- und Verbandsbeiträge, Aufwendungen für Veranstaltungen, Fahrzeugkosten und Kosten für eine alte Immobilie, die dem Tierschutzverein gehört.

Für Fundtiere, die die Hälfte der Tiere im Tierheim ausmachen, fallen dabei oft besonders hohe Kosten an. Häufig in schlechtem Allgemeinzustand, sind die Tierarztrechnungen höher. Eine Katze, die dieses Jahr nach einem Unfall auf der B 29 ins Tierheim gebracht wurde und am Hinterlauf verletzt war, musste für fast 800 Euro operiert werden. Braucht eine Katze einen Kaiserschnitt in der Tierklinik, kostet das 680 Euro und bei einer Tumor-Operation wird’s so richtig teuer. Da der Impfstatus unklar ist, müssen Fundtiere grundsätzlich geimpft, außerdem gechippt, entwurmt, Katzen und Kaninchen auch noch kastriert werden. Dazu kommt, dass die Fundtierbetreuung schlecht planbar ist, das Personal aber trotzdem vorgehalten werden muss. Dass sich die Umlandgemeinden dabei mit einem niedrigen Kostenbeitrag aus der Affäre ziehen, das kann Hermann nicht nachvollziehen. Sind doch schon die Kosten, ein Tier von dort ins Tierheim zu bringen, deutlich höher.

Alles hinschmeißen - "die allerletzte Option"

Und klar müsste eigentlich auch sein: Würde der Tierschutzverein sich nicht um die Fundtiere kümmern, die Kommunen müssten diese Pflichtaufgabe selbst übernehmen – ohne über die Räumlichkeiten und das Fachpersonal zu verfügen. Stattdessen werden Tierliebe und Verantwortungsgefühl der Tierschützer ausgenutzt. Das ist Sabine Hermann durchaus bewusst und trotzdem ist es für sie „die allerletzte Option“, alles hinzuschmeißen. Doch die Forderung der Tierschützer ist eindeutig: Die Fundtierkostenerstattung der Kommunen muss für den Verein kostendeckend sein, und am besten, gekoppelt an den Lebenshaltungskostenindex, jährlich angepasst werden.

Dabei geht die Arbeit nicht aus: Besonders schwierig zu vermitteln sind Hunde, vor allem wenn es sich um unerzogene Kampfhunde handelt. Im Tierheim warten außerdem massenhaft Kaninchen, mittlerweile viele exotische Tiere und sehr viele Wasserschildkröten auf neue Besitzer. Erst kürzlich, erzählt Sabine Hermann, stand ein Karton mit fünf Teddy-Hamstern vor der Tür – mit dem schriftlichen Hinweis, die Männchen und Weibchen am besten zu trennen.

Vor sechs Wochen hat sie im Schorndorfer Tierheim neun Babys zur Welt gebracht: Luna, die Katzenmama, die von ihrem Besitzer, bevor er in die USA ausgewandert ist, in Rudersberg ausgesetzt wurde. Seither kümmert sich der Tierschutzverein Schorndorf und Umgebung um die Großfamilie, bezahlt Futter, Tierarztrechnungen und wird zu gegebener Zeit auch die Vermittlung der Tiere übernehmen. Die Katzenmama ist eines von insgesamt 19 Fundtieren, um die sich die Tierschützer in der Auffangstation am

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