Schorndorf

Trotz Ausbildungskrise: Stabile Schülerzahlen an der Kaufmännischen Schule in Schorndorf

Philipp-Palm-Schule
Sie sind froh, dass wieder Präsenzunterricht stattfinden kann: Angelika Herzel, Leiterin der Johann-Philipp-Palm-Schule, die Schülersprecher Jassin Ben Rabah und Samea Zöller sowie Pressesprecherin Kerstin Strauß (von rechts). © Gabriel Habermann

Schülerrückgänge im vierstelligen Bereich– wie sie die kaufmännischen Schulen in Stuttgart zu beklagen haben – gibt es in der Johann-Philipp-Palm-Schule nicht. Das liegt, sagt Schulleiterin Angelika Herzel, auch daran, dass in der Schorndorfer Berufsschule keine Reiseverkehrs- und Bankkaufleute ausgebildet werden, sondern Einzelhandels-, Büro-, Logistik- und Industriekaufmänner und -frauen. Lehrstellen in Branchen also, die in der Corona-Krise weniger gebeutelt waren als etwa der Tourismusbereich, oder die von nicht so starken Umstrukturierung betroffen sind wie der Banken-Sektor. Auch im Berufskolleg, der Wirtschaftsschule, im Wirtschaftsgymnasium und in AV-Dual, wo Schülerinnen und Schüler ihren Hauptschulabschluss mit starkem Praxisbezug verbessern können, sind die Schülerzahlen seit Jahren konstant – und liegen bei etwa 1100.

Schwierige Zeiten hat die Johann-Philipp-Palm-Schule in den vergangenen zwei Jahren seit Beginn der Corona-Pandemie trotzdem erlebt – und die Krise dennoch gut gemeistert, wie Schulleiterin Angelika Herzel und Pressesprecherin Kerstin Strauß finden. Mit Hilfe von zwei Systemadministratoren, die zu Beginn die Basisarbeit für eine Lernplattform und schuleigene Cloud geleistet haben, hat sich das Kollegium schnell eingearbeitet und bald digitalen Unterricht nach Stundenplan gemacht – und nicht nur einfach Material hochgeladen.

Unterstützung vom Landkreis und von der Palm-Stiftung

Ein Glücksfall war dabei, sagt Schulleiterin Herzel, dass die Palm-Stiftung Schulungen für die Lehrerinnen und Lehrer finanziert hat. Und: Die berufliche Schule fühlt sich vom Landkreis gut ausgestattet. Alle Lehrkräfte haben ein Tablet bekommen, ebenso die Schülerinnen und Schüler mit entsprechendem Bedarf. In der Eingangsstufe des Wirtschaftsgymnasiums wurden zuletzt 100 Schüler mit Tablets ausgestattet und im Berufskolleg Wirtschaftsinformatik sogar mit Laptops.

Durch den monatelangen Fernunterricht gibt es aber auch in der Johann-Philipp-Palm-Schule Lernrückstände zu beklagen: „Es gab Schüler, die sich nicht motivieren konnten“, weiß Schulleiterin Herzel, „andere haben toll mitgemacht“. Wie an anderen Schulen soll das Landesprogramm „Rückenwind“ die Lücken schließen – an der Johann-Philipp-Palm-Schule in Kooperation mit dem Welzheimer Nachhilfeinstitut „Schulcoaching“. 180 Schülerinnen und Schüler in insgesamt 30 Kursen – also gut 15 Prozent – nehmen das Angebot wahr.

Dass Schule wieder in Präsenz stattfinden kann, das empfinden nicht nur die Lehrerinnen und Lehrer als große Erleichterung, sondern auch die Schülerinnen und Schüler: Auch wenn der Online-Unterricht größtenteils gut funktioniert habe und die Verbindung zu den Lehrern über die Lernplattform sogar zum Teil einfacher gewesen sei, die Schülersprecher Samea Zöller und Jassin Ben Rabah sind froh, wieder in die Schule kommen zu können: „Es ist schon was anderes, die Klassengemeinschaft zu erleben“, sagt Samea Zöller, die noch gut weiß, wie schwierig es war, sich im Fernunterricht zu motivieren, und wie belastend die Einsamkeit auch sein konnte.

Angst, jederzeit wieder ins Home-Schooling geschickt zu werden

Jassin Ben Rabah sieht dennoch Nachteile auch in der aktuellen Situation: Durch die Maskenpflicht sei es schwer, beim Gegenüber Emotionen zu erkennen. Und die Angst, wegen Corona wieder ins Home-Schooling geschickt zu werden, ist allgegenwärtig. Anfang Januar, als bei großen Corona-Ausbrüchen noch alle Schüler in Quarantäne mussten, waren’s einmal drei Klassen gleichzeitig, die Schulleiterin Angelika Herzel nach Hause schicken musste. Inzwischen muss nur noch in Quarantäne, wer tatsächlich infiziert ist. Doch das sind an der kaufmännischen Schule tatsächlich einige: pro Woche, berichtet die Schulleiterin, an die 30 Fälle.

Im Präsenzunterricht sollen jetzt aber nicht nur Lernrückstände aufgeholt, sondern auch andere Defizite ausgeglichen werden: „Die Klassenlehrertätigkeit wird im Präsenzunterricht immer wichtiger“, sagt Kerstin Strauß, die in ihrem Englisch-Unterricht darum jede Woche eine zehnminütige Meditationseinheit eingeführt hat. Vom Schulseelsorger und der Schulsozialarbeit gibt es Aktionen, um die Schulgemeinschaft zu stärken. Neuerdings gibt es auch eine vielsprachige Willkommenswand im Foyer. Aktuell finden an der Johann-Philipp-Palm-Schule von den Schülersprechern organisierte Mottowochen statt. Ebenfalls stattfinden konnten Weihnachts- und Valentinsaktionen – sowie eine „Krieg und Frieden“-Ausstellung zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember. Gestrichen wurden ein Fußballspiel und eine Blutspendeaktion. Angesichts der abnehmenden Omikron-Welle hat Schulleiterin Angelika Herzel aber die Hoffnung, „dass wir wieder mehr Leben in die Schule bekommen“.

Schülerrückgänge im vierstelligen Bereich– wie sie die kaufmännischen Schulen in Stuttgart zu beklagen haben – gibt es in der Johann-Philipp-Palm-Schule nicht. Das liegt, sagt Schulleiterin Angelika Herzel, auch daran, dass in der Schorndorfer Berufsschule keine Reiseverkehrs- und Bankkaufleute ausgebildet werden, sondern Einzelhandels-, Büro-, Logistik- und Industriekaufmänner und -frauen. Lehrstellen in Branchen also, die in der Corona-Krise weniger gebeutelt waren als etwa der

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