Schorndorf

Trotz Brutzeit: Baumfällung im Wald

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Aus Gründen der Verkehrssicherheit laufen zwischen Schorndorf und Oberberken momentan Baumfällungsarbeiten. © Schneider/ZVW

Schorndorf. Rund 150 Bäume werden derzeit an der Landstraße zwischen Schorndorf und Oberberken für die Verkehrssicherheit gefällt. Obwohl's in Gärten verboten ist, billigt das Naturschutzgesetz im Wald Baumfällungen auch zwischen März und September. Ein Widerspruch, der Stimmen laut werden lässt, die den geringen Stellenwert von Natur- und Artenschutz sowie den Zeitpunkt der Arbeiten kritisieren.

„Der Monat April und die folgenden sind die sensibelste Zeit des Jahres für brütende Vögel. Als unbeteiligter Beobachter drängt sich mir die Frage auf, warum die Maßnahmen nicht früher durchgeführt werden konnten?“ bemängelt Grünen-Kreisrat Peter Höschele in einem Leserbrief an die Schorndorfer Nachrichten.

Verkehrssicherheit ist durch Totholz beeinträchtigt

Der Kreisrat bezieht sich auf die Fällungsarbeiten, die von Dienstag bis Samstag dieser Woche an der Landstraße stattfinden. Täglich zwischen neun und 17 Uhr wird der Verkehrsabschnitt zwischen der Abfahrt zur Deponie und dem Sendemast immer wieder für etwa fünf Minuten beidseitig gesperrt. Grund für die Arbeiten sei die Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit durch Totholz, informiert der zuständige Förster Julian Schmitt in einer Pressemitteilung.

Bundesnaturschutzgesetz schließt Wälder von Fällverboten aus - Warum?

Und dabei legt das Bundesnaturschutzgesetz zum Schutz wildlebender Tiere den Schutzzeitraum vom 1. März bis zum 30. September fest, in dem ein bundeseinheitliches Schnitt- und Fällverbot gilt. Es soll Ruhe- und Nisträume von Vögeln schützen. Keine Regel ohne Ausnahme: Wälder sind nämlich von dem Gesetz ausgenommen.

Darum:

Weshalb sie aus der Regelung ausgeschlossen sind, kann Förster Schmitt an einem Beispiel erklären: Eine einzelne freistehende Hecke auf offenem Feld sei als Brutplatz wichtiger, als einer von vielen Bäumen in einem großen Waldstück. Würde die Hecke geschnitten, habe der Vogel keine Ausweichmöglichkeiten mehr, anders als im Wald. Dort finde der Vogel schnell alternative Brutplätze, weshalb Wälder vom Gesetz ausgenommen seien.

Schmitt: „Ich bin für die Verkehrssicherheit an Straßen zuständig“

Kreisrat Peter Höschele räumt die Notwendigkeit der Maßnahmen ein, stellt aber auch die Frage, weshalb die Arbeiten nicht schon früher durchgeführt wurden, außerhalb der Brutzeiten: „Die Bäume sind doch nicht erst jetzt brüchig geworden!“ beklagt er. Förster Schmitt erläutert, die Dringlichkeit der Fällungen sei bei einer Begutachtung Anfang des Jahres festgestellt worden, und müsste aufgrund der Verkehrssicherheit schnellstmöglich umgesetzt werden. „Denn die Besitzer haften, wenn es zu Unfällen beispielsweise aufgrund umgefallener Bäume oder abgebrochener Äste kommt.“ Als Förster sei er für den Wald zuständig, der nicht im privaten Besitz befindet: „Ich bin für die Verkehrssicherheit an Straßen zuständig.“

In den Wintermonaten ist es problematisch 

Warum wurden die Forstarbeiten dann nicht gleich zu Beginn des Jahres, oder wie Peter Höschele vorschlägt, zu einem für Vögel artgerechteren Zeitpunkt durchgeführt? Es sei schwierig gewesen, zum gegebenen Zeitpunkt Unternehmen zu finden, die die Fällung übernehmen, sagt Schmitt. In den Wintermonaten sei es zudem besonders problematisch. Die meisten Unternehmer seien mit dem Hauptholzeinschlag, der Fällungen von Bäumen im Wald, beschäftigt, und durch die Witterung zusätzlich eingeschränkt. „Leider haben wir keine anderen Möglichkeiten, die Sicherheit für den Straßenverkehr zu gewährleisten“, so Julian Schmitt in der Pressemitteilung.

Bäume wurden begutachtet

„Wurden vor der Fällung die Bäume auf Brutstätten untersucht, wie es das Naturschutzgesetz vorschreibt?“, fragt Peter Höschele. „Abgesehen davon, dass es den meisten Vögeln so nah an der Straße sowieso viel zu laut ist, haben wir die Bäume natürlich begutachtet“, versichert Schmitt. Gemeinsam mit dem Straßenmeister habe er jeden der gut 150 betroffenen Bäume auf Nester von Greifvögeln untersucht, und dementsprechend markiert.

Nicht jedes Nest kann man berücksichtigen

Allerdings könne er dabei nicht jedes kleine Nest einer Meise berücksichtigen, so der Förster. Höschele wünscht sich, „dass das Thema Natur- und Artenschutz für die Stadtverwaltung Schorndorf in Zukunft einen höheren Stellenwert einnimmt“, und weißt außerdem auf den Vorbildcharakter der öffentlichen Hand hin.

Steuerzahler zahlt, profitiert jedoch auch

Bezahlt werden die Fällungsarbeiten übrigens anteilig von den Waldbesitzern: Das sei zu etwa einem Viertel der Staat und zu Dreiviertel die Stadt Schorndorf. Der Steuerzahler sei daran zwar auch beteiligt, profitiert für Förster Schmitt im Gegenzug dazu aber auch von jährlichen Einzahlungen in die Staatskassen, die unter anderem von Einnahmen durch Holzverkäufe und Pacht stammen.

Weitere Fällungen

Für den Sommer sind weitere Forstarbeiten geplant:

Auf der Landesstraße L 1151von Schorndorf nach Schlichten sollen Bäume gefällt werden. Außerdem müssten zwischen Schorndorf, Schornbach und Buhlbronn Arbeiten stattfinden.

Viele der betroffenen Bäume lägen allerdings auf Privatgrundstücken, deshalb seien Privatwaldbesitzer selbst für die Maßnahmen zuständig.

Im Falle eines Unfalls haften Privatwaldbesitzer.