Schorndorf

Ukraine-Krieg: Wie Schorndorfer Taxiunternehmer mit den hohen Spritpreisen umgehen

SymbolfotoTaxi
Die Taxifahrer sind von den hohen Spritpreisen besonders betroffen. © Gaby Schneider

Die explodierenden Energiepreise belasten die Verbraucher schwer – besonders hart treffen sie aber die Logistik-Branche, Busunternehmen und  Taxifahrer. Vor allem die Preise für Diesel bewegen sich auf Rekordniveau, Diesel ist nun teurer als Superbenzin. Ein Liter kostete nach Angaben des ADAC am 7. März durchschnittlich 2,032 Euro, was einen Preissprung von 27,6 Cent innerhalb von sechs Tagen bedeutet.

„Die Preissteigerung tut weh“, sagt Ralf Oesterle von der Taxi-Zentrale Schorndorf. An diesem Donnerstag (10. März) hat er bei einem Tanken für einen Liter Diesel 2,34 Euro bezahlt – Ende November waren es seiner Auflistung zufolge noch 1,58 Euro, am 27. Februar 1,68 Euro. Dann gingen die Preise infolge des Krieges in der Ukraine und der damit verbundenen Sanktionen durch die Decke. Die Folge: Heute kostet die Tankfüllung für einen 70-Liter-Tank rund 50 Euro mehr als vor dem Krieg der Russen. Und ein Ende der Preissteigerung ist noch nicht in Sicht.

Höherer Dieselpreis war vorhersehbar

Dass die extremen Spritkosten auf Dauer so hoch bleiben werden, glaubt Ralf Oesterle nicht, wohl aber, dass sich der Dieselpreis bei über zwei Euro einpendeln wird. „Es war klar, dass eine Preissteigerung kommt“, meint auch Taxiunternehmer Christian Salmen. Dies sei aus klimapolitischen Gründen gewünscht. Manche Speditionsunternehmen sehen sich inzwischen gezwungen, die hohen Spritkosten an die Kunden weiterzugeben. Das könnten auch die Taxifahrer tun – doch eine Preisanpassung wäre ein längerer Prozess, da die Preise im Kreis vom Regierungspräsidium festgelegt werden.

Zuletzt waren sie laut Oesterle im Mai 2019 erhöht worden. Seitdem kostet eine zehn Kilometer lange Taxifahrt für die Kunden rund 26 Euro: Der Preis setzt sich aus dem Grundpreis von 3,60 Euro zusammen und 2,30 Euro je gefahrenem Kilometer. Falls die Fahrt nicht direkt am Bahnhof beginnt, wo die Taxis ihren Halteplatz haben, kommt noch ein Anfahrtspreis von 1,10 Euro obendrauf. Seine eigenen Kosten bezifferte Oesterle bei dieser Strecke bisher mit acht Euro, jetzt rechnet er mit Kosten von zehn Euro. Damit bleiben ihm noch 16 Euro brutto.

„Zwei Euro mehr für die zehn Kilometer tun weh“, konstatiert er. Trotzdem sage er nicht, dass die Taxitarife erhöht werden sollten: „Wir würden Kunden verlieren.“ Dass die Kunden den Preissprung nicht mitmachen und ganz aufs Taxifahren verzichten, ist ein Risiko, das er und sein Kollege Christian Salmen nicht eingehen wollen. Zu sehr stecken ihnen noch die Ausfälle der Corona-Pandemie in den Knochen, als alles geschlossen war, zeitweise sogar ein Ausgehverbot herrschte und keiner das Haus verlassen wollte.

„Coronabedingt ist der Umsatz auf die Hälfte runtergegangen“, berichtet Ralf Oesterle. Das bestätigt auch Christian Salmen. In den vergangenen beiden Jahren habe er weniger als 100.000 Kilometer mit seinem Taxi zurückgelegt. Nur mit den Corona-Hilfen und Erspartem habe er sich über Wasser gehalten, so Oesterle. „Und mit mehr Arbeit für weniger Geld“, ergänzt Salmen.

Acht Unternehmer bilden die Taxi-Zentrale

Fakt ist: Das Taxigewerbe ist ein hartes Brot. Schon zu normalen Zeiten sind die Fahrer viele Stunden auf der Straße, reich wird im Normalfall keiner. Acht Schorndorfer Unternehmer haben sich zur Taxi-Zentrale zusammengeschlossen.

Zusammen teilen sie die Schichten so ein, dass rund um die Uhr Taxis bestellt werden können. Die Nachtschicht dauert zwölf Stunden, zu anderen Zeiten arbeiten die Fahrer laut Oesterle acht bis zehn Stunden. Er selbst sei als Student Taxi gefahren, „reingerutscht und hängengeblieben“. Während Corona habe er seine Selbstständigkeit bereut, die Spritpreiserhöhung dagegen nehmen er und Salmen nun relativ gelassen.

„Auch die Finanzkrise 2008 hat reingeschlagen“, erinnert Oesterle, „damals sind fast alle Firmenfahrten weggebrochen.“ Die Preiserhöhung müsse ein Unternehmer verkraften können. Und wie kann Sprit gespart werden? „Am besten durch konstantes Fahren“, sagen beide. „Und indem man den Tempomat benutzt.“

Die explodierenden Energiepreise belasten die Verbraucher schwer – besonders hart treffen sie aber die Logistik-Branche, Busunternehmen und  Taxifahrer. Vor allem die Preise für Diesel bewegen sich auf Rekordniveau, Diesel ist nun teurer als Superbenzin. Ein Liter kostete nach Angaben des ADAC am 7. März durchschnittlich 2,032 Euro, was einen Preissprung von 27,6 Cent innerhalb von sechs Tagen bedeutet.

„Die Preissteigerung tut weh“, sagt Ralf Oesterle von der Taxi-Zentrale

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper