Schorndorf

Ukraine-Krieg: Wie zwei Schorndorfer Ehepaare Flüchtlingen helfen

Schock-Flüchtlinge
Diese Menschen aus der Ukraine haben eine Unterkunft gefunden. Rechts im Bild Joachim Schock und David Geisler. © Benjamin Büttner

Der Druck, Wohnraum und Hilfe für die Menschen aus der Ukraine finden zu müssen, steigt – doch die Hilfsbereitschaft der Schorndorfer ist groß. Immer mehr Menschen stellen Zimmer und Wohnungen zu Verfügung, begleiten die Flüchtlinge zu Behörden und versuchen, ihnen beim schweren Start in Schorndorf zu helfen. Helfen wollten auch Joachim und Bronia Schock sowie David und Helene Geisler. Zu viert haben sie sich zusammengetan, in ihren Häusern 24 Flüchtlinge aufgenommen und begleiten sie nun gemeinsam. Dabei haben sich Joachim Schock und David Geisler noch vor drei Wochen gar nicht gekannt: Inzwischen, sagen sie, sind sie Freunde geworden. Was sie vereint, ist ihr christlicher Glaube, vor allem aber ihre Hilfsbereitschaft und ihr gemeinsames Engagement für die Menschen aus der Ukraine.

Eine gemeinsame Küche für Geislers und acht Flüchtlinge

Damit hat für die Familien aus Mariupol, Czernowitz und Mykoliw die Suche nach einer sicheren Unterkunft erstmal ein Ende. 16 von ihnen sind in einem Haus von Familie Schock untergekommen, das aufgrund eines Todesfalls seit Januar leergestanden hatte und Platz für alle bietet. Acht Personen leben unter einem Dach bei David und Helene Geisler. Gemeinsam mit Geislers benutzen sie die Küche, sie kochen und essen zusammen, was nach Aussagen von David Geisler gut funktioniert. „Sie sind hilfsbereit und wollen nicht bloß Last sein, sondern uns auch unterstützen.“

Die beiden Paare teilen sich die Betreuung der Geflüchteten

Wohnraum hatten beide Ehepaare anzubieten – bei der Hilfe und Betreuung der Flüchtlinge teilen sich die vier, die alle Vollzeit arbeiten, nun die Aufgaben. Joachim Schock hat die praktischen und technischen Fragen wie die Bereitstellung des Internets übernommen. Seine Frau Bronia kümmert sich um die Mietverträge. Helene Geisler, die ebenso wie ihr Mann gut Ukrainisch spricht, begleitet die Geflüchteten zu den Behörden, ihr Mann David übernimmt die großen Einkäufe. „Am Anfang haben wir grob das Wichtigste für sie eingekauft“, erzählt er. Jetzt besorge er nur noch die großen Sachen. Die Kostenübernahme durch den Kreis ist noch nicht angelaufen. Dank privater Spenden verfügten die Familien aber über Haushaltsgeld und könnten sich ihre Lebensmittel deshalb inzwischen selbst einkaufen.

„Wir warten jetzt ab und machen, was wir können“, sagt Joachim Schock, der viel Verständnis dafür hat er, dass die Behörden noch mit der Vorbereitung der Hilfen beschäftigt seien. Dass ihr eigenes Engagement längere Zeit gebraucht wird, sei ihnen bewusst, sagt David Geisler. „Aber wir versuchen auch, Wohnungen für sie zu finden.“ Denn auch die Geflüchteten wollten ja irgendwann wieder selbstständig sein. Nicht alle werden zurück in ihr Heimatland ziehen, die meisten Flüchtlinge aber schon, meint David Geisler. Mariupol ist zerbombt, die meisten Häuser zerstört. Zusammen mit Mitgliedern der Brüdergemeinschaft Schorndorf war er seit 2017 zweimal im Jahr in der Ukraine, er kennt das Land, spricht die Sprache und wollte als Christ dann auch den Flüchtlingen in Schorndorf helfen. Aus christlicher Nächstenliebe helfen auch Joachim und Bronia Schock, die in der Süddeutschen Vereinigung, einer Glaubensgemeinschaft in Schorndorf, engagiert sind.

Im März war Joachim Schock gefragt worden, ob ihm ein Haus bekannt sei, in dem Flüchtlinge untergebracht werden könnten. „Ich habe die anderen Leute aus der Erbengemeinschaft angerufen und gefragt, ob sie einverstanden sind, Flüchtlinge aufzunehmen“, erzählt er. Die gesamte Erbengemeinschaft unterstütze die Vermietung des Haues an die ukrainischen Familien mit ganzem Herzen. Dann habe er sich an Helene Geisler gewandt, die er als Mitarbeiterin der Stadt Schorndorf gekannt hatte. Geislers gaben die Informationen über das freie Haus an eine Kontaktperson aus Mariupol weiter. Schon kurze Zeit später trafen die Familien in Schorndorf ein: zwei sechsköpfige Familien, außerdem eine Mutter mit ihrer Tochter und die Eltern einer der Familien. Am selben Tag nahmen Geislers eine vierköpfige Familie sowie zwei Mütter mit ihren Kindern auf.

Geflüchtet waren die Menschen mit dem Zug und mit dem Auto. Eine der Familien habe auf der Flucht in Mariupol erst die zerbombten Straßen von Schutt und Asche freiräumen müssen, erzählt David Geisler. Dann fuhren sie mit dem Auto durch Polen und kamen schließlich in Stuttgart an. Eine andere Familie sei mit dem Zug über Rumänien, Ungarn und Österreich nach Frankfurt gelangt. Der Schrecken ist den Gesichtern noch anzusehen. Immerhin – die ersten Formalitäten bei den Behörden wurden mit Hilfe von Helene Geisler erledigt: „Sie sind jetzt als Flüchtlinge und als Schorndorfer Bürger gemeldet“, sagt Joachim Schock. Auch für drei der insgesamt acht Kinder gibt es bereits eine Perspektive. „Es heißt, sie kommen in eine Sonderklasse in der Gottlieb-Daimler-Realschule“, erzählt Joachim Schock. „Aber wir haben noch keine Details.“

Eine Lehrerin wird gesucht

Materiell hätten die Familien keine Not, auch die Nachbarschaft habe angeboten zu helfen. Damit sie aber schnell Deutsch lernen und sich einfinden können, suchen Schocks und Geislers kurzfristig eine oder mehrere Personen, die nicht unbedingt selbst Ukrainisch sprechen müssten, den ukrainischen Erwachsenen aber ehrenamtlich an einem oder zwei Vormittagen pro Woche Deutsch beibringen sollten.

Der Druck, Wohnraum und Hilfe für die Menschen aus der Ukraine finden zu müssen, steigt – doch die Hilfsbereitschaft der Schorndorfer ist groß. Immer mehr Menschen stellen Zimmer und Wohnungen zu Verfügung, begleiten die Flüchtlinge zu Behörden und versuchen, ihnen beim schweren Start in Schorndorf zu helfen. Helfen wollten auch Joachim und Bronia Schock sowie David und Helene Geisler. Zu viert haben sie sich zusammengetan, in ihren Häusern 24 Flüchtlinge aufgenommen und begleiten sie nun

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