Schorndorf

Ungebremste Musizierfreude beim Kammerkonzert der Jugendmusikschule Schorndorf

scarlatti quartett
Scarlattis Sonata in F-Dur – gespielt von Kim Dibak, Julia Krüger, Falk Schnizer und Nathalie Schwarz. © Privat

Die Gelegenheiten, sich hören zu lassen, waren spärlich in der letzten Zeit. Umso mehr konnte man beim Kammerkonzert der Jugendmusikschule die ungebremste und nicht besiegbare Musizierfreude erleben: ein hörenswerter Mix aus Stücken verschiedener Stile, Epochen und Besetzungen.

Klaviermusik zwei- oder vierhändig: Sie verteilte sich auf das gesamte Programm und bildete damit das klingende Gerüst. Für die zweihändigen Stücke waren Melisa Rama mit zwei dynamisch schön ausbalancierten Salonstücken Tschaikowskys sowie Sophia und Konstantin Dietrich zuständig. Beide widmeten ihr Spiel den Romantikern, Sophia dem f-Moll-Nocturne von F. Chopin, bei dem der gelungene Wechsel von lyrischen und energischen Abschnitten überzeugte, und Konstantin Rachmaninows „Italian Polka“. Wer sich über diese Wortkombination wundert: Angeblich hörte Rachmaninow bei seinem Aufenthalt in Italien die Melodie dieses Stücks von einem Leierkasten und konstruierte daraus sogleich jenes Stück, das Konstantin Dietrich so gekonnt vortrug. Nicht italienisch, dafür aber spanisch konnte einem das von beiden dann gespielte vierhändige Stück vorkommen: War da nicht „Für Elise“ zu hören? Zusammen mit feurig spanischen Rhythmen? Klar! Diese witzige, temperamentvoll gespielte Fusion nennt sich „Ein Spanier für Elise“, womit bereits alles gesagt ist.

Emma Schurr vertrat als Jüngste am Cello die Gruppe der Streicher

Emma Schurr, die jüngste Musikantin des Abends, vertrat mit ihrem Cello als einzige Solistin die Gruppe der Streicher. Dass sie auch rhythmische Wechsel und verschiedene Charaktere sicher und mit schönem Ton meistern konnte, bewies sie beim 1. Satz von Georg Goltermanns viertem Cellokonzert. Charles-Marie Widor kennt man eigentlich eher aus dem Bereich der Orgelmusik. Deshalb überraschte die von Madlen Kasper auf der Querflöte gespielte Romance umso mehr. Ein schöner und intonationssicherer Ton zeichnet das Spiel der jungen Flötistin aus, die von Bettina Anderle zuverlässig am Klavier begleitet wurde.

Ian Clarkes „Orange Dawn“ ist eine perlende, klanglich sprudelnde musikalische Szene, angeblich von der ost-afrikanischen Morgendämmerung inspiriert. Noel Lehar gelang zusammen mit seiner Klavierbegleiterin Jung Jesong eine beeindruckende Performance dieses anspruchsvollen Stücks.

"Que vendra" von Zaz

Vokales erklang ebenfalls beim Kammerkonzert. Zunächst Robert Schumanns Kunstlied „Der Nussbaum“, mit schönem Timbre von Paula Schulze gesungen, und später „Que vendra“ ein Titel der französischen Sängerin Zaz, hier interpretiert von Leni Grohmann. Das war wirklich toll, wie sie ihre glockenhelle Stimme selbst auf der Gitarre begleitete. Sind hier möglicherweise irgendwelche weitergehenden, künstlerischen Ambitionen im Spiel?

Die Blasinstrumente bildeten den Löwenanteil des Abends. Und um gleich bei den Tieren zu bleiben: Ein Ensemble um Flötenlehrerin Doris Kraemer (Sophia Dietrich, Madlen Kasper, Angela Vogt und Marie Wiedenmann) ließ den Elefanten aus Saint-Saëns’ Karneval der Tiere durch den Saal stampfen, allerdings auf zarten Flötentönen, gefolgt von einem Bolero. Mit Paul Desmonds Jazz-Standard „Take Five“ unternahmen die Flötistinnen einen Streifzug in das Revier der Saxofonisten, wieder – wie bei den beiden Vorgängerstücken – mit exaktem Zusammenspiel und rhythmischer Raffinesse. Und die beiden Saxofonisten Finn Engl und Moritz Schute ergänzten das Programm schließlich um zwei weitere Standards „In a sentimental Mood“ und „Misty“. Beide Vorträge angereichert durch kluge und fetzige Improvisationen.

Als einziges barockes Stück fiel Scarlattis Sonata in F-Dur aus dem Rahmen, gespielt von der Oboistin Nathalie Schwarz, den beiden Altblockflötistinnen Kim Dibak und Julia Krüger und dem Kontrabassisten Falk Schnizer. Ungewöhnlich, aber durchaus interessant, war der Spaltklang, der durch die Verwendung des in diesem Stil eher unüblichen Kontrabasses entstand: eine große klangliche Tiefe, gewürzt durch das Zusammenspiel des Ensembles.

Flötenlehrerin erhält Zertifikat „Gesunde Musikschule

Eingerahmt von der Musik wartete der Abend mit einer Würdigung auf: Rita König, Flötenlehrerin der Jugendmusikschule, wurde von Hans-Dieter Karsch das Zertifikat für das erfolgreiche Absolvieren des Kurses „Gesunde Musikschule“ überreicht. Dieses Projekt ist ein Angebot der Stiftung Internationale Musikschulakademie Kulturzentrum Schloss Kapfenburg und richtet sich an die Vertreter-/innen der Musikschulen in ganz Deutschland und ermöglicht ihnen eine Ausbildung in Sachen Musikergesundheit. Die JMS darf sich also nun zu den inzwischen zahlreichen, zertifizierten Musikschulen zählen, die durch das Engagement ihrer Mitarbeiter auch nach außen hin demonstrieren, dass ihnen das gesundheitliche Wohl ihrer Schüler am Herzen liegt.

Die Gelegenheiten, sich hören zu lassen, waren spärlich in der letzten Zeit. Umso mehr konnte man beim Kammerkonzert der Jugendmusikschule die ungebremste und nicht besiegbare Musizierfreude erleben: ein hörenswerter Mix aus Stücken verschiedener Stile, Epochen und Besetzungen.

Klaviermusik zwei- oder vierhändig: Sie verteilte sich auf das gesamte Programm und bildete damit das klingende Gerüst. Für die zweihändigen Stücke waren Melisa Rama mit zwei dynamisch schön ausbalancierten

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