Schorndorf

Unterschriften für Klinik-Erhalt

1/3
Unterschriftensammlung
Der Betriebsratsvorsitzende der Rems-Murr-Kliniken Panagiotis Alopoudis (Dritter von rechts) übergab Landrat Richard Sigel die Unterschriften der Mitarbeiter für den Erhalt beider Standorte, die der Betriebsrat seit letzter Woche gesammelt hatte (von links: Geschäftsführer Marc Nickel mit den Betriebsräten Dr. Brigitte Gehrlein, Sabine Diener, Wolfgang Warth und Elke Hartung). © Palmizi / ZVW
2/3
Pressekonferenz Krankenhaus Schorndorf
Geschäftsführer Marc Nickel: „Meine Aufgabe ist es, den Lärm wieder einzufangen.“ © Habermann / ZVW
3/3
de48aeeb-f257-4f16-beec-9376af2d1c80.jpg_2
OB Matthias Klopfer: „Dieser Kreis braucht zwingend zwei Klinikstandorte.“ © Amolsch

Schorndorf/Winnenden. Der Betriebsrat der Rems-Murr-Kliniken hat gestern 740 Unterschriften für den Erhalt der Krankenhäuser in Schorndorf und Winnenden übergeben. Landrat Richard Sigel nahm vor einer Aufsichtsratsitzung das Bündel entgegen. Thema der Sitzung war die künftige Medizinkonzeption der Kliniken. Drei Varianten stehen zur Diskussion.

Betriebsrat und Geschäftsleitung der Kliniken ziehen an einem Strang, betonte Geschäftsführer Dr. Marc Nickel am Rande der Unterschriftenübergabe. Seit Mittwoch letzter Woche haben bereits 740 Mitarbeiter den Aufruf „Investieren Sie in uns!“ an die Aufsichtsräte der Kliniken und die Kreisräte unterschrieben (siehe Infobox „Der Aufruf“).

„Sie brauchen Verlässlichkeit und klare Konzepte“

Die Unterschriftensammlung unter den mehr als 2000 Beschäftigten läuft weiter. Landrat Richard Sigel nahm vor der Sitzung des Aufsichtsrates die erste Tranche der Liste entgegen und zeigte Verständnis für das Anliegen der Arbeitnehmer. Er wisse, dass die Unsicherheit über die Zukunft des Schorndorfer Krankenhauses für die Mitarbeiter belastend gewesen sei. „Sie brauchen Verlässlichkeit und klare Konzepte.“

Geschäftsführer Marc Nickel zeigte sich jedenfalls zuversichtlich, dem Aufsichtsrat mit einem solchen Konzept dienen zu können, und verwies auf die monatelangen Vorarbeiten, in denen „jeder Stein umgedreht wurde“. Herausgekommen ist ein dicker Entwurf, der im Kern auf drei Szenarien hinausläuft, die von Fachplaner, Architekten und Wirtschaftsprüfern eingehend untersucht worden seien. Für alle drei Varianten seien die Investitionen und die zu erwartenden Erträge ermittelt worden:

  • Investitionen in das Klinikum Winnenden wie auch in die Sanierung des Schorndorfer Krankenhauses.
  • Investitionen in das Klinikum Winnenden und ein Neubau in Schorndorf.
  • Ein-Standort-Lösung in Winnenden und Schließung von Schorndorf.

Kein Hinweis ließ sich Nickel indes entlocken, welche dieser drei Varianten er favorisiert und dem Aufsichtsrat als Empfehlung für die Entscheidung des Kreistages im April vorschlägt (siehe: „Der Fahrplan“). Klar ist jedoch, dass der hoch verschuldete Landkreis Rems-Murr nach dem teuren Klinikum-Neubau in Winnenden weitere Investitionen für die stationäre Gesundheitsversorgung schultern muss.

Gute Medizin für die Bürger des Kreises

„Wir werden weiter wachsen“, kündigte Nickel selbstbewusst an und verwies auf die hohe Auslastung der beiden Krankenhäuser von über 90 Prozent im Januar. Im Kern stehe eine gute Medizin für die Bürger des Kreises, die als Patienten bisher oft ins Umland auswichen. Mit dem Klinikum in Winnenden und der Klinik Schorndorf könnten die Kliniken ihren Marktanteil von 50 Prozent ausbauen.

Der Betriebsratsvorsitzende Panagiotis Alopoudis setzt auch in Zukunft auf die beiden Standorte. Jenseits der Diskussionen über die Medizinkonzeption drückt den Betriebsrat jedoch der Schuh, dass das Personal knapp ist. „Wir brauchen mehr Personal!“ Ein Problem, wie Alopoudis durchaus weiß, das die meisten Krankenhäuser haben. „Wir kriegen die Kurve noch“, sagte er über die aktuelle Lage angesichts steigender Patientenzahlen.


Hintergrund der gestrigen Aufsichtsratssitzung war der Eklat vor fast einem Jahr, als bereits der Entwurf für eine Konzeption auf dem Tisch lag, ein Gutachten jedoch einen Sanierungsbedarf für die Schorndorfer Krankenhaus von 90 bis 100 Millionen Euro ermittelte. Im April 2016 war diese Bombe geplatzt.

Der Entwurf für eine neue Medizinkonzeption für die beiden Krankenhäuser im Rems-Murr-Kreis war von einem Tag auf den anderen Makulatur. Tüpfelchen auf dem I war jedoch ein Brief der zwölf Winnender Chefärzte. Sie hatten zwar zunächst ihr Okay zu dieser Konzeption signalisiert, aber nach einer zweiwöchigen Denkpause über Ostern einen 180-Grad-Schwenk vollzogen und waren zu einem gänzlich anderen Ergebnis gekommen.

Rudelbildung mit unscharfen Konfliktlinien

In einem Brief an den Aufsichtsrat der Kliniken konterten sie nicht nur ihren im Urlaub weilenden Geschäftsführer Marc Nickel und Landrat Richard Sigel aus, sondern grätschten auch ihre Chefarzt-Kollegen im Schorndorfer Krankenhaus von hinten ab: Sie sprachen Schorndorf angesichts der Sanierungskosten jede Zukunft ab. Um im Fußballbild zu bleiben: Es kam zu einer Rudelbildung mit zunächst recht unscharfen Konfliktlinien.

Klausursitzung des Kreistages war schon nach einer Stunde beendet

Vor einer Klausursitzung des Kreistages am 6. April 2016 war nämlich der Inhalt eines Gutachtens zum Sanierungsbedarf des Schorndorfer Krankenhauses ans Licht gekommen. Zwei Tage später war die Klausursitzung nach gut einer Stunde bereits wieder beendet. Statt die Kreisräte über das medizinische Konzept zu informieren, standen Geschäftsführer Nickel und Landrat Sigel vor einem Scherbenhaufen und waren als Streitschlichter gefordert.

In Schorndorf formierte sich der Widerstand. An dessen Spitze stellte sich der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthais Klopfer. Er nannte die 300 Betten in Schorndorf für die künftige medizinische Versorgung im Kreis unverzichtbar, eine Sanierung der Klinik sei für deutlich weniger als die jetzt im Raum stehenden 90 bis 100 Millionen Euro zu machen: „Dieser Kreis braucht zwingend zwei Klinikstandorte.“

Das Ergebnis ließe sich durchaus sehen

Auch Marc Nickel widersprach dem Positionspapier der Winnender Chefärzte. Er nannte ihr Vorgehen „unüblich und gegenüber den chefärztlichen Kollegen in Schorndorf nicht fair“. Inzwischen scheinen die Wogen wieder geglättet zu sein und Nickel gewinnt, zumindest nach außen, dem Konflikt sogar ein paar positive Seiten ab. Die monatelange Arbeit in das vorliegende Konzept habe sich gelohnt, das Ergebnis ließe sich durchaus sehen.

Der Aufruf

  • Der Aufruf des Betriebsrates „Investieren Sie uns!“ an die Aufsichtsräte und Kreisräte im Wortlaut: „Die Rems-Murr-Kliniken gGmbH hat einen Versorgungsauftrag für die Bürger des Rems-Murr-Kreises. Wir, die Mitarbeiter der Rems-Murr-Kliniken, erbringen jeden Tag, 24 Stunden, sieben Tage die Woche und 365 Tage im Jahr unsere Leistung, um den Bedürfnissen der Bürger gerecht zu werden. Durch unser Wirken stellen wir die medizinische Versorgung sicher, unsere Klinikstandorte sind bedarfsgerecht. Wir fordern den Erhalt beider Standorte und deren Weiterentwicklung. Investieren Sie in uns!“

Der Fahrplan

  • Am 21. Februar wurde dem Aufsichtsrat die Medizinkonzeption vorgestellt. Am 10. März werden die Kreisräte bei einer Klausurtagung informiert und die Beratung im Verwaltungs-, Schul- und Kulturausschuss und Kreistag vorbereitet. Der Beschluss über die Medizinkonzeption im Kreistag ist am 24. April vorgesehen. Parallel dazu werde die Medizinkonzeption mit dem Sozialministerium Baden-Württemberg und den Krankenkassen abgestimmt.