Schorndorf

"Urbach ist nicht Hollywood"

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Hollywood ließ eine Zeit lang grüßen oberhalb des Urbacher Bergrutsches. Jetzt sind die sechs Buchstaben wieder abgebaut. © Privat

Urbach. Schön hat’s ausgesehen und an Hollywood erinnert. Und es wäre die Möglichkeit gewesen, Urbach nach der Tristesse der letzten Monate wieder etwas Glamour zu verleihen. Der Schriftzug „Urbach“ am Bergrutsch hätte es möglich machen können. Indes: Er ist wieder weg. Unbekannte Naturschützern haben ihm den Garaus gemacht. Vorbei ist’s mit Glitzer und Glamour.

Alles ist etwas dubios, vieles verworren und keiner plaudert so richtig aus dem Nähkästchen. Da ist es schwer, von Fakten zu reden, und es bleibt nur übrig, ein wenig zu spekulieren. Tatsache ist, dass wohl um den 1. April herum ein paar Leutchen (es geht das Gerücht, es seien Urbacher Feuerwehrler gewesen – bestätigt ist aber gar nichts) sechs Buchstaben den Berg hochschleppten und oberhalb des Rutsches, der Urbach über seine Grenzen hinaus bekanntgemacht hat, aufstellten. „Urbach“ stand dann in Hollywood-Manier dort zu lesen.

Niemand kann in Frieden leben, wenn es einen anderen stört

Da aber bekanntlich niemand in Frieden leben kann, wenn es einen anderen stört, kam der Anfang vom Ende schnell. Anonym meldete sich unter dem Betreff „Naturschutzgebiet Urbach“ jemand per E-Mail beim Polizeiposten Plüderhausen, der für Urbach zuständig ist, und schrieb – wir zitieren wörtlich, auch die Fehler: „Hallo, in dem Naturschutzgebiet Urbach Erdrutsch wurde ein weit sichtbarer Schriftzug aufgebaut. Vielleicht können sie die verantwortlichen darum bitten ihn wieder zu entfernen.“ Es folgt der Hinweis auf den Paragrafen 23 des Bundesnaturschutzgesetzes und was da drinsteht. Die anonyme Mail endet mit dem wirren Satz: „Leider wird auch die Natur keine rücksicht mehr genommen.“ Anonymus (oder vielleicht auch Anonyma?) schreibt noch: „Mit Freundlichen Grüßen.“ Mit der Rechtschreibung hat’s dieser Mensch also nicht so.

Nach zwei Tagen reagierte der Polizeiposten Plüderhausen und informierte die Urbacher Verwaltung. Die freilich erklärte sich für nicht zuständig, weil sie in der Tat nicht zuständig war, sondern das Landratsamt Rems-Murr-Kreis. Ermittelt sollte lediglich werden, auf wessen Grundstück die sechs überdimensionalen Buchstaben stehen. Vermutet wurde, dass es das von Rolf Grass ist. Für Jörg Hetzinger, damals noch Bürgermeister von Urbach, stand allerdings schnell fest: „Wir machen da nichts.“ Zuständig sei das Landratsamt.

Anfang August war der Schriftzug plötzlich verschwunden

Es passierte offensichtlich ein paar Wochen nichts, bis Anfang August der Schriftzug plötzlich verschwunden war. Und jetzt wird’s undurchsichtig. Offensichtlich hat auch ein Anlieger im Gebiet Anzeige erstattet. Und ebenso offensichtlich ist das den April-Scherzern zu Ohren gekommen – auf welchen Wegen auch immer. Jedenfalls haben sie, wohl in einer Nacht- und Nebelaktion, die sechs Buchstaben wieder abgebaut und den Berg runtergeschleift. Einigen (Gemeinderäten) sind die Namen der „Täter“ bekannt. Sie (die „Täter“) wollen sich aber nicht zu erkennen geben. Sie befürchten wohl, dass ihnen aufgrund der Anzeige Ärger ins Haus stehen könnte. Sie haben aber ein Gedicht verfasst und es auf Umwegen unserer Redaktion zukommen lassen (siehe "Das Gedicht").

Die Aktion beziehungsweise der Abbau der sechs Urbach-Buchstaben ist außerhalb von Urbach nicht unbeobachtet geblieben. Ein Mann aus Haubersbronn beispielsweise hat sich über die Kleinkariertheit der Behörden (nicht der Gemeinde Urbach, sondern von Landratsamt und Regierungspräsidium, bei denen nachgesucht wurde, den Schriftzug doch stehen lassen zu dürfen – das wurde rigoros ablehnend beschieden) mokiert. Ihm habe „Urbach“ a la Hollywood gefallen. Wenn’s nicht wieder hinkäme, „kommen wir aus Haubersbronn und stellen den Schriftzug unseres Fleckens auf“. Das war nicht ganz ernst gemeint und wäre ganz sicher ebenfalls nicht nachhaltig: Denn auch dieser Schriftzug müsste wieder weg. So ist das in diesem unserem Law-and-order-Lande, genau so ist das.


Das Gedicht

„Der Hangrutsch an des Urbachs Rand
ist vielen Menschen gut bekannt.
Geologisch ist‘s ‘ne Sensation
und deshalb auch Naturschutzzon‘
Doch irgendwelche böse Buben
und ohne dass ein Loch sie gruben
schleiften sechs Buchstaben hinauf
und stellten U R B A C H obendrauf.

Obwohl‘s den Hangrutsch schön geziert
hat‘s doch die Tierwelt irritiert:
Dem Storch, dem war das Weiß zu grell
und drehte wieder ab ganz schnell.
Dem Buntspecht wurde es ganz bang,
sofort verstummte sein Gesang.
Die Ziegen sahen‘s unterdessen
und hörten sofort auf zu fressen.

Der Uhu fürchtete die Grube
und blieb verängstigt in der Tube.
Der Holzbock in des Baumes Rinde
bohrt‘ Löcher nur noch mit Gewinde.
Der Juchtenkäfer, oh welch Graus,
Er wanderte nach Stuttgart aus!
Damit kein Tier mehr traurig schaut,
wurd‘ alles wieder abgebaut.
Denn jetzt ist wieder alles gut
und Urbach ist nicht Hollywood!“