Schorndorf

Veganerin aus tiefer Überzeugung

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Mareike Wolff im Café de Ville, in dem die ehemalige Waldorfschülerin als Kellnerin arbeitet. © ZVW/Gabriel Habermann

Schorndorf. Die Umstellung auf die rein pflanzliche Ernährung habe ihren Horizont erweitert, erklärt Mareike Wolf. Sie ernährt sich seit eineinhalb Jahren vegan und will auch andere davon überzeugen. Dabei schreckt sie vor extremen Vergleichen nicht zurück.

„Veganer und Vegetarier essen meinem Essen das Essen weg.“ Sprüche wie diese bekommt Mareike oft zu hören. Sie lebt vegan, isst also keine Lebensmittel, die vom Tier stammen. Im Vergleich zu Vegetariern verzichtet sie nicht nur auf Fleisch, sondern auch auf Milch, Eier und Käse. Anlässlich des Weltvegantages am 1. November spricht sie über ihr Leben als Veganerin.

Angefangen hat die junge Schorndorferin mit dieser Form der Ernährung zur Fastenzeit im vergangenen Jahr. Damit folgte Mareike einem Trend: Immer mehr Menschen ernähren sich rein pflanzlich. Zählte 2015 die Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse noch rund 850 000 Veganer, so waren es in diesem Jahr bereits 950 000. Die Organisation Pro Veg geht sogar von 1,3 Millionen Veganern in Deutschland aus. Je nach Quelle weichen die Zahlen voneinander ab. Klar ist: Es werden mehr.

Mareike erzählt, sie habe schon vor ihrer Zeit als Veganerin nur wenig Fleisch und tierische Produkte gegessen, doch vor eineinhalb Jahren begann sie schließlich die Lebensmittelverpackungen nach ihren Inhaltsstoffen zu überprüfen und stieß dabei auf so manche Überraschung.

Selbst im Gummibärchen und indirekt im Saft steckt Tier

Sie stellte unter anderem fest, dass auch für viele Gummibärchen und Säfte tierische Produkte zum Einsatz kommen. Mit Gelatine aus Haut und Knochen von Rindern und Schweinen etwa werden nach wie vor viele Säfte geklärt. Selbst in Brot und Brötchen sei oftmals Milchpulver, erzählt die junge Schorndorferin.

„Die vegane Ernährung hat meinen Horizont erweitert“, sagt sie. Mareike hat in den vergangenen Monaten viele Lebensmittel entdeckt, die sie vorher nicht kannte. Unter anderem Gemüsesorten wie Romanesco, eine Blumenkohlart aus Italien. Statt wie früher Rührei gibt es bei ihr heute kleingehacktes Tofu mit Schwefelsalz, Schnittlauch und Kurkuma. In Geschmack und Farbe habe das Ähnlichkeit mit angebratenem Ei. „Seit ich Veganerin bin, liebe ich es, zu kochen“, erzählt sie.

Mareike probierte auch viele neue Rezepte aus. Besonders gerne kocht sie Currys mit Reis, Gemüse und Kokosmilch. Aber auch eine Alternative zu Lasagne hat sie für sich entdeckt. Dabei wird die Bechamelsoße mit Hafermilch und pflanzlicher Butter gemacht. Statt Hackfleisch kommen rote Linsen in die Tomatensoße. Besonders Hülsenfrüchte wie Bohnen und Kichererbsen seien in der veganen Ernährung wegen ihres hohen Eiweißgehaltes wichtig, erklärt die junge Frau. Außerdem greift Mareike in der Küche gerne zu Nüssen. In ihre Spaghetti-Bolognese kommen etwa Walnüsse statt Fleisch.

Im Biomarkt ist Mareike Stammkundin. Dort gebe es eine große Auswahl für Veganer. Während die Gesellschaft für Ernährung den Veganismus eher kritisch einordnet, erklärt Mareike, sie fühle sich wohler, seit sie auf tierische Produkte verzichte. Lediglich das Vitamin B 12 nimmt die junge Frau als Ergänzungsmittel zu sich. Denn in pflanzlichen Lebensmitteln kommt der Nährstoff praktisch nicht vor.

Die Schorndorferin zieht radikale Vergleiche

Als die 20-Jährige auf das Thema Tierethik zu sprechen kommt, wird es emotional. Tiere müssten etwa aus der Massentierhaltung befreit werden wie früher Menschen aus der Sklaverei, meint sie. Einerseits will sie Menschen und Tiere nicht auf eine Stufe stellen, anderseits findet sie es falsch, als Mensch Tiere zu nutzen. Schon der Begriff Nutztier mache das Problem aus ihrer Sicht deutlich. „Milchtrinker nehmen die Muttermilch eines anderen Wesens zu sich“, erklärt die ehemalige Engelberg-Waldorfschülerin.

Doch auch sie findet nicht jede Form der Tierhaltung falsch. So will die Schorndorferin etwa in Zukunft mit Pferden arbeiten und in dem Bereich eine Ausbildung beginnen. Sie träumt davon, Therapien mit Pferden anzubieten. Diese Art der Nutzung findet sie in Ordnung.

Neben Ethik und Moral spricht Mareike auch über die Folgen tierischer Ernährung aufs Klima. Es lasse sich mit pflanzlicher Ernährung einiges an CO2 einsparen, erklärt sie. Besonders für Rindfleisch würden viele Treibhausgase freigesetzt.

Sie trägt sogar veganen Nagellack

Neben der Ernährung verzichtet die Veganerin auch in anderen Bereichen des Konsums auf tierische Inhaltsstoffe. Exemplarisch zeigt Mareike ihre dunkelrot lackierten Fingernägel. „Erst kürzlich habe ich in einem Laden veganen Nagellack gekauft“, sagt sie.

Kosmetik mit tierischem Inhalt oder auch ein neuer Pulli aus Schafwolle kämen für die sie nicht infrage. Eine Ausnahme macht sie allerdings für gebrauchte Kleider, schließlich verdiene daran kein Unternehmen Geld. Die junge Frau spricht von einer „Gratwanderung“. Sie versuche abzuwägen, was welchen Schaden auf der Welt hinterlasse.


Schorndorf. Die Umstellung auf die rein pflanzliche Ernährung habe ihren Horizont erweitert, erklärt Mareike Wolf. Sie ernährt sich seit eineinhalb Jahren vegan und will auch andere davon überzeugen. Dabei schreckt sie vor extremen Vergleichen nicht zurück.

„Veganer und Vegetarier essen meinem Essen das Essen weg.“ Sprüche wie diese bekommt Mareike oft zu hören. Sie lebt vegan, isst also keine Lebensmittel, die vom Tier stammen. Im Vergleich zu

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