Schorndorf

Vegetarischer Tag im Pflegeheim: Wie kommt das in Schorndorfer Einrichtungen an?

Gemüsekiste
Fleischlos heißt nicht langweilig: Die Evangelische Heimstiftung setzt auf einen „Veggie-Tag“. © Adobe Stock

Kein Fleischgericht zum Mittagessen? Zum Abendessen keine Wurst auf dem Brot? Dafür nur noch Obstsalat zum Frühstück, Gemüseauflauf zum Mittag und abends aufgeschnittene Gürkchen und Paprikawürfel? Seit Anfang Januar wird in den Einrichtungen der Evangelischen Heimstiftung – einer der größten Träger von Pflegeheimen in Baden-Württemberg – mittwochs nur noch vegetarisches Essen für die Pflegebedürftigen gekocht. Rümpfen da die Heimbewohner nicht die Nase?

Laut eigenen Angaben hätten Angehörige und Bewohner bereits auf den „grünen Mittwoch“ positiv reagiert. Außerdem mache man die eigenen Wünsche der Menschen vor Ort nach wie vor möglich, wenn „jemand abends seinen Aufschnitt möchte“, dann bekomme er diesen natürlich, so der Hauptgeschäftsführer der Evangelischen Heimstiftung, Bernhard Schneider.

Um Geldeinsparung gehe es nicht

Die Gründe für den Veggie-Tag: So wolle man unter anderem Ressourcen schonen und sich für eine artgerechte Tierhaltung einsetzen. Um „Greenwashing“ oder Geldeinsparungen gehe es der Heimstiftung nicht. Wie sieht das in den Schorndorfer Heimen aus? Ziehen Einrichtungen mit oder wehren sich die Bewohner? Wir haben uns mal umgehört.

Das Essen für die Bewohnerinnen und Bewohner beispielsweise des Schorndorfer Karlsstifts und Eevangelischen Marienstifts der Zieglerschen wird laut Nicola Philipp vom Kommunikationsmanagement „Die Zieglerschen“ in der Küche im Karlsstift zubereitet. „Wir bieten schon seit längerer Zeit an einem Tag in der Woche zwei vegetarische Menüs an, aus denen die Bewohner sich eins auswählen. Das ist nicht immer der gleiche Tag.“ Das werde gut angenommen. Das bestätigt auch eine 87-jährige Heimbewohnerin: „Es muss nicht immer Fleisch sein. Ich habe kein vegetarisches Lieblingsgericht, ich mag eigentlich alles außer Spinat. Hier schmeckt alles gut.“

Ein 78-jähriger Heimbewohner eines anderen Seniorenheims sagt, er esse zwar gerne Fleisch, aber einmal in der Woche darauf zu verzichten, sei nun auch kein großes Opfer. Zudem habe man trotzdem immer noch eine Wahl.

Während es in den Schorndorfer Pflegeeinrichtungen kein allzu großes Thema zu sein scheint, kritisiert die Patientenschützerin und Regionalbeauftragte der Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen (Biva), Sabine Hindrichs den Veggie-Tag. Aus Sicht der Betroffenen sei es eine Unverschämtheit. Jeder müsse doch eine Wahlfreiheit haben. Auch wenn Klimaschutz und Nachhaltigkeit wichtig seien, sei dies aktuell kein Thema für die Pflegebranche. Fachkräftemangel und finanzielle Probleme seien wichtigere Punkte.

Mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz

„Wir haben uns als evangelische Heimstiftung vor einigen Jahren auf den Weg gemacht zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Wir möchten mit vereinten Kräften einen Beitrag dazu leisten, dass unsere Kinder und Enkelkinder eine gute Zukunft auf unserer Erde haben. Das heißt, dass wir unseren CO2-Fußabdruck verkleinern, die Treibhausgas-Emissionen senken, Energie und Wasser sparen – und dass wir bewusster mit den Ressourcen umgehen, die uns zur Verfügung stehen“, hält Claudia Oberländer, Hausdirektorin des Schorndorfer Spittler-Stifts, eine Einrichtung der Evangelischen Heimstiftung, entgegen.

„Wir bieten jeden Mittwoch leckere, vegetarische Gerichte an, und zwar sowohl mittags als auch morgens und abends. Wir tun das in allen Einrichtungen und Diensten der Heimstiftung überall in Baden-Württemberg.“

Laut Oberländer sprechen viele Gründe dafür, weniger Fleisch zu essen: „Mittlerweile verzichtet jeder zehnte Mensch in Deutschland ganz oder weitgehend auf Fleisch - mit gutem Grund. Wir wollen aber bewusst nicht ganz auf Fleisch verzichten, denn eine ausgewogene und vielschichtige Ernährung ist für unsere Kundinnen und Kunden wichtig. Deshalb haben wir uns bewusst für diesen besonderen fleischlosen Tag entschieden."

Fünf Gründe hätten die Evangelische Heimstiftung überzeugt, diesen Schritt zu gehen. Claudia Oberländer führt sie auf: Mehr saubere Luft – die Lebensmittelherstellung verbraucht 70 Prozent des Wassers, 30 Prozent der Bodenfläche und 25 Prozent der Treibhausgase weltweit. Weniger Fleisch heißt mehr sauberes Wasser, mehr grüne Wiesen, mehr gute Luft zum Atmen.

Mehr Gesundheit – Menschen, die sich vegetarisch ernähren, erkranken seltener an Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Übergewicht. Weniger Fleisch heißt bessere Verdauung, mehr Bewegung, bessere Gesundheit für uns alle.

Mehr glückliche Tiere – weil wir viel zu viel Fleisch essen, müssen Tiere in Massen gezüchtet und geschlachtet werden. Das führt oft zu Tierquälerei, Einsatz von Antibiotika, Schreddern männlicher Küken und weiteren Missständen. Weniger Fleisch heißt mehr Tierwohl und artgerechtere Haltung.

Mehr Vielfalt – fleischlos heißt nicht langweilig. Es gibt viele interessante und tolle Rezepte mit Gemüse, Obst, Getreide und Milchprodukten, die oft schon die Großeltern kannten und wir heute selten essen. Mehr vegetarisch heißt mehr Spaß am Essen, Überraschendes und Neues entdecken und ausprobieren.

Mehr Zukunft – „Wir verbrauchen mehr, als es unserem Planeten guttut. Das können wir ändern – damit auch unsere Kinder und Enkel eine gute Zukunft haben. Weniger Fleisch heißt mehr Zukunft für die Menschen, die uns wichtig sind.“

Kein Fleischgericht zum Mittagessen? Zum Abendessen keine Wurst auf dem Brot? Dafür nur noch Obstsalat zum Frühstück, Gemüseauflauf zum Mittag und abends aufgeschnittene Gürkchen und Paprikawürfel? Seit Anfang Januar wird in den Einrichtungen der Evangelischen Heimstiftung – einer der größten Träger von Pflegeheimen in Baden-Württemberg – mittwochs nur noch vegetarisches Essen für die Pflegebedürftigen gekocht. Rümpfen da die Heimbewohner nicht die Nase?

Laut eigenen Angaben hätten

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