Schorndorf

Verpfuschte Hüft-OP: Schorndorferin ermutigt, Behandlungsfehler zu verfolgen

missglückte OP
Wegen chronischer Schmerzen hat sich Elke M. einer Hüft-Operation unterzogen. Wirklich besser geht es ihr seither nicht. Obwohl bei einer zweiten Operation der Schaden behoben werden konnte, leidet sie noch immer. © Adobestock/Tobilander

Weil sie jahrelang wegen Arthrose vor Schmerzen nicht mehr richtig schlafen konnte und immer wieder zu Medikamenten greifen musste, hat sich Elke M. vor zwei Jahren zu einer Hüft-OP entschieden. Gebracht hat ihr das nichts – außer einer Menge weiterer Schmerzen: Die Operation ging schief, das hat die 54-Jährige über ein Gutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) Baden-Württemberg mittlerweile auch schriftlich. Eine Schmerzensgeldforderung ist am Laufen. Dass sie ihre Geschichte – wenn auch nicht unter vollständigem Namen – jetzt öffentlich machen will, begründet die Schorndorferin wie folgt: „Ich möchte anderen Betroffenen Mut machen, ärztliche Behandlungsfehler zu verfolgen und gegebenenfalls für Schadenersatz/Schmerzensgeld zu kämpfen.“ Ein Kampf, der für sie allerdings sehr zeitraubend und kräftezehrend war.

Komplikationen bei der Hüft-Operation

Begonnen hat dieses Kapitel ihrer Leidensgeschichte im Februar 2020. Damals empfahl ihr der behandelnde Arzt, sich wegen wiederkehrender Beschwerden in der linken Hüfte einer Operation zu unterziehen, und riet zu einem „prothetischen Hüftgelenkersatz“. Über potenzielle Risiken wurde sie aufgeklärt, und auch darüber, dass ein OP-Erfolg nicht garantiert werden könne. Doch was dann kam, damit konnte Elke M. nicht rechnen: Als sie aus der Narkose aufwachte, stand der Operateur am linken Fußende ihres Bettes und informierte sie darüber, dass es bei der OP zu Komplikationen gekommen sei. Tatsächlich war der Oberschenkelknochen gebrochen. Mit sogenannten Kabelcerclagen wurde er fixiert und sollte damit nach Ansicht des Arztes ausreichend stabilisiert sein.

Allerdings war durch die Operation auch der Nerv so geschädigt, dass sie die Zehen an ihrem linken Fuß nicht mehr bewegen konnte. Bis heute, berichtet Elke M., sei ein Fünftel der linken Wade taub. Weil sie direkt nach der Operation den linken Fuß gar nicht mehr heben konnte, bekam sie zur Hüftorthese eine Fußorthese – und wurde in die Anschluss-Rehabilitation in den Schwarzwald geschickt.

Doch auch dort lief nicht alles rund: Zunächst bekam sie kein behindertengerechtes Zimmer und war häufig auf sich allein gestellt. Mit Ausbruch der Corona-Pandemie folgte auch noch ein Besuchsverbot: „Ich konnte alleine gar nichts machen“, erzählt Elke M., „ich war wie weggesperrt.“ Abends um 19 Uhr wurde sie von den Schwestern bettfertig gemacht, soziale Kontakte konnte sie kaum aufbauen. Viel zu schnell wurde sie von den Ärzten dort aus dem Rollstuhl in den Hochgehwagen gedrängt – bis ihre Unterarme wund gescheuert waren. Als sie sich beim Personalchef der Reha-Klinik beklagte, bekam sie zumindest eine Entschuldigung von den Ärzten zu hören. Als sie dann schließlich nach fünf Wochen wieder nach Hause kam, hatte sie – wegen der starken Medikamente – eine Gelbsucht entwickelt. Ohne ihren Ehemann wäre sie aufgeschmissen gewesen: Er hat sie nicht nur versorgt, sondern ein Krankenbett organisiert und das Badezimmer behindertengerecht umbauen lassen. „Sieben Wochen lang“, erinnert sich Elke M., „konnte ich nicht duschen.“

Als die Schmerzen im Oberschenkel nicht besser werden wollten, ging sie noch mal zu dem Arzt, der sie operiert hatte – und bekam zu hören: Das wird schon. Vertrauen hatte Elke M. zu diesem Zeitpunkt in den Operateur aber schon nicht mehr. Darum holte sie sich bei der Krankenkasse das Okay, sich bei einem anderen Orthopäden eine Zweitmeinung einholen zu dürfen. Im Sommer offenbarte ein Röntgenbild, dass die Hüftprothese locker war und ausgetauscht werden muss. Und so wurde Elke M. Mitte September in einer anderen Klinik noch einmal operiert. In der Wartezeit, erinnert sich die 54-Jährige, hatte sie „ein Stacheldrahtgefühl rund ums Bein“. Im Anschluss an die OP folgte Reha Nummer zwei – allerdings ambulant und nicht mehr stationär.

Schmerzen im Bein, ein Gummigefühl und nie mehr hohe Absätze

Elf Monate konnte sie nicht Auto fahren, 13 Monate sich nur an Krücken bewegen. Mittlerweile hat sie ein neues Hüftgelenk, die Probleme aber sind nur zum Teil verschwunden: „Das linke Bein ist schwächer, langsamer und noch immer wie Gummi.“ Durch die Nervenschäden kann sie den Fuß noch immer nicht richtig abrollen. Schuhe mit Absatz wird sie wohl nie mehr tragen können. Und obwohl sie hart trainiert die Behandlung beim Osteopathen aus eigener Tasche bezahlt: „Es schmerzt immer noch.“ Sie kann sich nicht mehr hundertprozentig auf das linke Bein verlassen, glatte Gehwege und unebene, rutschige Pflastersteine machen ihr Angst. Bei jeder Busfahrt ist der Ein- und Ausstieg eine Herausforderung. Seit der missglückten OP kann Elke M. nicht mehr alles machen, fühlt sich behindert.

Immerhin hat sie das MDK-Gutachten, das ihr den Behandlungsfehler schriftlich bescheinigt. Es besteht die Chance, dass sie ein Schmerzensgeld bekommen wird. Doch die verlorene Lebensqualität wird ihr das nicht zurückbringen. Und eines vermisst und enttäuscht sie bis heute: „Der Operateur hat sich bisher nicht bei mir entschuldigt und mich damals auch nicht an einen Kollegen weiterverwiesen.“

Weil sie jahrelang wegen Arthrose vor Schmerzen nicht mehr richtig schlafen konnte und immer wieder zu Medikamenten greifen musste, hat sich Elke M. vor zwei Jahren zu einer Hüft-OP entschieden. Gebracht hat ihr das nichts – außer einer Menge weiterer Schmerzen: Die Operation ging schief, das hat die 54-Jährige über ein Gutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) Baden-Württemberg mittlerweile auch schriftlich. Eine Schmerzensgeldforderung ist am Laufen. Dass sie ihre

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