Schorndorf

VHS Schorndorf: Ausstellung zur weltweiten Wasserknappheit

Wasser für alle
Mareike Bethge mit ihrem damaligen Kollegen Lutz Sonius (beide von Brot für die Welt Berlin) im März 2018 im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung in Berlin, als die Banner gerade fertig waren und zum ersten Mal aufgestellt wurden. © privat/vhs

Wir verbrauchen viel mehr Wasser, als wir denken. Denn in allem, was wir kaufen, in allen Dingen, die wir verwenden, versteckt sich Wasser: Wasser, das verwendet wird, um Energie zu produzieren. Wasser, das verwendet und verschmutzt wird bei der Gewinnung von Rohstoffen. Wasser, das für die Verarbeitung von Waren, für Reinigungs- und Kühlprozesse benötigt wird. Und natürlich das Wasser, das Pflanzen und Tiere brauchen, um zu überleben und zu wachsen. Zwar besteht die Welt zu über zwei Dritteln aus Wasser, doch dies ist nur ein scheinbarer Überfluss. Fast 2,2 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Jeder dritte Mensch weltweit lebt ohne sanitäre Einrichtungen. Große Mengen an Trinkwasser werden in der Landwirtschaft verbraucht und oft in virtueller Form über Produkte in andere Länder exportiert. Dabei ist Wasser ein öffentliches Gut, ein Menschenrecht.

Zuerst im Burg-Gymnasium, dann in der Volkshochschule

Was könnte zum Semesterthema „Wasser“ der Volkshochschule Schorndorf besser passen als eine begleitende Ausstellung mit dem Thema „Wasser für alle“? Konzipiert wurde diese von Brot für die Welt. Eigentlich hätte Mareike Erhardt, Referentin der Landesstelle Brot für die Welt/Diakonisches Werk Württemberg, persönlich vor Ort in Schorndorf bei einem Vortrag die globalen Zusammenhänge der Wasserknappheit aufgezeigt. Sie hätte berichtet, wie Partnerorganisationen von Brot für die Welt gemeinsam mit Kleinbauernfamilien im globalen Süden aktiv werden, um die Lebensgrundlage Wasser zu erhalten. Aufgrund der Corona-Lage haben die Verantwortlichen der Volkshochschule Schorndorf und von Brot für die Welt jedoch entschieden, den Vortrag abzusagen.

Dennoch soll auf das Thema der Ausstellung, die zuerst im Burg-Gymnasium (Unesco-Projektschule) nur für Schüler und Lehrer gezeigt und anschließend für die breite Öffentlichkeit im VHS-Gebäude aufgestellt wird, aufmerksam gemacht und Interesse geweckt werden. „Unsere Ausstellung veranschaulicht die Auswirkungen unseres Lebensstils auf die globale Wasserverfügbarkeit. Beispiele aus Projekten zeigen, wie lokale Wasserspeicher- und Bewässerungssysteme die Ernährungssicherheit der ländlichen Bevölkerung verbessern können“, so Mareike Erhardt.

Informationsbanner mit aktuellen Schilderungen und Lösungsansätzen

„Wasser für alle“ beschreibt auf 15 Informationsbannern (220 x 90 Zentimeter) die aktuelle und die zu erwartende Wasserkrise, schildert deren Konsequenzen der Wasserknappheit und zeigt Lösungsansätze auf. Dabei gehen einige Banner auf die Gründe für Wassermangel, wie Verschmutzung oder Klimawandel, ein. Andere auf unseren „Wasserfußabdruck“.

Die Ausstellung ist für Besucher ab 14 Jahren geeignet. „Natürlich können Eltern, Verwandte und Freunde auch jüngeren Kindern die Ausstellung näherbringen – es gibt viele Fotos, die Geschichten erzählen“, fügt Mareike Bethge von Brot für die Welt, Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung aus Berlin, hinzu. Sie hat maßgeblich an der Ausstellung mitgewirkt. Außerdem hätten die Besucher die Möglichkeit, an einer kleinen Interaktion ihr Wissen zu testen beziehungsweise Überraschendes zu entdecken – hier geht es um sogenanntes virtuelles oder „verstecktes“ Wasser, das den Wasserverbrauch bei der Herstellung von Nahrungsmitteln oder Kleidung beschreibt. „Dieser Wasserverbrauch ist manchmal erstaunlich hoch und fehlt ganz real an anderen Orten, oft sehr trockenen Ländern.“

Klimaerwärmung verschärft die Wasserungerechtigkeit

In vielen Regionen der Erde werde das Wasser knapp. Schon heute lebt ein Fünftel der Erdbevölkerung in Regionen, in denen mehr Wasser verbraucht wird als wieder in den Kreislauf zurückfließt. Dadurch sinkt vielerorts der Grundwasserspiegel, was wiederum Trinkwasser-Brunnen versiegen lässt. Die Klimaerwärmung verschärft die Wasserungerechtigkeit.

Deshalb sei das Thema „Wasser für alle“ auch eine Herausforderung, sagt Mareike Bethge. Und es sei ein Aufruf, sozusagen eine Anleitung zum Handeln. „Wasser für alle – dafür kann, sollte, muss man sich einsetzen!“ Die Ausstellung solle ermutigen: zu erkennen, dass dieser Einsatz nicht nur möglich ist, sondern von allen angestoßen werden kann. „Jede und jeder kann dazu beitragen, der Wasserkrise zu trotzen. Es gibt viele Menschen, die schon jetzt weltweit daran arbeiten, dass Wasser für alle keine Illusion ist, sondern Wirklichkeit werden kann – das können wir von verschiedenen Partnerorganisationen von Brot für die Welt und ihren Projekten lernen und uns inspirieren lassen.“

Im Fokus der Ausstellung steht das Menschenrecht auf sauberes Trinkwasser und sanitäre Grundversorgung – und die dazu im Widerspruch stehende Realität: die globale Wasserkrise mit Dürren, Fluten, immer stärkeren und häufiger auftretenden Stürmen - beschleunigt durch den Klimawandel und mit Folgen für Milliarden Menschen, deren Lebensgrundlagen bedroht sind. Bethge: „Dabei geht es auch um unseren Lebensstil. Unser Konsumverhalten hat unmittelbare Auswirkungen auf die globale Wasserverfügbarkeit.“

Es werden verschiedene Dimensionen des Wassermangels thematisiert, verursacht durch Klimawandel, Verschmutzung, Bevölkerungswachstum, erhöhten Verbrauch in einer immer durstiger werdenden Welt, in der Wasser – ebenso wie Land – geraubt und zum Konfliktherd werden kann.“ Aber hier höre die Geschichte nicht auf: „Die Ausstellung präsentiert Wege aus der Wasserkrise. Wege, die jeder und jede einschlagen kann durch Veränderung von Gewohnheiten und Engagement. Wege, die auch gezeigt werden von verschiedenen Projektpartnern in Kenia, Vietnam und Peru.“

Wasserfußabdruck: Dieser sollte reduziert werden

Die Ursachen der Wasserkrise seien heute globaler Natur und erfordern gemeinsames Handeln auf internationaler Ebene, betont Mareike Erhardt. Gerade der Klimawandel verschärfe die Wasserkrise immer mehr und ist ein Problem, dem nur auf globaler Ebene begegnet werden kann. „Flüsse und Grundwasservorkommen machen nicht an nationalen Grenzen halt. Immer mehr Wasser wird exportiert – in Form all der global gehandelten Produkte, für deren Produktion Wasser verwendet wird. Auch Länder wie Deutschland, die selbst (noch) nicht von der globalen Wasserkrise betroffen sind, tragen über Klimawandel und globalen Handel zu ihr bei.“

Wie all das vermeidbar wäre? Erhardt: „Wir hinterlassen einen Wasserfußabdruck auf der Welt. Dieser kann und sollte reduziert werden.“ Das erreiche man beispielsweise dadurch, „indem wir bewusster konsumieren“. Zum Beispiel unsere Kleidung lange verwenden und weniger neue Textilien kaufen. Und wenn doch, „möglichst Textilien aus fairem Handel und aus Bio-Baumwolle, weil bei der Herstellung auf die Einhaltung der Menschenrechte und auf den Wasserverbrauch geachtet wird“. Global gesehen könne man den Klimawandel verlangsamen, um die Welt nicht in größeren Wasserstress zu bringen. „Außerdem kann sich die deutsche Politik für die Wahrung der Menschenrechte – wie das Recht auf Wasser – und den Ressourcenschutz in der Landwirtschaft der Länder, aus denen wir Agrarprodukte importieren, einsetzen.“

Sauberes Trinkwasser ist für alle Menschen lebensnotwendig und durch nichts zu ersetzen: Ohne Wasser zu trinken, kann man kaum drei Tage überleben. Das global zur Verfügung stehende Süßwasser würde auch ausreichen, um die Bedürfnisse von Mensch und Natur mehr als abzudecken. „Dass die Realität im Jahr 2022 anders aussieht, das zeigt uns diese Ausstellung. Aber sie spornt eben auch an, dies nicht einfach so hinzunehmen, sondern etwas zu tun“, betont Mareike Bethge abschließend. Dass durch den Besuch der Ausstellung möglichst viele sich darauf einlassen, „Wasser für alle“ als ein Ziel zu sehen, bei dessen Erreichung sie mitmachen wollen, dabei Freude haben und andere damit anstecken, das sei ein Wunsch und eine Zuversicht.

Info

Die Ausstellung wird vom 21. bis 25. Februar in der Aula des Burg-Gymnasiums Schorndorf gezeigt. Dies ist eine geschlossene Veranstaltung nur für Schülerinnen, Schüler, Lehrer und Lehrerinnen des BG. Ab dem 28. Februar bis 8. April wird die Ausstellung in der Flurgalerie der Volkshochschule Schorndorf gezeigt. Diese ist öffentlich.

Wir verbrauchen viel mehr Wasser, als wir denken. Denn in allem, was wir kaufen, in allen Dingen, die wir verwenden, versteckt sich Wasser: Wasser, das verwendet wird, um Energie zu produzieren. Wasser, das verwendet und verschmutzt wird bei der Gewinnung von Rohstoffen. Wasser, das für die Verarbeitung von Waren, für Reinigungs- und Kühlprozesse benötigt wird. Und natürlich das Wasser, das Pflanzen und Tiere brauchen, um zu überleben und zu wachsen. Zwar besteht die Welt zu über zwei

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