Schorndorf

Viel Verständnis für Stefan Breiter

Strassenfest
Keine Berührungsängste: Stefan Breiter ist bekannt für seine offene, herzliche Art, mit der er auf Menschen zugeht, hier beim Straßenfest am Stand des Partnerschaftskomitees. © Schneider / ZVW

Remshalden. Die Nachricht kam für alle am Mittwoch aus heiterem Himmel: Stefan Breiter will Finanzbürgermeister in Freiburg werden. Ziemlich sicher wird er das auch und damit Remshalden als Bürgermeister verlassen. Die allgemeine Reaktion bei Gemeinderäten und poltischen Weggefährten: Überraschung, Bedauern, aber auch viel Verständnis für seinen Schritt und die Annahme des „Traumangebots“ aus Freiburg.

Offenbar hat niemand etwas geahnt, zumindest nichts Konkretes, so war es für alle eine echte Bombe, die Stefan Breiter am Mittwoch platzen ließ. Nach etwas mehr als vier Jahren im Amt des Remshaldener Bürgermeisters bewirbt er sich als CDU-Kandidat in Freiburg als Finanzbürgermeister.

Eine erste Ahnung, was Sache sein könnte, beschlich die Remshaldener Gemeinderäte, als das Rathaus sie am Mittwoch für den Abend zu einer kurzfristigen Sondersitzung einbestellte. Stefan Breiter hat mit der Eröffnung lange gewartet. Erst am Dienstag hatte die CDU-Fraktion in Freiburg sich auf ihn als Kandidat festgelegt und ist damit sicher, dass seine Ambitionen handfest untermauert sind.

Breiter spricht von einem "schweren Gang"

Es sei ein „schwerer Gang“ gewesen, mit der Nachricht vor seine Gemeinderäte treten zu müssen, sagt er. So was mache man eigentlich nicht, mitten in der ersten Wahlperiode abzuhauen. Aber das Angebot aus Freiburg, aus seiner „geliebten Heimatstadt“ sei eine „grandiose Chance“, die er bekommen habe, ohne danach zu suchen.

Keiner im Gemeinderat nimmt ihm die Entscheidung übel

Im Gemeinderat findet man denn auch keinen, der ihm seine Entscheidung übelnimmt. Es sei definitiv ein Schock gewesen, berichtet Sigrid Pressel, die Vorsitzende der Fraktion von Freien Wählern und FDP. Klar habe sich keiner über die Nachricht gefreut. Aber: Sie habe vollstes Verständnis dafür. „So eine Chance kriegt man nur einmal im Leben. Es wäre dumm, wenn er es nicht gemacht hätte.“ Sie hoffe, dass auch die Bevölkerung Verständnis habe.

Schanbacher: Manche Bürger werden enttäuscht sein 

Manche Bürger werden enttäuscht sein, ist sich Roland Schanbacher, Vorsitzender der Fraktion der Bürgerlichen Wählervereinigung (BWV), sicher. Gerade nach den vorhergehenden öffentlichen Treuebekundungen zu Remshalden habe man mit so etwas ja nicht rechnen können. Dennoch sagt auch Schanbacher: „Die Entscheidung ist für uns gut nachvollziehbar.“

Nicht der Erste, der von Remshalden aus den Karrieresprung macht

Wolfgang Läpple, CDU-Fraktionschef, sagt: „Das hat er nicht geplant, das nehme ich ihm ab.“ Wie die anderen Gemeinderäte, die sich äußern, hätte auch er Breiter gerne als Bürgermeister behalten, gratuliert ihm aber zu diesem „Karrieresprung“. Er stoße vor „in eine andere Liga“ – und sei damit ja nicht der erste Remshaldener Schultes, der von dort aus weiter nach oben komme: Winfried Kübler wurde Oberbürgermeister in Schorndorf, Norbert Zeidler in Biberach, dazu stieg der einstige Kämmerer Thorsten Englert zum Schorndorfer Finanzbürgermeister auf, und zuletzt verließ Hauptamtsleiter Sven Müller die Gemeinde, um in Winterbach Bürgermeister zu werden.

Remshalden ist offenbar eine "Talentschmiede"

Offenbar sei Remshalden eine „Talentschmiede“, meint deswegen Sigrid Pressel. Sven Müller, der Winterbacher Bürgermeister, traut seinem ehemaligen Chef den Job in der anderen Liga, in der mit 226 000 Einwohnern viertgrößten Stadt in Baden-Württemberg, zu.

„Er kommt ja von der großen Politik, das ist seine Welt“, spricht Müller Breiters Vergangenheit in der Staatskanzlei in Stuttgart an, wo er unter anderem als persönlicher Referent der Ministerpräsidenten Stefan Mappus und Günther Oettinger diente. In einer Stadt wie Freiburg werde er sicherlich mehr Politiker sein als in Remshalden, meint Sven Müller, er werde dabei als von der CDU aufgestellter Bürgermeister auch unter größerem politischen Druck stehen. „Das ist eine andere Stellung als die des parteiunabhängigen Bürgermeisters in einer Kommune mit 14 000 Einwohnern.“

Sczuka: Breiter hat "absolut das Zeug dazu"

Auch Reinhold Sczuka, Bürgermeister in Althütte und Vorsitzender der CDU im Kreistag, hält seinen Fraktionskollegen für fähig. „Aufgrund seiner ruhigen, ausgleichenden Art hat er absolut das Zeug dazu.“ Für Breiters Entscheidung hat Sczuka ebenfalls vollstes Verständnis: „Ich hätte es aus seiner Sicht auch getan.“

Breiter: Niemand hat sich negativ geäußert

Stefan Breiter selbst gibt an, dass sich ihm gegenüber bisher niemand negativ geäußert habe, auch nicht aus der Bürgerschaft. Zu den vielen Gratulationen, die er bekommt, meint er: „Es ist eigentlich kein Zeitpunkt, um Glückwünsche abzugeben. Die Wahl im Gemeinderat sei erst am 30. Januar. Aber klar, gibt Breiter auch zu, es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn die anderen Fraktionen im Freiburger Gemeinderat das Vorschlagsrecht der CDU missachten und ihn ablehnen würden.#

Überrascht über die Vorschusslorbeeren 

Er sei dennoch überrascht über die Vorschusslorbeeren, die ihn über einen Artikel in der Badischen Zeitung aus Freiburg erreichen. Besonders aufgehorcht hat Stefan Breiter, als er las, dass der Grüne Oberbürgermeister Dieter Salomon ihn als „gute Wahl“ bezeichnet. Er kenne Salomon zwar seit 20 Jahren gut. Aber dieser hätte sich nicht so weit aus dem Fenster lehnen müssen, meint er: „Das ist eine klare Botschaft in seine Grüne Fraktion hinein.“

In Freiburg freut man sich auf Stefan Breiter

Der Freiburger CDU-Fraktionschef Wendelin Graf von Kageneck sagt in der Badischen Zeitung über seinen Favoriten: „Seine Sachkenntnis hat uns überzeugt und seine offene Art, wie er auf Menschen zugeht.“ Man freue sich, einen „fachlich qualifizierten, kommunalpolitisch versierten und der Stadt Freiburg persönlich eng verbundenen Kandidaten benennen zu können“.


"Geliebte Heimatstadt" Freiburg

Nach Angaben von Stefan Breiter hatte er zuvor andere Anfragen aus Gemeinden wie Fellbach oder Weinstadt, zur OB-Wahl anzutreten, kategorisch abgelehnt. Als jedoch Freiburg anklopfte, war das eine andere Nummer.

Breiter ist in der Breisgau-Metropole geboren und aufgewachsen, er hat dort 33 seiner heute 50 Lebensjahre verbracht. „Ich kenne hier jedes Haus“, sagt er. In Freiburg begann er beim EHC mit dem Eishockey-Spielen und stieg zum hochklassigen Schiedsrichter auf, der Erstliga-Partien und sogar internationale Spiele pfiff.

Breiter hat Familie und viele Freunde in Freiburg, das er nicht nur seine „geliebte Heimatstadt“, sondern auch die „spannendste Stadt in Baden-Württemberg“ nennt. Zudem ist er Dauerkartenbesitzer und glühender Fan des SC Freiburg.