Schorndorf

Volksbank-Gebäude in Schorndorf: 120 Jahre im Besitz von Familie Daimler

ex Voba
Das Gesicht der Volksbank am Unteren Marktplatz ist Vergangenheit. Archivfoto: Habermann © Gabriel Habermann

Viel ist nicht mehr übrig vom Volksbank-Gebäude am Unteren Marktplatz in Schorndorf. Die Volksbank baut ein neues Wohn- und Geschäftshaus. Bevor es so weit ist, erinnert Erhard Schaukal an die lange Geschichte des Gebäudes: „Viele Schorndorfer wissen nicht“, schreibt der an Stadtgeschichte Interessierte, „dass das Gebäude einmal 120 Jahre im Besitz der Familien Deumler, später Daimler war“.

Eine Bäckerei mit Ausschank

Im Jahr 1740 erwarb Johann Friedrich Deumler im Tausch gegen sein Anwesen in der Hetzelgasse und mit einer Zuzahlung von 600 Gulden von einem Matthäus Kurz das Anwesen und eröffnete eine Bäckerei mit Ausschank. Durch die ideale Lage neben der neu erbauten Kelter, der Stadtwaage, den Viehmärkten und den Kornversteigerungen im Rathaus verdiente er gutes Geld und konnte nach seinem Tod den drei Söhnen einen stattlichen Besitz und Geld hinterlassen. Nachdem der älteste Sohn Johannes (1708 - 1776) die Bäckerei nicht übernahm, er hatte das Hutmacherhandwerk erlernt, wurde sie geschlossen, die Schankwirtschaft aber blieb. Der zweitälteste Sohn Johann Friedrich (1712 - 1776) übernahm eine Bäckerei im Haus seiner Ehefrau Christine Betz an der Stadtmauer.

In der Hand der Familie

Als 1810 Maria Barbara Daimler, geb. Maier, gestorben war, erbte die Tochter Christiane Margarete den Hausanteil. Seit 1807 war sie mit dem Bäcker Johann Friedrich Degele verheiratet, der die Bäckerei und Wirtschaft weiterführte. In der anderen Haushälfte war 1803 Johann Christoph Deumler gestorben. Sein ältester Sohn Johann Christian (1778 - 1839) trat in die Fußstapfen des Vaters, 1835 erwarb er den anderen Hausanteil von Bäcker Degele. Damit war das ganze Anwesen wieder in der Hand der Familie.

Ein Jahr später übergab er die untere Hälfte seiner Tochter Luise Dorothea (geb. 1811), die seit 1835 mit dem Metzger Christian Luithard verheiratet war. Das Geschäft konnte nicht gut gelaufen sein, vermutet Schaukal, denn schon 1844 verkaufte Luithard den Hausanteil für 1900 Gulden an Gottlieb Heinrich Daimler, den Onkel von Gottlieb Daimler. Der hatte es vom Bäcker über den Wegemeister bis zum Stadtbaumeister gebracht. 1848 übernahm Oberamtsgeometer Gottlieb Heinrich Daimler (1817 -1889) die obere Haushälfte. Mit dem Verkauf im Jahr 1861 an den Bäcker Karl Hammer verschwand nach 120 Jahren der Name Daimler auf dem Haus Marktplatz 19.

August Pfleiderers „Grüner Baum“

Bäcker Hammer richtete hier wieder eine Bäckerei ein, aber ohne Wirtschaft. 1888 übernahm sein Schwager Christian Heinz die Bäckerei. Die untere Haushälfte hatte 1871 Bäcker August Pfleiderer gekauft, der dann die Wirtschaft „Zum grünen Baum“ eröffnete. Später kaufte Christian Heinz auch die untere Haushälfte, so dass das ganze Anwesen wieder in einer Hand war. Den „Grünen Baum“ betrieb in der Zwischenzeit der Metzger Jakob Köpf. 1920 übernahm sein Sohn Karl die Bäckerei. Die Wirtschaft hatte von 1935 an Gottlieb Dietrich gepachtet, nach seinem Tod heiratete die Witwe den Metzger Adolf Esslinger. Die Eheleute führten die Wirtschaft bis 1949.

Der „Grüne Baum“ wurde 1952 zur Drogerie Zehender umgebaut. Nach dem Tod von Karl Heinz kaufte die Volksbank Schorndorf das Gebäude und eröffnete eine Bankfiliale mit Geldautomaten. Daneben war in der Zwischenzeit die Parfümerie am Markt (R. Schäfer) eingezogen.

Viel ist nicht mehr übrig vom Volksbank-Gebäude am Unteren Marktplatz in Schorndorf. Die Volksbank baut ein neues Wohn- und Geschäftshaus. Bevor es so weit ist, erinnert Erhard Schaukal an die lange Geschichte des Gebäudes: „Viele Schorndorfer wissen nicht“, schreibt der an Stadtgeschichte Interessierte, „dass das Gebäude einmal 120 Jahre im Besitz der Familien Deumler, später Daimler war“.

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Eine Bäckerei mit Ausschank

Im Jahr 1740 erwarb Johann Friedrich Deumler im

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