Schorndorf

Von Covid genesen: Wie geht es Oberbürgermeister Matthias Klopfer heute?

OB Matthias Klopfer
Matthias Klopfer: Eine Restsorge nach der überstanden Corona-Infektion ist geblieben. © Benjamin Büttner

Während wir aktuell gegen die zweite Corona-Welle kämpfen, haben viele Menschen, die sich im Frühjahr infiziert haben, noch mit den Folgen von Covid zu kämpfen. Zu ihnen gehört Oberbürgermeister Matthias Klopfer. Gleich im März hatte er sich beim Skifahren in Ischgl angesteckt. Die Infektion ist glimpflich abgegangen. Längst sitzt er wieder im Rathaus und betreibt seine Amtsgeschäfte. Und trotzdem. So ganz der Alte ist er nicht. Wie er die Krankheit erlebt hat, welche Folgen sie heute noch für ihn hat und warum er sich auf jeden Fall impfen lassen wird, darüber spricht er ganz offen.

Die Angst vor Nebenwirkungen bleibt

Als sich Matthias Klopfer Anfang März mit dem Virus infizierte, haben viele noch nicht einmal so richtig gewusst, was das eigentlich ist. Was genau war dieses Corona eigentlich, das irgendwo in China ausgebrochen war? Ein knappes Jahr und unzählige Infizierte später sind Ärzte und Wissenschaftler mit ihren Erkenntnissen zwar weitergekommen, doch noch längst ist nicht alles bekannt über das unheilvolle Virus und dessen Folgen. Matthias Klopfer hat die Infektion damals wie eine starke Grippe erlebt. Mit trockenem Husten, Erschöpfung, Kopf- und Gliederschmerzen, und eigentlich hat er sie ganz gut weggesteckt. Doch die Unsicherheit, ob wirklich alles überstanden ist, bleibt. Und sie belastet ihn: „Immer, wenn es einem nicht so gut geht, hat man Angst, dass es sich doch noch um eine Nebenwirkung handeln könnte“, erzählt er. Erst vor kurzem war er deshalb bei seinem Kardiologen, um sich untersuchen zu lassen. Der attestierte ihm ein kerngesundes Herz. Diese Woche hat Matthias Klopfer einen Termin bei seinem Lungenfacharzt.

Stadtpolitik am Telefon

Vermutlich gehörte die frühe Corona-Infektion des Schorndorfer Oberbürgermeisters zu denen, die am meisten Aufsehen im Kreis erregt haben. Immerhin hatte sich aufgrund von Klopfers Covid-Erkrankung die Führungsmannschaft der Stadt Schorndorf in Quarantäne verabschieden müssen. In der Folge fand die Stadtpolitikvor allem am Telefon statt. „Ich war extrem angespannt und krank“, erinnert er sich. Einmal sei er bei einer Telefonkonferenz schlichtweg eingeschlafen. Eine große Unsicherheit habe geherrscht, wie man mit Corona umgeht. Um sich selbst habe er sich weniger Sorgen gemacht, aber große Angst gehabt, dass er andere Personen infiziert haben könnte. „Und bei einem Pressegespräch haben sich zwei Leute, die neben mir saßen, angesteckt.“

Im April fing er mit dem Training an

Es war die Zeit der telegenen Virologen, der Fernseh-Sondersendungen, der Bilder von den Toten von Bergamo. Als Asthma-Kranker, der gegen so gut wie alles allergisch ist und auf sein Cortisonspray angewiesen ist, galt der Anfang 50-Jährige als Risikopatient. Es klang ja auch plausibel: „Bronchien und Lungen sind dauerhaft geschädigt.“ Heute weiß er, dass er doch nicht zur Hochrisikogruppe zählt. Damals setzte Matthias Klopfer, der Skifahrer, der Läufer und Rennradfahrer, auf Sport. Zum einen habe er nach der überstandenen Infektion seinen Körper fitmachen wollen, zum anderen hatte er wegen der unzähligen Corona-Absagen aber auch mehr Zeit als sonst. Im April fing er langsam mit dem Training an, seitdem, sagt er, habe er mehrere Tausend Kilometer mit dem Fahrrad zurückgelegt. Seine Frau, die ebenfalls an Corona erkrankt war, auf dem Pedelec an seiner Seite. „Der Sport hat mir über meine Ängste hinweggeholfen“, sagt er heute. Doch so fit wie vor Corona fühlt er sich noch nicht. Eine Restsorge ist geblieben.

Angesichts anderer - auch dramatischen - Verläufe ist Mathias Klopfers Corona-Erkrankung glimpflich ausgegangen. Ist er nun auch immun? „Ich gehe davon aus, dass ich noch Antikörper habe“, sagte er. Aber impfen lassen will er sich auf jeden Fall. Wobei er nicht erwartet, wegen seiner chronischen Atemwegserkrankung schneller als andere dranzukommen. Und was denkt er angesichts seiner Erfahrungen über Querdenker und Coronaleugner? „Mir fehlt jedes Verständnis“, sagt Klopfer. Und keiner, der an Querdenker-Demos teilnimmt, könne behaupten, er wisse nicht, mit wem er da mitlaufe. „Ich habe aber keine Sorge um die Demokratie“, erklärt er. In der Bevölkerung seien die Querdenker nicht verwurzelt. Zu den Demos auf dem Marktplatz kämen viele von außerhalb.

Die größte Sorge ist die Einsamkeit der Menschen

2020 war für viele Menschen kein einfaches Jahr, da ist Matthias Klopfer keine Ausnahme. „Meine größte Sorge ist die Einsamkeit unter den Menschen“, sagt er. Soziale Kontakte seien mit Abstandsregeln schwer aufrechtzuerhalten, und während manche zu lässig unterwegs seien, seien andere überängstlich und genau deshalb anfällig, krank zu werden. Aber auch Positives konstatiert er im Corona-Jahr. „Die Menschen sind weniger erkältet, das Thema Hygiene sollten wir beibehalten.“ Matthias Klopfer weiß, wovon er spricht: Als Stadtchef, der schon von Amts wegen häufig Hände schüttelt, hat er sich das Händewaschen früh angewöhnt. Schon lange vor der Corona-Pandemie hat er sich angewöhnt: Wenn ein Besucher sein Dienstzimmer verlässt, dem er die Hand geschüttelt hat, wäscht er sich konsequent die Hände. „So bin ich in 14 Jahren fast nie krank geworden“, meint er.

Die Sehnsucht nach Normalität

Und das nächste Jahr? Alle sehnen sich nach Normalität, doch so ganz normal, glaubt Matthias Klopfer, wird es wohl noch nicht werden. Zuversichtlich ist er aber, dass im Sommer 2021 die Hälfte der Bevölkerung geimpft sein wird. Eine SchoWo wird es wohl geben, vermutet er, aber eine mit mehr Abstand, eingeschränkten Öffnungszeiten und ein bisschen weniger Feierlaune. Das muss ja nicht nur schlecht sein – wenn nicht auch noch die spontanen Kontakte, die ungeplanten Erlebnisse fehlen würden. „Ich habe dieses Jahr keine neuen Menschen kennengelernt“, sinniert er. Dafür habe er zu Hause so viel gekocht wie noch nie.

Während wir aktuell gegen die zweite Corona-Welle kämpfen, haben viele Menschen, die sich im Frühjahr infiziert haben, noch mit den Folgen von Covid zu kämpfen. Zu ihnen gehört Oberbürgermeister Matthias Klopfer. Gleich im März hatte er sich beim Skifahren in Ischgl angesteckt. Die Infektion ist glimpflich abgegangen. Längst sitzt er wieder im Rathaus und betreibt seine Amtsgeschäfte. Und trotzdem. So ganz der Alte ist er nicht. Wie er die Krankheit erlebt hat, welche Folgen sie heute noch

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