Schorndorf

Von der Jugend, für die Jugend

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Rund 120 Schüler diskutierten beim Jugendforum. Zwei Fragen rahmen den Morgen ein: SchoWo und das erwünschte Jugendcafé. © ZVW / Schneider
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Schowo Menschenmassen Jugendlich hintern Schloss beim Vorglühen - Bitt max 2 Sp © ZVW / Habermann

Schorndorf. „Ihr müsst euch zu Wort melden“, forderte Oberbürgermeister Matthias Klopfer beim ersten Schorndorfer Jugendforum in der Daimler-Realschule. Rund 120 Jugendliche aller Schulen diskutierten untereinander und mit Gemeinderatsvertretern, wie sie Schorndorf jugendlicher machen können. Aufhänger waren die SchoWo und das gewünschte Jugendcafé in der Stadt. Am Ende wurden Ergebnisse vorgestellt. Von der Jugend müsse ein Signal kommen. Das hielt die Jugend fest, die JIS.

JIS steht für Jugendinitiative Schorndorf, in der sich junge Leute für eine jugendliche Stadt und ihre jungen Bewohner einsetzen.

Ein JIS-Projekt ist das Jugendcafé: In zentraler Lage soll ein Anlauf- und Treffpunkt für den Nachwuchs geschaffen werden.

Außerdem stand die SchoWo auf der Tagesordnung: Wo können sich die jungen Leute in Zukunft treffen, wenn der Schlosspark für die Gartenschau in Teilen umgestaltet wird? Wie können die SchoWo-Veranstalter mehr auf diese Zielgruppe eingehen, fragten Vertreter der JIS die 120 jugendlichen Delegierten, von denen sich später viele in Listen eingetragen haben, weil sie mitarbeiten möchten.

Auch die Jugend muss etwas tun

Die Vertreter der JIS hielten fest: Es könne Spaß machen, sich zu engagieren, um etwas zu erreichen. Dafür müssten sich die jungen Leute in ihrer Freizeit einbringen. Auch die Jugend muss etwas tun, hielt der neue Jugendreferent Peter Komhard fest, der die Schnittstelle zwischen Jugendlichen, Gemeinderat und Verwaltung sein wird – eine wichtige Funktion.

Denn ein bisschen schoben sich beide Seiten den Schwarzen Peter zu. Die Jugendlichen verraten im Gespräch, in der Vergangenheit hätten sie oft den Eindruck gehabt, die Stadt erkundige sich, Treffen fänden statt, etwas werde zu Papier gebracht. Doch am Ende sei zu oft zu wenig passiert. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Einige Jugendliche fühlen sich unwillkommen

Das mündete in die zugespitzte Aussage, einige Jugendliche fühlten sich „unwillkommen“, nicht nur auf der SchoWo. Weil es zu später Stunde auf der Festwoche keine richtigen Angebote für sie gebe, treffe man sich im Schlosspark.

In der Stadt fehle ein zentraler Ort, wo sich Jugendliche treffen könnten, um sich gemütlich hinzuhocken, zu plaudern. „Hingehen ohne Bestellzwang“, sagte jemand. Einige bemängelten, sie wüssten nicht, wen sie bei der Stadt ansprechen könnten.

Klopfer: "neue Form der Jugendbeteiligung"

Fragen wir OB Matthias Klopfer. Der hielt in seinem Grußwort fest, er sei gespannt, was die Jugendlichen in Sachen Schule, Freizeit und Zukunftsfragen bewege. Er lobte den Mut, diese „neue Form der Jugendbeteiligung“ zu starten, nachdem der Jugendgemeinderat „vorerst gescheitert“ sei.

Die mittlere und die ältere Generation seien in der Kommunalpolitik gut vertreten, anders als Leute unter 30. Lediglich ein Haushaltsantrag betreffe die Jugend, der SPD-Antrag zu Grillplätzen und Treffpunkten. Klopfer warb: Die Jugendlichen sollen mitmachen, im Gemeinderat, bei den Parteien, sich ehrenamtlich engagieren. „Ihr müsst euch zu Wort melden!“

Angebote seien auf wenig Resonanz gestoßen, so Klopfer

Trifft der Vorwurf der Jugendlichen zu? Es gibt Angebote, widerspricht Klopfer. Die seien aber oft auf wenig Resonanz gestoßen.

Dass das Rathaus allen Interessierten offensteht, muss er nicht sagen. „Du brauchst auch Jugendliche, die mitmachen“, sagt er und verweist auf ein strukturelles Problem: In Zeiten von G 9, Zivil- und Wehrdienst hätten viele junge Leute die Stadt erst mit 19 oder 20 Jahren verlassen, wenn sie ins Berufsleben starteten.

Konkrete Projektgruppen finden

Das Zeitfenster, sich für die Jugend und den Ort zu engagieren, sei heute enger geworden. Damit würden die Akteure schneller wechseln – und seien jünger geworden. Das bestätigt Schulsozialarbeiter Sebastian Frey. Der hofft, dass sich im Zuge des Jugendforums nun konkrete Projektgruppen finden.

Es sei gut, dass Vertreter der vier Fraktionen und der Verwaltung teilnehmen, denn die Verankerung im Gemeinderat und im Rathaus sei wichtig. Hier kommen die JIS und der neue Jugendreferent Peter Komhard ins Spiel.

Die jungen Leute betonen, die Gemeindeordnung schreibt die Beteiligung für Kinder und Jugendliche vor. Gelingt wegen des Forums nun die Verbindung zwischen Fraktionen, Jugend und Verwaltung, könne man mit der Jugendbeteiligung endlich ernst machen, sagen JIS-Vertreter.

Antrags- und Rederecht für junge Leute

Stefan Semjancuk und Kai Schwarz, sie sind auch nach dem Abitur noch sehr engagiert, wünschen sich, dass sich nun Expertengruppen bilden, die auch am Ball bleiben und Lösungen entwickeln. Sie haben die Werbetrommel fürs Jugendforum gerührt. Jede Schule hatte ein Kontingent. Die Resonanz sei sehr gut.

Nun drehe man den Spieß um: Vorher sei die Stadt auf die Jugendlichen zugegangen, nun melden sich die jungen Leute zu Wort, könnten ihre Bedürfnisse in den Gemeinderat tragen, hätten ein Antrags- und Rederecht. Die JIS könne auf Projektebene, anders als ein Jugendgemeinderat, bestenfalls kontinuierlich arbeiten.

Jugendcafé: Gemeinderäte reagieren zurückhaltend

Jugendreferent Peter Komhard wird und will hier eine richtige Rolle spielen. Und das scheint nötig: Als die Jugendlichen den Wunsch äußern, in einem Jugendcafé etwas Geld zu verdienen, reagieren die Gemeinderäte zurückhaltend. Erst müsste man das Projekt auf die Beine stellen und nicht gleich Forderungen stellen, so Ingo Sombrutzki offen und ehrlich. Geld könne man einnehmen, wenn man Partys oder Ähnliches organisiere, rät er.

Wichtig sei ein Café, das allen offenstehe, auch was die Schularten betreffe. Alle sollten hingehen wollen.

Missverständnisse ausräumen

Nadia Pagano regt an, sich einig zu werden, ob man ein gastronomisches oder ein pädagogisches Konzept wolle. Peter Komhard sieht ein Missverständnis. Er kennt ähnliche Projekte, wo junge Leute fürs Kellnern oder dergleichen einen Euro die Stunde kriegen würden. Von viel mehr spreche man hier nicht.

Insofern bleibt es wichtig, dass das Jugendforum dauerhaft etabliert wird, damit sich beide Seiten austauschen können – auch manche Missverständnisse ausräumen.

Kai Schwarz und Stefan Semjancuk brauchen nun Unterstützer: „Jetzt sind wir auf euch angewiesen: von der Jugend, für die Jugend!“


Die 120 Jugendlichen aller Schulen thematisierten die Themen „SchoWo“ und „Jugendcafé“ anhand verschiedener Fragestellungen. Die Stadträte konnten die Ideen kommentieren.

Thema Nummer eins, SchoWo. Gibt es für die Jugendlichen eine Alternative zum Schlosspark? Eher nicht, machten die Jugendlichen deutlich, man wolle nah bei den Ständen bleiben.

Doch was ist, wenn Stadt- und Schlosspark wegen der Gartenschau 2019 nicht mehr oder nur noch eingeschränkt zur Verfügung stehen? Alternativen? Die Auwiese hinterm Lidl-Parkplatz, weil wenig Wohngebiet und relativ nah an der Stadt, die Raible-Anlage, aber Lärm-Problem und schlechte Toiletten-Situation, sowie gegebenenfalls Schulhöfe oder beim SG-Gelände.

Beste Alternative: die Auwiese

Dazu Kurt Mächtlen: Einen Alternativplatz zu finden wird nicht einfach. Wo soll man 1000 Jugendliche unterbringen? Beste Alternative wäre die Auwiese. Das Gelände müsste man anmieten und herrichten. Sozialarbeiter Sebastian Frey ist Fan dieser Alternative, dort könnte eine Bühne stehen.

Ingo Sombrutzki brachte ins Spiel, auch den Innenhof des Burgschlosses nutzen zu können. Die Auwiese könnte für zwei Jahre eine Alternative sein.

SchoWo für Jung und Alt

Welche Angebote sollte die SchoWo Jugendlichen machen? Mehr Musik für junge Leute, weniger 80er und 90er. Verringerte Preise für Schüler: Vier Euro für ein Radler sei teuer. Man könnte Wettbewerbe, Motto-Partys, Turniere und Spiele für Kinder und Jugendliche organisieren, dazu Workshops, damit sich die jungen Leute auch einbringen könnten. Dadurch würden sie mit Vereinen zusammenkommen. Die Anreise mit Bus und Bahn gelte es zu verbessern, die Anbindung müsse günstiger werden.

Wichtig sei es, dass sich Jugendliche absondern könnten. Alte und Junge sollten die SchoWo parallel genießen können. Mehr Mülleimer und Sitzmöglichkeiten und abends mehr Licht wünschen sie sich, vor allem im Schlosspark, um das Sicherheitsgefühl zu erhöhen. Dazu mehr Aufsichtspersonal.

Gelände abzäunen?

Ein Vorschlag: die SchoWo nicht nur auf die Innenstadt beschränken, vielleicht das Areal einzäunen und den Zugang über Bänder regeln. Dadurch könnte auch der Ausschank von Alkohol an Jugendliche – und alle anderen – kontrolliert werden. Marcel Kühnert kündigte an, die Stadt werde die Beleuchtung sicherlich verbessern.

Die Stadt sollte außerdem Steckdosen und WLAN anbieten, die Toiletten-Hygiene im Blick haben, sagen Jugendliche. Schließfächer wären praktisch. Es müsste mehr kulinarische Angebote geben, die sich Schüler leisten können, ergänzt um vegane und vegetarische Speisen verschiedener Kulturen. Flüchtlinge könnten landestypisches Essen bieten. Eine Rote für 3,50 Euro sei zu teuer.

Ideen für ein Jugendcafé

Ein Name fürs gewünschte Jugendcafé konnte noch nicht gefunden werden. Konkrete Öffnungszeiten wurden noch nicht vorgestellt, morgens könnte das Café wohl geschlossen sein, am Wochenende und bei Aktionen sollte es länger offen sein. Das Essen sollte vielfältig und international sein, auch für Veganer und Allergiker. Die Preise sollten an die finanziellen Verhältnisse der Jugend angepasst sein. Regionale Läden sollten unterstützt werden.

Die Frage, ob Aufsichtspersonen gewünscht sind, wurde nicht klar beantwortet. Gegebenenfalls reiche ja erwachsenes Personal. Mindestens ein Erwachsener müsste dort sein. Sozialarbeiter könnten kommen. Ein striktes Alkoholverbot könnte zulasten einer älteren Zielgruppe gehen. An Ausstattung wünscht man sich Spielekonsolen, Sofas, WLAN, Chill-Bereiche und Barrierefreiheit.

Gewünscht: Jobs für Schüler

Es sollte Aktionen und Events geben: Brunch, Karaoke und mehr. Treuekarten für die Kundschaft wären gut, Hausaufgabenbetreuung sinnvoll. Bands könnten auftreten.

Es wurde der Wunsch geäußert, dass Schüler dort arbeiten und Geld verdienen können. Für 14-Jährige gebe es kaum Jobangebote.

Wie ein Café für Erwachsene

Wichtig sei eine zentrale Lage mit entspannter Atmosphäre. Man wünsche sich das Flair eines schönes Cafés für Erwachsene, nur eben ohne Erwachsene.  Man möchte bei der Gestaltung des Angebots und der Preise mitsprechen. Es soll ein Treffpunkt werden, kein Jugendhaus-Charakter.

Die Ideen der jungen Leute sollen ausgewertet und der Stadt präsentiert werden.

Hatten die Jugendlichen noch Fragen? Eine. Parkplätze an den Schulen seien Mangelware, sagt einer. Kurt Mächtlen deutet an, dies werde wohl so bleiben.


„Bitte bleibt dran!“

Die Vertreter der Fraktionen freuen sich über das Engagement der jungen Leute.

Kurt Mächtlen, FDP/FW, lobt, wie einige Jugendliche auf den Tischen liegen, Vorschläge auf Plakate schreiben. Dieses Engagement gelte es zu bewahren.

Marcel Kühnert, SPD, nimmt erfreut zur Kenntnis, wie emotional die Schüler diskutieren.

Räte stellen sich als Projektpaten zur Verfügung

Auch Ingo Sombrutzki, CDU, und Nadia Pagano, Grüne, stellen sich im Anschluss, wie alle anwesenden Stadträte, als Paten für Projekte zur Verfügung. Damit sollte die Verzahnung zwischen jungen Leuten und Verwaltung/Gemeinderat umzusetzen sein.

Auch ihr Wunsch sei es, an den Projekten dranzubleiben, betonen die Räte. Pagano, Jahrgang 1980: „Schon unsere Generation hat bemängelt, dass es auf der SchoWo keinen DJ gibt.“ Sie wünscht sich ein gutes Stadtfest für Jung und Alt. „Engagiert euch“, ermuntert sie die Jugend.

Stichwort Jugendcafé: "Baut es auf!", sagt Mächtlen

„Wir brauchen vor allem euch“, sagt Marcel Kühnert. Er hofft, dass das Jugendforum frischen Wind bringt. Doch es führe nicht von alleine zum Ziel: Er wünscht sich, mehr von den Jugendlichen dauerhaft zu sehen.

Ingo Sombrutzki rät: Wer etwas erreichen und haben möchte, Stichwort Jugendcafé, der muss mitmachen. Kurt Mächtlen: Derlei Projekte fangen unten an. „Baut es auf!“, sagt er über das Jugendcafé-Projekt.

Appell: Sprecht Räte an

Nadia Pagano rät, bei den Wünschen und den Bedürfnissen auch daran zu denken, was die Stadt leisten kann. Alles gehe einfacher, wenn sich die Jugend engagiert. Ob derlei Projekte ein Erfolg werden können, sagt Sombrutzki, liege auch daran, was die Menschen bereit sind zu geben, wie sie sich einbringen wollen.

Die Räte werben darum, dass man sie anspricht, gerne auch per Mail oder über Facebook.