Schorndorf

Warum das DRK Schorndorf "Helfer vor Ort" sucht

Helfer des DRK
Die Schorndorfer Helfer vor Ort, Ben Krötz (links) und Pascal Hielscher, zeigen anhand dieser gestellten Situation, mit welcher Ausrüstung sie eine Patientin behandeln können. © ALEXANDRA PALMIZI

Unfassbare, unglaubliche Bilder aus den Hochwasser-Katastrophengebieten – auch die Mitglieder des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Ortsverein Schorndorf, verfolgen die Nachrichten, die Aufräumarbeiten in den betroffenen Gebieten und die Unwettervorhersagen, die in den kommenden Tagen immer wieder für Schreckmomente sorgen. „Man findet kaum Worte dafür. Das muss man sich mal vorstellen, immer noch sind einzelne Orte nicht zugänglich oder nur mit allerhöchster Vorsicht, und Menschen werden nach wie vor vermisst“, betroffen äußert sich der DRK-Bereichsleiter Schorndorf, Josef Herbert. Er kennt Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Schorndorf und der Umgebung, die vor Ort in Nordrhein-Westfalen geholfen haben oder noch helfen.

DRKler aus Schorndorf bisher nicht aktiviert

Die DRKler aus der Daimlerstadt wurden bis jetzt noch nicht aktiviert, aber sie stehen in den Startlöchern: „Wir könnten sofort losfahren, wenn die Alarmierung käme“, berichtet Herbert. Wenn die Alarmierung erfolge, sei man zwischen 30 und 60 Minuten mit dem Fahrzeug zum „Bevölkerungsschutz“, das vom Land Baden-Württemberg gestellt wird, startklar und fahre zur Sammelstelle nach Bruchsal. Dort werde dann eingeteilt, was wo gebraucht werde.

Der Wagen sei ein „Zwei-Trage-Wagen“, zwei Personen können also gleichzeitig befördert werden. Josef Herbert: „Kinder und Erwachsene können behandelt werden, und ein Notarzt kann sogar eine kleinere OP durchführen.“ Auch ein Lastwagen des DRK steht bereit und wurde bereits angemeldet – wenn er beispielsweise als Logistikfahrzeug benötigt werde, könne er eingesetzt werden. Man könne nur hoffen, dass sich die Situation in den betroffenen Hochwasser-Gebieten entspanne, und dass nicht neue Unwetter für weitere Zerstörungen sorgen. „Die Aufräumarbeiten und die Aufbauarbeiten werden Monate dauern“, so der DRK-Bereichsleiter betroffen.

Helfen – das Hauptthema für das Deutsche Rote Kreuz. „Ehrenamtliche suchen wir immer“, gibt Josef Herbert zu. Das DRK an Rems und Murr hat es seit einiger Zeit geschafft, mehrere ehrenamtliche Ersthelfer in jeder Gemeinde zu finden und auszubilden. Im Moment ist der Schorndorfer DRK-Ortsverein aber explizit auf der Suche nach Freiwilligen, die sich zum „Helfer vor Ort“ (HvO) ausbilden lassen möchten. Eine wichtige Aufgabe, wie Josef Herbert betont. Die Helfer vor Ort werden bei schwerwiegenden Notfallereignissen, wie beispielsweise Herz-Kreislauf-Stillstand oder Bewusstlosigkeit, standardisiert immer parallel zum Rettungsdienst alarmiert. Ihre Aufgabe ist es, im Ernstfall die therapiefreie Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes oder Rettungsdienstes zu überbrücken. Herbert: „Dies reduziert die Wahrscheinlichkeit, bei längerer Bewusstlosigkeit Folgeschäden zu erleiden, ganz erheblich.“ Die HvO können unter anderem reanimieren, Sauerstoff geben, einen Druckverband anlegen, eine erste Diagnose stellen und Leitstelle und Rettungsdienst mit wichtigen Zusatzinformationen versorgen. Mittlerweile gibt es knapp 200 Helfer vor Ort im Landkreis.

Der Anfang, Ehrenamtliche für diese Aufgabe gewinnen zu können, sei schwer gewesen gibt Josef Herbert zu. Mittlerweile haben die Helfer vor Ort aber an Anerkennung gewonnen. Acht Retter mit dieser Bezeichnung gebe es derzeit beim Schorndorfer DRK, „zwei noch in Ausbildung“. Der DRK-Bereichsleiter lobt: „Keiner hat irgendwann einmal gefragt, was man dafür bekommt.“ Die ehrenamtlichen Lebensretter legen beim DRK einen Erste-Hilfe-Kurs mit acht Doppelstunden sowie eine Sanitätsausbildung mit 64 Stunden ab.

Darin enthalten sind eine Schulung in der Herz-Lungen-Wiederbelebung und eine Einweisung in die Frühdefibrillation. Zusätzlich erhalten sie noch eine eintägige Einweisung in die Tätigkeit des Helfers vor Ort. Während ihrer Ausbildung sammeln die Helfer vor Ort praktische Erfahrungen auf dem Rettungswagen, auch danach bilden sie sich ständig fort. Die Helfer vor Ort sind Mitglieder der Bereitschaften und werden von diesen gestellt. Material sowie Fahrzeuge werden in der Regel durch den jeweiligen Ortsverein getragen.

In jedem Ort könnte es Helfer vor Ort geben

Die Ehrenamtlichen übernehmen die Versorgung des Patienten, bis der Rettungsdienst eintrifft. Sie führen lebenserhaltende Sofortmaßnahmen wie die Herz-Lungen-Wiederbelebung durch und betreuen die Patienten. Dabei steht jedem Helfer vor Ort eine komplette Notfallausrüstung zur Verfügung, die unter anderem ein Blutdruck- sowie Blutzuckermessgerät, Verbandsmaterial enthält. Nach schwierigen Einsätzen gibt es psychologische Betreuungsangebote für die Helfer.

Warum das DRK Schorndorf weitere Helfer vor Ort sucht? „Grundgedanke und Ziel ist es, die Ortsteile gut zu versorgen“, bringt es Josef Herbert auf den Punkt. Er weiß: Nicht in jeder Gemeinde kann eine Rettungswache stehen. Aber in jedem Ort könnte es HvO geben. Ihre Schnelligkeit macht sie so wertvoll.

Wer wird Helfer vor Ort? – Einige arbeiten hauptamtlich im Rettungsdienst, bei der Feuerwehr oder in der Pflege und wollen ihr Können den Menschen auch in ihrer Freizeit zur Verfügung stellen. Doch auch Bänker, Angestellte, Arbeiter in der Industrie und viele andere engagieren sich ehrenamtlich in ihrer Freizeit oder während des Berufs, wenn ihr Arbeitgeber sie für Einsätze freistellt.

Ohne weiteres kann man diese Einsatzkräfte als Helden des Alltags bezeichnen. Einige von ihnen haben durch ihr persönliches Engagement ein Menschenleben gerettet. Sie wurden alarmiert, schnappten sich ihren Notfallrucksack und gingen oder fuhren los, um Menschen aus ihrer Nachbarschaft zu helfen – oft im eigenen privaten Fahrzeug.

Pascal Hielscher, 23 Jahre alt, ist seit 2019 solch ein HvO. Er studiert Agrarwissenschaften. „Ich glaube, jeder DRKler hat ein Helfersyndrom“, antwortet Hielscher auf die Frage nach seiner Motivation, ein HvO zu sein. Er berichtet von Einsätzen, bei denen „die Reanimation mal gelingt und mal nicht“. Da gebe es jene Einsätze, bei denen alle Anstrengungen am Ende vergebens waren. Und wiederum sei es ein „großartiges Gefühl, Patienten mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, zurückzuholen“. Was nüchtern klingt, ist für die Rettungskräfte eine Situation, mit der sie lernen, umzugehen. „Bedrückend ist es, wenn Kinder bei Einsätzen betroffen sind“, gibt der 23-Jährige zu und erhält zustimmendes Kopfnicken von Ben Krötz.

Der 21-Jährige ist seit 2017 Rettungssanitäter, seit 2018 HvO und befindet sich in der Notfallsanitäterausbildung*. Er erzählt, was ihn dazu gebracht hat: Er sei da so „reingerutscht in die DRK-Schiene und dann dabei geblieben“: „Es ist eine abwechslungsreiche Aufgabe und es hat seinen eigenen Reiz.“ Er hält sich immer ein Beispiel vor Augen: „Wenn meinem Nachbarn was passiert, kann ich sofort richtig handeln und helfen. Das ist eine tolle Aufgabe.“ Und wenn die HvO dann noch ein Dankeschön erhalten, sind alle zufrieden: Helfer, Patienten und Angehörige.

Info: Der DRK-Kreisverband und die Ortsvereine freuen sich über Spenden und Fördermitglieder, die die Arbeit des DRK unterstützen. Wer Interesse hat oder Information möchte, wie man zum „Helfer vor Ort“ wird, kann sich beim Kreisverband oder den DRK-Ortsvereinen direkt melden (Internetadresse: www.drk-rems-murr.de).

*An dieser Stelle haben wir die ursprünglichen Angaben im Artikel korrigiert, Ben Krötz ist nicht mehr in der HvO-Ausbildung.

Unfassbare, unglaubliche Bilder aus den Hochwasser-Katastrophengebieten – auch die Mitglieder des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Ortsverein Schorndorf, verfolgen die Nachrichten, die Aufräumarbeiten in den betroffenen Gebieten und die Unwettervorhersagen, die in den kommenden Tagen immer wieder für Schreckmomente sorgen. „Man findet kaum Worte dafür. Das muss man sich mal vorstellen, immer noch sind einzelne Orte nicht zugänglich oder nur mit allerhöchster Vorsicht, und Menschen werden nach

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper