Schorndorf

Warum die Bäckerei Wiedmaier in Schorndorf einen Zweite-Chance-Laden eröffnet hat

WiedmaierBaecker
Jenny und Florian Wiedmaier in ihrer Filiale in der Göppinger Straße bei Netto. Dort gibt es jetzt Backwaren vom Vortag zum halben Preis. Das Unternehmerpaar will Brot, Brötchen und süße Teilchen nicht mehr wegwerfen, sondern ihnen eine „zweite Chance“ geben. © Gaby Schneider

Jeden Tag werden Unmengen von Brot und Brötchen weggeworfen. Backwaren, die eigentlich einwandfrei sind, aber vom Vortrag stammen. So war es auch bei der Bäckerei Wiedmaier. Auch noch kurz vor Ladenschluss sollten die Regale gut bestückt sein – das erwarteten die Kunden. Und daran ließen sie keinen Zweifel: Als Geschäftsführer Florian Wiedmaier abends den Nachschub reduzierte, um weniger wegwerfen zu müssen, erreichten ihn wütende Mails und Beschwerden von Kunden. Zu den Kundenwünschen kam, dass es in einer Bäckerei nicht leicht sei, die Mengen genau zu kalkulieren.

Doch was tun mit den riesigen Resten an Brot und Brötchen? Obwohl der Tafelladen einen Teil der Backwaren holte, und Bauern das Brot als Futtermittel für ihre Tiere nutzten, seien Unmengen übrig geblieben, die er am Ende in der Deponie entsorgen musste, sagt Wiedmaier. Als er dann noch erfuhr, dass er eine Futtermittelzulassung braucht, um den Bauern das Brot für ihre Tiere schenken zu dürfen, reichte es ihm. „Damit fiel der letzte Sinn weg“, sagt auch Jenny Wiedmaier. Andere Bäckereien stellen einen Ständer mit Backwaren vom Vortrag auf oder verkaufen Brot und Brötchen ab 17 Uhr zum halben Preis. „Dann aber ist der Laden bis 17 Uhr fast leer“, weiß Florian Wiedmaier. Ein Jahr hat’s gedauert: Dann hatten Wiedmaiers im Urlaub beim Frühstücksbuffet die passgenaue Idee, wie sie ihre eigenen Produkte retten konnten: Unter dem Motto „Gutes von gestern“ erklärten sie einen ihrer acht Läden zum Zweite-Chance-Bäckerladen.

Die Verkaufsleiterin informiert die Kunden: Die allermeisten finden es gut

Seit 1. Juli werden in der Filiale im Vorraum von Netto nun die Überschüsse der sieben anderen Wiedmaier-Läden zum halben Preis verkauft. Nur Brezeln, die sogenannten „Wiedi“-Brötchen, Laugen und belegte Brötchen sind frisch. Alles andere ist vom Vortag und bekommt nun „eine zweite Chance“. Appetitlich und akkurat gestapelt liegen die Backprodukte in den Regalen und der Auslage. Dass sie vom Vortag sind, sieht man ihnen nicht an. Verkaufsleiterin Brigitte Jennewein klärt die Kunden deshalb auf. Die meisten finden das Konzept der zweiten Chance richtig gut: „Die Reaktion ist zu 80 bis 90 Prozent positiv“, sagt sie.

Die Energiepreise sind ein Riesenproblem

Kein Wunder, denn eine Win-win-Situation ist es für alle Seiten. Wiedmaier kann seine Produkte noch verkaufen, Ressourcen werden gespart und die Kunden bekommen das Brot vom Bäcker zum halben Preis. Dass es für viele Kunden nicht selbstverständlich ist, für ein Brot 4,50 Euro zu bezahlen, wenn sie im Supermarkt eins für 1,99 Euro bekommen, weiß Wiedmaier durchaus. So aber bekämen die Kunden Qualität zu einem günstigen Preis. Mit dem halben Preis könne er seine Kosten decken. Dass die Rohstoffpreise aktuell explodieren, ist auch für die Bäckerei Wiedmaier ein Thema. Zuletzt seien die Preise im Schnitt um 50 Prozent gestiegen, so der Geschäftsführer. Das viel größere Problem seien aber die Energiepreise. „Wenn die Alarmstufe 3 beim Gas kommt, werden die alten Verträge ungültig und die Kosten schwanken von Tag zu Tag. Man weiß nicht, was kommt.“

Eine Konditorin kam nach einem Jahr zurück

Dazu kommen die Probleme, Mitarbeiter zu finden. Weil sich der Betriebsleiter selbstständig gemacht hat, neue Leute aber schwer zu finden sind, wurde die Betriebsorganisation umstrukturiert. Immerhin sei es gelungen, eine Konditorin, die ein Jahr lang weg war, ins Unternehmen zurückzuholen. „Aber in der Produktion fehlen uns mindestens drei Fachkräfte“, sagt Wiedmaier. Für manche Bäckereien ist die Personalnot mittlerweile existenzbedrohend. In Fellbach macht im August eine Bäckerei dicht, weil sie keine Leute mehr fand. Kein Wunder, dass Wiedmaier die Gesamtmelange fordernd und schwierig nennt. Egal, welcher Brandherd gerade gelöscht werde, zwei neue gingen hoch. „Aber wir wollen nicht jammern“, betont er.

Erst vor kurzem hat Wiedmaier die Initiative ergriffen und in seiner Filiale im Rehhaldenweg das Sortiment erweitert, nachdem der benachbarte Discounter Norma ausgezogen war. Nach der Schließung ließ er Kühlschränke und Regale aufstellen, um seine Kunden mit Milch, Butter, Eiern, Brotaufstrich und Dosenwurst versorgen zu können. Erfahrungen mit einem erweiterten Sortiment in der Bäckerei hat er bereits gesammelt. Seine Filiale in Breitenfürst sei fast schon ein Tante-Emma-Laden. Dort gibt es außer der Bäckerei keinen Laden, in dem die Leute zu Fuß einkaufen können.

Jeden Tag werden Unmengen von Brot und Brötchen weggeworfen. Backwaren, die eigentlich einwandfrei sind, aber vom Vortrag stammen. So war es auch bei der Bäckerei Wiedmaier. Auch noch kurz vor Ladenschluss sollten die Regale gut bestückt sein – das erwarteten die Kunden. Und daran ließen sie keinen Zweifel: Als Geschäftsführer Florian Wiedmaier abends den Nachschub reduzierte, um weniger wegwerfen zu müssen, erreichten ihn wütende Mails und Beschwerden von Kunden. Zu den Kundenwünschen kam,

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