Schorndorf

Warum ein Rudersberger Imker nicht unterschreibt

Bienen-Volksbegehren geht zu weit_0
Der 45-jährige Uwe Weingärtner hat 20 Bienenvölker. Er ist der Vorsitzende des Bezirksimkervereins Remstal, mit Sitz in Schorndorf. Sein Geld verdient er als Referent im Umweltministerium des Landes Baden-Württemberg © ZVW/Alexandra Palmizi

Schorndorf.
Mehr Öko-Landwirtschaft und weniger Pestizide. Der Imker Uwe Weingärtner klingt wie ein Naturschützer an vorderster Front. Doch der 45-jährige Rudersberger hat das Volksbegehren zur Biene bislang nicht unterschrieben und erklärt, warum.

Was halten Sie als Imker vom Volksbegehren?

Prinzipiell finde ich das Volksbegehren gut, denn es hat eine Diskussion über den Naturschutz im Land angestoßen. Auch wir Imker stellen fest, dass das Trachtangebot für die Bienen, also die Blüten und entsprechenden Pflanzen, zurückgeht. Die Honigbiene droht dank der Imker zwar nicht auszusterben, doch für die Wildbienenarten und auch viele andere Insekten wird die Situation zunehmend schwieriger. Eine Pestizidreduktion und weniger Monokulturen in unseren Landschaften sind daher durchaus sinnvoll. Wir brauchen strukturreichere Landschaften. Wer etwa nach der Obstblüte spazieren geht, der findet fast nur grüne Flächen, Getreide und Mais vor. Blühende Wiesen finden sich nur noch wenig, auch hier rund um Schorndorf.

In vielem, was Sie gesagt haben, stimmen Sie mit den Vertretern des Volksbegehrens überein. Warum wollen Sie es trotzdem nicht unterschreiben?

Die Landwirte dürfen nicht auf der Strecke bleiben. Aus meiner Sicht gehen die Forderungen der Initiative zu weit. Wir müssen auch die Situation der Bauern bedenken.

Was sollte aus Ihrer Sicht passieren?

Das Ganze ist ein strukturelles Problem. Denn entweder müssen die Landwirte für ihre Produkte mehr bekommen oder wir brauchen eine massive Förderung. Auf beiden Seiten muss aus meiner Sicht etwas passieren. Ich denke, das Land sollte eine Vorreiterrolle einnehmen und in öffentlichen Kantinen auf biologische und regionale Lebensmittel umsteigen. Dafür sollte die Landesregierung auch bereit sein, Geld in die Hand zu nehmen.

Welche zusätzlichen Förderungen vom Staat sollte es geben?

Es gibt heute schon Instrumente und Förderprogramme, um Flächen zu extensivieren, also weniger stark zu nutzen. Solche Programme sollten weiter ausgeweitet werden. Seit dem Regierungswechsel 2011 (Anmerkung der Redaktion: Als Grün-Rot in Baden-Württemberg an die Macht kam) hat sich einiges getan, aber noch immer geht zu wenig Geld in den Naturschutz. Die Biodiversität, also die Vielfalt von Tieren und Pflanzen in der Natur, muss aber auch ein zunehmend bedeutenderes gesellschaftliches Ziel sein. Denn wenn bestimmte Tiere und Pflanzen wegfallen, dann kann das Folgen für unser Ökosystem haben, die wir überhaupt nicht absehen können.

Sie sprechen von einem gesellschaftlichen Ziel, sehen Sie also auch die Verbraucher in der Pflicht?

Ja, die Konsumentinnen und Konsumenten sollten die Bauern vor Ort unterstützen, regional einkaufen und auf den Markt gehen. Das bedeutet allerdings auch, nicht die billigste Milch zu nehmen, sondern die Milch, von der die Erzeuger leben können, ohne die Flächen bis aufs Letzte auszunutzen.

Könnte auch die Lokalpolitik darauf Einfluss nehmen?

Ja, Städte und Gemeinden können auf ihren eigenen Flächen auf den Naturschutz achten. Die Bauhöfe etwa sollten Flächen auch mal über den Winter stehenlassen. Das sieht zwar nicht schön aus, hilft aber der Natur. In Pflanzenstängeln etwa legen Wildbienen und andere Insekten zum Überwintern ihre Eier ab. Wenn alles gemäht und weggeräumt wird, dann fehlen solche Möglichkeiten.

Die Imkerverbände sind sich nicht einig über das Volksbegehren. Der ehemalige Präsident des Bundesverbandes der Imker, Peter Maske, etwa, begrüßte das Volksbegehren. Warum gibt es diese Uneinigkeit?

Im Grunde sind sich die meisten Imker darüber einig, dass weniger Pestizide, mehr Bio-Landwirtschaft und der Schutz von Streuobstwiesen positiv sind. Doch wie wir dorthin kommen, wird auch bei uns Imkern kontrovers diskutiert. Der Bundesvorsitzende hat womöglich nicht den Einblick in die landwirtschaftlichen Strukturen bei uns in Baden-Württemberg und steht daher dem Volksbegehren anders gegenüber als die Landesverbände. Wir haben in Baden-Württemberg etwa viele Obsterwerbsbetriebe, die ganz ohne Pestizide nicht auskommen. Ein vollständiges Verbot wäre in diesen Fällen vielleicht das Ende vieler Betriebe. Daher muss man differenziert betrachten, welche Pestizide verboten werden sollten und bei welchen eine Reduktion sinnvoll wäre.

Bisher haben in Schorndorf nur 24 Bürgerinnen und Bürger das Volksbegehren unterschrieben. Überrascht Sie das?

Ehrlich gesagt ja. Nachdem das Thema so stark in der Presse war, habe ich mit einem größeren Interesse daran gerechnet. Ich gehe davon aus, dass der Gesetzentwurf von Pro-Biene viele Menschen wegen seiner Komplexität abschreckt. Wer das Naturschutzgesetz nicht kennt, der tut sich schwer, all die Forderungen der Initiative nachvollziehen zu können.


Schorndorf.
Mehr Öko-Landwirtschaft und weniger Pestizide. Der Imker Uwe Weingärtner klingt wie ein Naturschützer an vorderster Front. Doch der 45-jährige Rudersberger hat das Volksbegehren zur Biene bislang nicht unterschrieben und erklärt, warum.

Was halten Sie als Imker vom Volksbegehren?

Prinzipiell finde ich das Volksbegehren gut, denn es hat eine Diskussion über den Naturschutz im Land angestoßen. Auch wir Imker

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