Schorndorf

Warum in der Schorndorfer Innenstadt wieder zwei Parkplätze wegfallen

Wegfall Parkplätze
Die roten Markierungen sind schon angebracht, in den kommenden Tagen sollen vor Ernstings’s Family an der Johann-Philipp-Palm-Straße Halteverbotsschilder dazukommen. Zwei Parkplätze fallen hier aus Brandschutzgründen weg. © ALEXANDRA PALMIZI

Andreas Uhlig ist sauer: Erst bekam er kürzlich in der Einladung zu einer Kick-off-Veranstaltung für eine Schulung zum Thema „Einstieg in die Welt von Social Media Marketing und Local SEO“ vom neuen Eigenbetrieb Tourismus und Citymanagement in einer ziemlich missglückten Formulierung mitgeteilt, dass der Einzelhandel in Schorndorf tot ist und nur die Händler das noch nicht wissen. Und jetzt werden nach und nach immer mehr Parkplätze in der Innenstadt vernichtet: Direkt vor Ernsting’s Family, neben seinem Lederwarengeschäft an der Johann-Philipp-Palm-Straße, haben die Zentralen Dienste Markierungen für Halteverbotsschilder angebracht. Wegfallen sollen die beiden Parkplätze bereits in den kommenden Tagen.

Fahrzeugbrand hat gezeigt: Für die Feuerwehr ist  kein Durchkommen

Der Wegfall dieser beiden Parkplätze, teilt Herbert Schuck als Fachbereichsleiter Infrastruktur auf Anfrage mit, hänge mit brandschutzrechtlichen Anforderungen zusammen: „Beim letzten Fahrzeugbrand hatte es sich gezeigt, dass es für die Feuerwehr kein Durchkommen gab.“ Und Jessica Pulzer, Leiterin des Sachgebiets Verkehrsangelegenheiten, ergänzt: „Die Aufstellfläche für die Feuerwehr wurde von einem Brandschutzbüro festgelegt, da beim Umbau des Gebäudes eine Dachgeschosswohnung errichtet wurde. Bewohner dieser Wohnung müssen im Fall eines Brandes über ein Rettungsfenster geborgen werden.“ Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten gäbe es keine andere Aufstellfläche für die Feuerwehr.

Für Uhlig ist das aber ein weiterer Beleg einer „scheibchenweise Vernichtung von Parkplätzen“. Darum kritisiert er auch die Pläne für die mit dem Projekt „Klima Mobil“ verbundene Umgestaltung der Johann-Philipp-Palm-Straße, der Archivstraße und des Archivplatzes. Dort sollen, wie berichtet, nicht nur die Aufenthaltsqualität, die Begrünung und die Anbindung des Radverkehrs verbessert werden, sondern es sollen aller Voraussicht nach auch Parkplätze wegfallen. Entschieden ist nach Auskunft von Fachbereichsleiter Schuck noch nichts: Dieses Projekt – unter Leitung von Diana Gallego Carrera von der Stabstelle Klimaschutz und Mobilität – werde derzeit unter Mitwirkung der Gewerbetreibenden entwickelt. Im September sollen dem Gemeinderat dann drei Entwürfe zur weiteren Beschlussfassung vorgelegt werden. „Ohne Entscheidung des Gremiums wird es sicherlich keinen Wegfall von weiteren Stellplätzen geben“, versichert Herbert Schuck.

Genau davor warnen betroffene Händler wie Andreas Uhlig schon seit einiger Zeit: Für den Einzelhändler, der das Lederwarengeschäft von seinen Eltern übernommen hat, kommt der Wegfall von Innenstadtparkplätzen „einer Vertreibungspolitik gleich“: Wer Parkplätze auf dem Archivplatz oder auch dem Unteren Marktplatz opfern wolle, lasse die Bedürfnisse älterer Menschen, die sich meist schwertun, längere Strecken zurückzulegen, außer Acht. Und dabei, wird Uhlig nicht müde zu erinnern, ist die ältere Bevölkerung „für die Innenstadt wichtig“. Gehe es mit der Kundenfrequenz so weiter, gibt es aus Uhligs Sicht in zehn bis zwölf Jahren keinen nennenswerten Einzelhandel in den Städten mehr.

„Blöd gelaufen“: Eigenbetriebsleiter entschuldigt sich für Formulierung

Genau dafür, sagt Lars Scheel als Leiter des neuen Eigenbetriebs Tourismus und Citymanagement, mache er sich aber stark. Dass das Schreiben an die Gewerbetreibenden so unglücklich formuliert war, bedauert er im Nachhinein sehr. „Das ist blöd gelaufen“, sagt Scheel. Doch er habe, zusammen mit den beiden beteiligten Dienstleistern, sprachlich ein Ausrufezeichen setzen wollen. Tatsächlich sollte damit auch gar nicht zum Ausdruck gebracht werden, dass der Einzelhandel in Schorndorf schon tot ist, sondern dass es in den kommenden Jahren düster aussehen wird, „wenn wir nichts zusammen machen“.

Für den sprachlichen Fauxpas habe er sich bei den Gewerbetreibenden bereits entschuldigt. Doch für Scheel hat sich die Aufregung mittlerweile etwas relativiert: Bei mehr als 200 Adressaten kamen bisher schon 30 Anmeldungen für das Schulungsangebot des Eigenbetriebs zusammen. Das ist für Scheel eine sehr gute Quote. Und mehr als eine Beschwerde über die unglückliche Formulierung kam bei ihm bisher auch nicht an.

Andreas Uhlig ist sauer: Erst bekam er kürzlich in der Einladung zu einer Kick-off-Veranstaltung für eine Schulung zum Thema „Einstieg in die Welt von Social Media Marketing und Local SEO“ vom neuen Eigenbetrieb Tourismus und Citymanagement in einer ziemlich missglückten Formulierung mitgeteilt, dass der Einzelhandel in Schorndorf tot ist und nur die Händler das noch nicht wissen. Und jetzt werden nach und nach immer mehr Parkplätze in der Innenstadt vernichtet: Direkt vor Ernsting’s Family,

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