Schorndorf

Warum gibt es so viele Wildtiere im Schorndorfer Fuchshof?

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Mäusebussard
Normalerweise brütet der Mäusebussard in Alleen oder am Waldrand. © Gabriel Habermann
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Mäusebussard
Pünktlich zum Fototermin zeigt sich der Mäusebussard im Fuchshof von seiner schönsten Seite. © Gabriel Habermann

Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, muss nicht immer mitten im Nirgendwo sein. Im Fuchshof, genauer gesagt im Sebastian-Bach-Weg, lassen sich immer mehr Wildtiere nieder. Von Mäusebussarden, die in einem Garten brüten, über neugierige Füchse bis hin zu einer Waschbär-Familie - sie alle leben Tür an Tür mit den Menschen im Wohngebiet. Doch warum sind die Wald- und Wiesenbewohner eigentlich nicht scheu? Und warum dringen sie überhaupt so weit in den städtischen Raum vor?

Die Mäusebussarde haben sich längst an die Menschen gewöhnt

Die Mäusebussarde, erzählen mehrere Anwohner im Sebastian-Bach-Weg, wohnen schon seit fünf Jahren in einer Fichte im Fuchshof. Jedes Jahr wächst eine neue Generation an Küken heran. Anfangs war Paul, so wurde er schnell von der Nachbarschaft getauft, noch allein. Doch in seinem zweiten Sommer wurde er von einer Dame begleitet. Mäusebussarde, wie auch Turmfalken „brüten immer wieder in großen Gärten. Wenn dort die Strukturen passen, ist das eine Alternative, wenn es in der Feldflur knapp ist mit geeignetem Nistplatz“, teilt der Vorstandssprecher des Nabu Schorndorf, Wolfgang Bogusch, mit.

Die Freude war nicht nur bei den Nachbarskindern groß, als die Greifvögel ihr Nest gebaut und ihren Jungen nach der Brutzeit inmitten der Gärten das Fliegen beigebracht haben. Und das obwohl sie im Wohngebiet alles andere als ungestört sind. Spielende Kinder, eine Baustelle und Handwerker-Lärm sollten die Tiere eigentlich abschrecken. Auch ihr typisches Revierverhalten, das hin und wieder für Angriffe auf Jogger und Spaziergänger am Waldesrand sorgt, sei nicht zu beobachten. „Ein Vogel, der bewusst bei Menschen brütet, hat sich an den Menschen und sein Verhalten gewöhnt. Ein im Freien brütender Mäusebussard nimmt einen schnell auf seine Jungen zuspringenden Jogger als Gefahr wahr. Deshalb geht er in die Verteidigung“, erklärt Wolfgang Bogusch. Im Winter verschwinden die Bussarde allerdings immer wieder aufs Neue. Zwar gelten sie hierzulande überwiegend als Standvögel, jedoch gibt es unter ihnen der Nabu-Webseite nach auch sogenannte Teilzieher. Darunter versteht man Vögel, die im Winter nur teilweise am Vogelzug in die südlichen Gefilde teilnehmen oder nur unwesentlich ihre Heimat wechseln. Es könnte also durchaus sein, dass die Fuchshofer Mäusebussarde bei winterlicher Kälte den Landstrich wechseln.

Die Nahrungssuche treibt Füchse und Waschbären in die Gärten

Doch so richtig wacht die Tierwelt im Fuchshof erst auf, wenn die Dämmerung anbricht. So erzählen auch Margarete und Reiner Röck von spannenden Begegnungen mit Tieren. Marder und Füchse laufen regelmäßig durch ihren Garten. „Die kommen her und schauen uns einfach nur an.“ Angst vor den Menschen haben beide Tiere nicht wirklich, sagt Margarete Röck. Die Füchse, da sind sie sich sicher, leben irgendwo in der Nähe der Tennisanlage. Dass diese weit in den namensgebenden Fuchshof vordringen, verwundert nicht wirklich. Wolfgang Bogusch erklärt: „Sie kennen es ja auch aus Filmen aus Städten wie Berlin: Wildschweine, Waschbären, Füchse finden in Siedlungen offensichtlich genug Nahrung und Schutz. Auch hier ist der Mangel an Alternativen im Freien und die zunehmende Zersiedlung ein Grund.“

Zu diesen Opportunisten gehören auch Waschbären, die sich gerne zusammen mit einem Igel über das Vogelfutter im Garten der Röcks hermachen. Jeden Sommerabend ab 22 Uhr statten sie dem pensionierten Ehepaar einen Besuch ab. So niedlich die Tiere auch aussehen, so schnell können sie sich auch zum Problem entwickeln. Denn die kleinen Neubürger wurden erst vor ungefähr hundert Jahren als Pelzlieferanten aus Nordamerika nach Europa gebracht und fanden später ihren Weg in die schwäbische Wildnis. Wolfgang Bogusch sagt: „Waschbären sind eine große Plage, denn sie haben keine Feinde, sind sehr schlau und räumen unendlich Vogelnester aus. Das ist ein echtes Problem und gerade dieses Jahr beobachte ich eine echte Zunahme in meinem Umfeld.“

Mülltonnen und Komposthaufen kommen den Waschbären einer Einladung gleich. Deshalb empfiehlt der Nabu, die Tiere nicht extra zu füttern oder gar zu streicheln zu versuchen. Vogelfutter sollte möglichst unerreichbar für die Allesfresser aufbewahrt werden. „Denn wenn man weiter Futter anbietet, bleibt ein Waschbär dauerhaft da“, betont Wolfgang Bogusch.

Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, muss nicht immer mitten im Nirgendwo sein. Im Fuchshof, genauer gesagt im Sebastian-Bach-Weg, lassen sich immer mehr Wildtiere nieder. Von Mäusebussarden, die in einem Garten brüten, über neugierige Füchse bis hin zu einer Waschbär-Familie - sie alle leben Tür an Tür mit den Menschen im Wohngebiet. Doch warum sind die Wald- und Wiesenbewohner eigentlich nicht scheu? Und warum dringen sie überhaupt so weit in den städtischen Raum vor?

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