Schorndorf

Wasserschaden im Kindergarten: Wie geht's weiter?

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Am 7. Januar konnte nur die Krippengruppe in den ersten Stock des neuen Bewegungskindergartens einziehen, im Erdgeschoss müssen gleich zwei Wasserschäden behoben werden. © ZVW/Gabriel Habermann (Archiv)
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Ob das Eckventil kaputt war oder mangelhaft eingebaut, lässt sich nicht sagen. Das tropfende Wasser hat aber einen enormen Schaden im Bewegungskindergarten angerichtet. © Kita Purzelbaum
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Um zu sehen, ob der Küchenboden dicht ist, hat der Gutachter einen Anstauversuch mit eingefärbtem Wasser unternommen. Weil das Wasser tags drauf zum Teil verschwunden war, zeigte sich: Die Abdichtung in der Küche ist das Problem.

Schorndorf.
Geht’s um den Kindergarten Purzelbaum, scheint Murphys Gesetz tatsächlich zu gelten: Alles, was schiefgehen kann, geht auch schief. In der Sitzung des Technischen Ausschusses, in der es einen Sachstandsbericht zum Wasserschaden gab, zeigte sich nicht nur CDU-Fraktionsvorsitzender Hermann Beutel – mit Verweis auf Murphy – betroffen. Auch Bürgermeister Thorsten Englert war ernüchtert: „Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn man ein Gebäude fertiggestellt hat und dann einen Wasserschaden feststellt.“

Und es ist ja nicht der erste Rückschlag. Im Sommer 2019 wurde nicht nur klar, dass sich der ursprünglich auf September geplante Einzugstermin auf Anfang Januar 2020 verschieben würde, sondern dass auch der Kostenrahmen von 6,8 Millionen Euro nicht zu halten sei: Wegen der Bauhochkonjunktur, Lieferengpässen, einer Gruppenumplanung und Resten des Altlache-Freibads in der Baugrube stiegen die Kosten um 28 Prozent auf acht Millionen Euro. Außerdem gab es schon damals einen Wasserschaden im Gebäude: Handwerker, die ohne Voranmeldung an einem Samstag auf der Baustelle aufgetaucht waren, hatten undichte Dachabläufe hinterlassen.

Und direkt nach den Weihnachtsferien kam Wasserschaden Nummer zwei: Am 2. Januar hat Matthias Knauss, Bauleiter der Stuttgarter Architekturbüros h4a/bwb, Wasser im WC-Bereich und in der benachbarten Matschschleuse im Erdgeschoss entdeckt, das sich bis dahin unbemerkt in Wände und Böden ausgebreitet hat. Ein Eckventil, das vermutlich seit Mitte November tropfte, hat den Schaden verursacht – und den Einzug der Kindergartenkinder zum 7. Januar verhindert: Drei Ü-3-Gruppen mussten ins Kinderhaus Sonnenbogen zurückkehren.

Zweiter Wasserschaden: Zu dünne Abdichtung in der Küche

Auf 40 000 Euro beziffert Bürgermeister Englert die Kosten für die Behebung dieses Wasserschadens – „ohne finanzielle Folge für die Stadt“, eine Bauwesenversicherung ist bereits eingeschaltet. Dazu kommen 60 000 und 80 000 Euro für die Mängelbeseitigung eines weiteren Wasserschadens, bei dem der Bauleiter zunächst Konsenswasser als Ursache für Feuchtigkeit unter der Sockelleiste an der Garderobe im Eingangsbereich vermutet hatte. Tatsächlich, das hat ein von der Stadt bestellter Gutachter der IHK Karlsruhe mittlerweile herausgefunden, ist die Ursache Wasser, das durch den abgeplatzten Schlauch einer Küchenspüle geflossen ist und durch eine viel zu dünne und fehlerhafte Abdichtung in den Boden sickern konnte. Mittlerweile mussten also nicht nur der WC-Bereich und der Nebenraum zurückgebaut werden, sondern auch die Küche.

Dass die Stadt mit Dr. Michael Siegwart bereits jetzt einen öffentlich bestellten Sachverständigen eingeschaltet hat, das geschah auf Empfehlung des auf Bau- und Architektenrecht spezialisierten Rechtsanwalts Dr. Frank Eisenmann, mit dem die Stadt schon mehrmals zusammengearbeitet hat. Und der verspricht sich dadurch eine Zeitersparnis: „An Bauprozessen“, gab Eisenmann den Ausschussmitgliedern nicht ohne ironischen Unterton zu bedenken, „kann man viele Jahre seine Freude haben“. Darum strebt der Rechtsanwalt auch eine außergerichtliche Einigung an. Dass mit der Sanierung Beweismittel zerstört werden, wie vom SPD-Fraktionsvorsitzenden Thomas Berger angemerkt, nimmt Eisenmann in Kauf: Deshalb sei es auch so wichtig, alles vorher so gut wie möglich durch einen Gutachter zu dokumentieren. Geht’s beim Bewegungskindergarten doch tatsächlich um Zeit: Noch diese Woche sollen die Sanierungsarbeiten an einen Generalunternehmer vergeben werden, damit der Wiedereinzugstermin zum 1. Mai eingehalten werden kann und nicht mehr nur die Krippenkinder den ersten Stock des Kindergartens nutzen können.

Kindergartenbetrieb nur mit Zustimmung des KVJS

Dass Grünen-Rätin Kirsten Katz Zweifel hat, ob dieser Termin tatsächlich zu schaffen ist, das, sagte Oberbürgermeister Matthias Klopfer, „nehmen wir zur Kenntnis“. dabei gibt es durchaus Unsicherheitsfaktoren: Der Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS) muss grünes Licht geben für den Kindergartenbetrieb bei laufender Sanierung des Wasserschadens in Küche und Garderobenbereich.

Dass die beiden Wasserschäden aber so lange unbemerkt blieben, liegt für Bauleiter Knauss in der Natur der Sache: Bei Wasser, das aus einem defekten oder mangelhaft montierten Eckventil langsam hinter die Trockenwand tropft, „da hat man keine Chance“. Und ob eine Abdichtung im Küchenboden dick genug ist, auch das lasse sich von oben nicht erkennen. Das Wasser vorsorglich abzudrücken, wie von CDU-Rat Beutel vorgeschlagen, auch das wäre keine Option gewesen: „Sonst kann ein Legionellenbefall folgen“, gab der Gutachter zu bedenken. Darum seien die Leitungen über die Weihnachtsferien auch alle 72 Stunden durchgespült worden. Wegen möglicher Gesundheitsgefahren durch den Schimmelbefall machte sich SPD-Rätin Silke Olbrich Sorgen. Ein Problem, das für den Gutachter aber beherrschbar ist: Der sichtbare Befall werde zurückgebaut und nach der Trocknung folge dann der Nachweis, dass die Räume nicht von Schimmelsporen befallen sind.


Kein Verständnis von den Eltern

Oberbürgermeister Matthias Klopfer hat sich in der Sitzung des Technischen Ausschusses nicht nur bei der Awo, bei Kindergartenleiter Tim Schopf und dem ganzen Team für das konstruktive Nach-vorne-Blicken bedankt, sondern auch bei den Eltern für ihr Verständnis – und bekam dann aus den voll besetzten Zuschauerreihen prompt ein „Nein“ zu hören. Und tatsächlich beschreibt Susanne Rösch, Mutter eines Kindergartenkindes aus dem Purzelbaum/Sonnenbogen, wie sie die Sitzung am Dienstagabend mit anderen Eltern „fassungslos“ verlassen hat.

Und zwar aus diesem Grund: Kein Ausschussmitglied habe, obwohl die Eltern ihr Anliegen im Vorfeld mehrfach vorgebracht hatten, die geplanten Baumfällungen im Kinderhaus Sonnenbogen angesprochen. Für die Eltern ein Tiefschlag – „da es scheinbar niemanden interessiert, wenn den Kindern auch noch ihr geliebter Garten genommen wird“.

Ende Februar sollen alle Bäume im Garten gefällt werden – „im einzig idyllischen Bereich der vom Abbruchvorhaben gezeichneten Einrichtung“. Noch Anfang Januar, berichtet Susanne Rösch, als die Kindergartenkinder wieder in ihre alte Einrichtung am Wieslaufweg zurückkehren mussten, hätten die Eltern sich gegenseitig versichert, „dass der Garten des Sonnenbogens das einzig Positive am Rückzug in das alte Gebäude ist“. Denn ob der Umzug in den neuen Bewegungskindergarten tatsächlich zum 1. Mai stattfinden kann – die Eltern haben verständlicherweise ihre Zweifel. Und selbst bei planmäßigem Ablauf seien es für die Kinder immerhin noch acht Wochen in einem Garten ohne Bäume: „Es ist unmöglich, das den Kindern anzutun“, findet Susanne Rösch und kündigt eine Unterschriftenaktion an.

Bürgermeister Thorsten Englert bittet dennoch um Verständnis: Die Baumfällarbeiten auf dem Gelände des Kinderhauses Sonnenbogen seien auf den spätestmöglichen Zeitpunkt verschoben worden. Schließlich dürfen, so die gesetzliche Regelung, Bäume nur von Anfang Oktober bis Ende Februar gefällt werden. „Die Stadt Schorndorf hat hier also keine rechtliche Handhabe“, so Englert weiter und gibt zu bedenken: Im Mai soll auf dem Gelände ein neues Gebäude entstehen, die Bauarbeiten sind vergeben – für einen Neubau mit zahlreichen Mietwohnungen und einem Kindergarten im Erdgeschoss. „Ich denke, es ist in niemandes Interesse, dass auch diese Einrichtung mit Verzögerung eröffnet wird.“

Das einzig Positive an der ganzen leidigen Geschichte ist: Trotz der Wasserschäden konnte der Betrieb der Kinderkrippe im ersten Stock des neuen Bewegungskindergartens am 7. Januar wie geplant mit 14 unter Dreijährigen starten. Die Räume wurden überprüft und mit Genehmigung des Gesundheitsamtes freigegeben. Nach und nach sollen die Krippenkinder jetzt eingewöhnt werden.

Schorndorf.
Geht’s um den Kindergarten Purzelbaum, scheint Murphys Gesetz tatsächlich zu gelten: Alles, was schiefgehen kann, geht auch schief. In der Sitzung des Technischen Ausschusses, in der es einen Sachstandsbericht zum Wasserschaden gab, zeigte sich nicht nur CDU-Fraktionsvorsitzender Hermann Beutel – mit Verweis auf Murphy – betroffen. Auch Bürgermeister Thorsten Englert war ernüchtert: „Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn man ein Gebäude

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